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"Freistil" soll es heißen, das Badeschiff, das Eckart von Schwanenflug gerne in den Main setzen würde.

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Idee vom Badeschiff: Nur eine Vision oder bald Realität in Frankfurt?

Die Idee vom Badeschiff ist wie Nessie: jedes Jahr zur Sommerzeit taucht sie auf und bleibt am Ende eine Vision. Planer Eckart von Schwanenflug hat die Nase voll von dem, was er "Verhinderungspolitik der Stadt" nennt. Er will eine Entscheidung. Das Potenzial eines Badeschiffes für die Naherholung der Frankfurter sieht nicht nur er.

Frankfurt - In diesen Tagen träumt der Architekt Eckart von Schwanenflug (51) oft von Wien. Nicht, dass es in der österreichischen Hauptstadt gerade weniger heiß wäre als in Frankfurt. Aber Wien hat das, was Schwanenflug gerne für Frankfurt hätte: ein Badeschiff, mitten in der Stadt. Seit vielen Jahren arbeitet sich der engagierte Planer an dem Projekt ab, hat, wie er sagt, dutzende Entwürfe vorgelegt: wie es aussehen könnte und wie es technisch funktioniert.

Badeschiff: "Echtes Frankfurt-Projekt"

Er hält das Badeschiff für ein "echtes Frankfurt-Projekt": Identitäts- und integrationsstiftend. "Weil es kein Schickimicki-Club-Ding werden soll, sondern ein Schwimmbad für Jedermann." Dass das funktionieren kann, sei in Wien zu besichtigen - und nicht nur dort. Auch in Berlin gehöre ein Badeschiff, idyllisch in der Spree gelegen, zu den Attraktionen der Stadt. "Nur in Frankfurt soll es nicht gehen?", fragt von Schwanenflug. Rein rhetorisch. Die Antwort liefert er gleich hinterher: "Nichts als Verhinderungsargumente trägt das Umweltdezernat vor." Wenn Frankfurt einerseits Metropolcharakter und Weltstadtambition für sich reklamiere, demonstriere es in punkto Badeschiff eine gewisse Provinzialität.

"Freistil" ist der Projektname des Schiffs, wie es von Schwanenflug konzipiert hat. Es soll über ein 50 Meter langes Becken mit vier Bahnen verfügen. Warum nur vier Bahnen? "Weil das Schiff schmal genug sein muss, um durch die Schleusen zu kommen", sagt der Planer. Bei Bedarf soll der 1200 Quadratmeter große Schwimmbereich über eine flexible Brücke auch in zwei mal 25 Meter breite Becken teilbar sein. Damit sei das Badeschiff auch optimaler Austragungsort für Wettkämpfe. Was das "Freistil" zudem bieten soll: eine Sauna mit Wellnessbereich, Fitnessstudio und Bistro. "Es soll Spaß machen, nach dem Baden in der Freistil-Bar und der Pool-Lounge zu entspannen", schwärmt von Schwanenflug. "Es wäre ein Ort der Begegnung mit Flair. Das ist doch besser, als wenn jeder am Ufer auf seiner Decke hockt und Bier trinkt."

Es ist nicht so, dass von Schwanenflug nicht genug zu tun hätte, dass er sich nun dermaßen vehement für die Umsetzung der Badeschiff-Idee einsetzt. Es ist eher so, dass er nun wissen will: Wie ist die valide Position der Stadt dazu? "Eigentlich müsste sie positiv und unterstützend sein", sagt er und verweist auf einen rund elf Jahre Magistratsbericht.

Badeschiff: Ökologische Vorbehalte

Indessen liest sich dieser kaum wie lupenreine Zustimmungsprosa. Vielmehr werden eine Reihe von Ausschlusskriterien formuliert: Sichtbehinderung für Nutzer des Tiefkais ist zu vermeiden, Bootsaufbauten dürfen städtebauliche Sichtbezüge nicht oder nur geringfügig beeinträchtigen, keine zusätzliche Lärmbelastung erwünscht.

Diese Vorbehalte sind nicht abgebaut. Im Gegenteil. "Ein Badeschiff verträgt sich nicht mit dem Stadtbild. Außerdem haben wir erhebliche ökologische Vorbehalte", sagte gestern Susanne Schierwater, Sprecherin von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). "Wir lehnen das Projekt Badeschiff ab." Ende der Durchsage.

Ganz andere Töne aus dem Haus von Plaungsdezernent Mike Josef (SPD): "Wir begrüßen das Projekt Badeschiff", sagte gestern Marcus Gwechenberger auf Anfrage dieser Zeitung. Es passe hervorragend in die Idee, den Main als Naherholungsraum weiterzuentwickeln, ganz im Sinne des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes frankfurt 2030+. Man habe sich die Badeschiffe in Berlin und Wien angeschaut und gesehen: Sie sind eine Attraktion fürs Publikum. Als möglicher Standort sei der Osthafen womöglich eine gute Idee. "Es ist ein urbaner Standort mit Skyline-Blick ohne die Last besonderer Anforderungen aus dem Landschaftsschutz", so Gwechenberger.

Für Eckart von Schwanenflug ist der Osthafen weniger ideal, auch weil die hohe Kaimauer die Erreichbarkeit des Schiffes für Besucher erschweren würde. Marcus Gwechenberger gibt sich zuversichtlich: "Das ließe sich ohne weiteres lösen."

Das Badeschiff für Frankfurt ist offenbar noch längst nicht abgesoffen. Sein derzeit glühendster Verfechter Eckart von Schwanenflug wird noch eine Weile gleichsam als Freistil-Bademeister unterwegs sein. Das nächste Mal offiziell bei einem Treffen in der nächsten Woche. Dem Leiter des Umweltamtes, Peter Dommermuth, und der Projektleiterin des Grünflächenamtes, Heike Appel, soll er dann noch einmal detailliert die Pläne darlegen.

VON SYLVIA A. MENZDORF

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