In Frankfurt werden viele Wohnungen illegal und sehr teuer vermietet. Die Stadt holt jetzt hunderte Wohnungen auf den Markt zurück.
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In Frankfurt werden viele Wohnungen illegal und sehr teuer vermietet. Die Stadt holt jetzt hunderte Wohnungen auf den Markt zurück.

Jenseits des Mietspiegels

Illegal vermietet: Stadt Frankfurt holt hunderte Wohnungen zurück 

In Frankfurt werden viele Wohnungen illegal und sehr teuer vermietet. Die Stadt holt jetzt hunderte Wohnungen auf den Markt zurück.

  • Mieten in Frankfurt sind sehr teuer
  • Viele Wohnungen werden illegal als Residenzwohnungen vermietet
  • Die Stadt gewinnt hunderte Wohnungen zurück

Frankfurt – Das tage- und wochenweise Vermieten von möblierten Wohnungen in Frankfurt gilt als Gewerbe, der Wohnraum als zweckentfremdet. Vor zwei Monaten kündigte die Stadt Frankfurt Maßnahmen gegen diese illegalen Residenzwohnungen an. Jetzt wurden erste Ergebnisse bekannt. 

Frankfurt: Wohnungen teuer und illegal vermietet – Stadt holt hunderte Wohnungen zurück

341 Wohnungen mit 8500 Quadratmetern hätten für den Markt zurückgewonnen werden können, teilte das Planungsdezernat auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Ende Oktober hatte Dezernent Mike Josef (SPD) die Prüfungen angekündigt.

Insgesamt rechnete die Stadt Frankfurt zu Beginn der Kampagne mit rund 3000 unangemeldeten "Businessapartments" oder "Residenzapartments" etwa für Monteure oder Touristen. Illegalen Anbietern drohen Bußgelder von 50 000 bis 100.000 Euro oder mehr sowie Gewinnabschöpfung. Mitarbeiter der Bauaufsicht fahnden gezielt nach entsprechenden Angeboten im Internet. Der Hebel: Juristisch sind solche auf kurze Zeit vermieteten Wohnungen keine Wohnungen mehr, sondern ein Gewerbebetrieb - ähnlich wie ein Hotelzimmer. Und diese Umwidmung ist nicht zulässig.

Was sich im Internet bei einer Recherche dieser Zeitung finden lässt, enthüllt noch ein weiteres Problem: Viele Wohnungen werden als "Residence" angeboten, sind aber nicht kurz-, sondern längerfristig zu mieten - etwa beim Vermittler City-Residence in Frankfurt für zwei-, drei- oder sechs Monate Mindestmietzeit. Eine Ein-Zimmer-Wohnung mit 31 Quadratmetern beispielsweise, im Westend gelegen in der Bockenheimer Landstraße, soll 1650 Euro monatlich kosten - als Warmmiete, mit allen Kosten. Das sind mehr als 50 Euro pro Quadratmeter.

Rolf Janßen, Chef des Mieterschutzvereins Frankfurt, erläutert: "Auch für diese Wohnungen gilt der Mietpreisspiegel. Wir helfen den Mietern, den Wert der Möbel einzuschätzen." Dies sei zurzeit der einzige Weg, den Vermietern diesen Ausweg zu versperren. Die Angebote an möblierten Wohnungen nehmen zu: Waren es 2012 noch 34 Prozent aller Angebote, sind es zuletzt 45 Prozent, ermittelte das Forschungsinstitut Empirica.

Frankfurt: Wohnungen illegal und teuer vermietet

Auch gegen illegale Ferienwohnungen geht die Frankfurter Bauaufsicht weiter vor. Im Jahr 2019 seien 103 ungenehmigte Angebote ausgemacht worden. Abgeschlossen seien die Verfahren im Fall von 26 Wohneinheiten mit insgesamt 1700 Quadratmetern, die nun wieder dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stünden. Seit 2018 gilt in Frankfurt eine Satzung, die den erlaubten Zeitraum der Untervermietung an Feriengäste auf acht Wochen pro Jahr einschränkt.

Der Mieterbund Hessen begrüßt das Vorgehen. "Die Stadt hat keine andere Möglichkeit, es fehlen einfach sehr, sehr viele Wohnungen", sagte Verbandsdirektorin Eva-Maria Winckelmann. Sie forderte, dass weitere Städte prüfen, ob sich eine Ferienwohnungssatzung lohnen könne - darunter Darmstadt, Offenbach oder Wiesbaden. 

dpa/tjs

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