Fast 500 Teilnehmer waren bei der Demo nahe des Ikea in Frankfurt.
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Fast 500 Teilnehmer waren bei der Demo nahe des Ikea in Frankfurt.

Gewerbegebiet

Protest vor Ikea: Demo gegen geplantes Gewerbegebiet

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Rund 500 Menschen zogen durch die Felder nahe Ikea. Sie protestierten gegen das, was sie „Zwangs-Bebauung“ nennen.

  • Im Norden von Frankfurt demonstrierten rund 500 Menschen.
  • Bei der Demo nahe Ikea ging es um ein neues Gewerbegebiet.
  • Der Stadt Frankfurt warfen die Demonstranten „Zwangs-Bebauung“ vor.

Frankfurt - Ein Marsch bei spätsommerlichen knapp 30 Grad und leichtem Gegenwind durch die staubige Flur: Gestern Nachmittag versammelten sich rund 500 Nieder-Eschbacher auf dem Feld in Frankfurt. Sie demonstrierten gegen das geplante neues Gewerbegebiet.

Vorneweg: Eine Kolonne von rund 30 Traktoren, die mit Transparenten behängt waren. "1972 Zwangs-Eingemeindung. 2022 Zwangs-Bebauung. 50 Jahre Diktatur der Stadt Frankfurt sind genug!" stand auf einem, "Sie säen nicht, sie pflegen nicht, sie ernten nicht, aber sie verplanen unser Land" auf einem anderen Banner. Nieder-Eschbach wehrte sich gestern gegen die Pläne, ein neues Gewerbegebiet entlang der Anna-Lindh-Allee zu planen. "Asterix und Obelix haben gesagt, die spinnen, die Römer. Wir sagen, die spinnen, die im Römer", rief Beatrix Krings-Schütz ins Mikrofon.

Demo bei Ikea in Frankfurt: Zur Stärkung einen Schoppen

Vom Kreisel Homburger Landstraße ging der Protestmarsch durch die Felder entlang des Fahrradwegs zum Martinszehnten, bog dann ab zu Ikea und führte zurück. Jochen Haseleu, auch er Mitglied im Ortsbeirat 15, fuhr mit seiner Vespa Ape ganz hinten. Für den Notfall. Vor Ikea, auf einer Wiese, warteten schon die Traktoren. Würstchen wurden gegrillt, Gespritzter ausgeschenkt.

Michael Paul, ebenfalls wie Beatrix-Krings-Schütz Mitglied im Ortsbeirat 15, zählte an einer schmalen Stelle zwischen zwei Traktoren jeden, der durchkam. Sein Ergebnis: 481 Teilnehmer der Demonstration. Ein Polizist hatte vorher auf 250 geschätzt.

Demo in Frankfurt nahe Ikea: Kritik an Plänen für Gewerbegebiet

Dann erhob Ortsvorsteher Ernst Peter Müller auf einem Traktor-Anhänger das Wort: "Wir alle, der gesamte Ortsbeirat ohne Ausnahme, haben zu dieser Demonstration geladen", sagte er. Es sei die erste Demo des Ortsbeirats, aber vielleicht nicht die letzte.

"Mich haben schon Leute angesprochen. Wir wollen eine Bürgerinitiative gründen!" Es sei im Norden schon viel zu viel gebaut worden: "Eine betonierte Trostlosigkeit um uns herum." Alle, und zwar restlos alle Stadtteilparlamentarier im Ortsbeirat sind gegen die Planungen des Magistrats, in dem von der Homburger Landstraße, der Anna-Lindh-Allee und der Züricher Straße aufgespannten Dreieck ein Gewerbegebiet zu errichten.

Demo bei Ikea in Frankfurt: Noch ist unklar, wie groß das Gewerbegebiet werden soll

Die Pläne stecken noch in der allerersten Stufe, so dass laut Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) noch überhaupt nicht gesagt werden kann, wie groß das Gewerbegebiet wird und wie groß die versprochene Abstandsfläche zur Bebauung an der Homburger Landstraße. Es ist also ein ganz frühes Stadium der Planungen. Dass der Ortsbeirat als das für Nieder-Eschbach zuständige Gremium davon aus der Zeitung erfuhr, erbost seine Mitglieder besonders. Jetzt schalteten sie auf stur: "Nieder-Eschbach wehrt sich" lautete das Moto der Demonstration.

Dem stimmen die Bürger zu. So lobt der Landwirt Michael Klein aus Bommersheim den guten Boden im Frankfurter Norden. "Der muss geschützt werden." Vor allem weil die Landwirte, wenn die Böden betoniert werden, andere Felder pachten müssten. Etwa in der Wetterau. "Dort nehmen sie den schwächeren Bauern das Land weg, so dass es zum Bauernsterben kommt."

Geplantes Gewerbegebiet nahe Ikea in Frankfurt: Ein Refugium für Wildtiere

Andreas Glienke vom Nabu Nieder-Eschbach betont: "Es ist hier ein wichtiges Refugium für Wildtiere. Und im Norden Frankfurts wird ohnehin zu viel gebaut." Dem stimmt Daniela Kreiner-Barth zu: "Ich bin gegen das Gewerbegebiet, weil es uns noch mehr Verkehr bringt und den dörflichen Charakter noch mehr zerstört." (Von Thomas J. Schmidt)

Auch viele Eltern aus Frankfurt demonstrierten vor einigen Monaten. Auf dem Römerberg und in Bornheim protestierten sie gegen die Schul- und Kita-Schließungen wegen Corona.

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