Wer eine Europareise plant, darf natürlich Italien nicht auslassen - auch Mailand ist einen Besuch wert, wie die "Alter-Naiven" in ihrem Stück berichten. Warum die Stadt so schön ist, verrät ein Ensemblemitglied.
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Wer eine Europareise plant, darf natürlich Italien nicht auslassen - auch Mailand ist einen Besuch wert, wie die "Alter-Naiven" in ihrem Stück berichten. Warum die Stadt so schön ist, verrät ein Ensemblemitglied.

Vorhang auf

Frankfurt: Illustre Theatertruppe reist quer durch Europa

  • vonGernot Gottwals
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Seit Juli proben die "Alter-Naiven" in Niederrad ihr neues Stück. Die Premiere ist für Ende Oktober geplant.

Erinnerungen werden wach, als die "Alter-Naiven" im Wohnzimmer sitzen, von ihren ersten Theaterstücken schwärmen und im Hintergrund die neuen Lottogewinner ermittelt werden - so wie früher, als die Glückszahlen noch live gezogen wurden. Und dann die große Überraschung: Die Tippgemeinschaft hat sechs Richtige und eine Million Euro! Davon will sich die Seniorentruppe nun endlich eine Traumreise gönnen.....

Was im Januar beim Ensemble der evangelischen Niederräder Paul-Gerhardt-Gemeinde als Idee für das neue Theaterstück "Eine Reise durch Europa" begann, wurde von der Wirklichkeit jäh ausgebremst: Die Grenzen wurden geschlossen, viele Traumziele lagen oder liegen erneut in Risikogebieten. Und als im März der Lockdown kam, musste auch die achtköpfige Schauspieltruppe ihre Proben einstellen. Doch dauerhaft wollen sich die 58- bis 86-jährigen Akteure von Corona keineswegs ausbremsen lassen.

Damit die Reise für Europa möglichst noch Ende Oktober auch für das Publikum beginnen kann, treffen sich die "Alter-Naiven" seit Juli wieder vorsichtig zu Sprech- und Spielproben, sammeln Ideen und Kostüme, schreiben und feilen an Texten. Denn der Clou bei diesem neuen Stück: "Jeder Charakter auf der Bühne denkt sich ein Land aus, das er kennt oder kennenlernen möchte, und stellt es zu Videoeinspielungen mit einem eigenen Reisebericht und passenden Lied dazu vor", erklärt der Gemeindepädagoge Gerd Pfahl und zupft sich seinen Schottenrock zurecht.

Er selbst, der übrigens noch nie in Schottland war, hat sich einen Kilt geliehen, erzählt von Whiskey, rauen Landschaften mit Seen und Seeungeheuern, bevor er mit der Gitarre Paul McCartneys "Mull of Kintyre" an der Westküste besingt. Dafür liebt Karin Vettel Reisen nach Italien, kennt Teile des Stiefels fast wie ihre Westentasche: "Ich war auf einem Gemeindekonzert in unserer Partnerstadt Mailand, wo ich den Dom, die Einkaufsgalerie Vittorio Emmanuele und das Bild des letzten Abendmahls in der Kirche Santa Maria delle Grazie besonders toll finde", schwärmt sie.

Zur "Tarantella" lässt sie ihre Sprachreise zur Insel Ischia Revue passieren und stimmt den Schlager "Volare" ("Fliegen") an. Der frühere Pfarrer Rüdiger Stockenberg setzt den Tiroler Hut auf und träumt sich nach Kufstein, Christiane Bickeböller träumt vom "Zauber von Piräus", Erika Sehr schmettert mit Kastagnetten ein feuriges "Eviva España", während die Straßen von Barcelona vorbeiziehen." Inge Bratke stellt die Felsen von Rügen ihrer Heimat am Ostseestrand vor.

Zahl der Zuschauer ist begrenzt

Liselotte Akkermann schwärmt von Paris, vom Mont Saint Michel, vom Leben wie Gott in Frankreich, Magdalena Diewock pflückt "Tulpen aus Amsterdam". "Denn in den Niederlanden habe ich auch Verwandtschaft", sagt die mit 86 Jahren älteste Schauspielerin. So bleibt die Truppe zusammen, nur eine Akteurin, die bei einer Corona-Infektion ein sehr hohes Risiko eingehen würde, lässt sich vertreten. Einige Lieder werden auf der Bühne selbst gesungen, andere ganz oder mit Playback eingespielt.

"Als Premierentermin ist derzeit der 31. Oktober um 15 Uhr geplant", sagt Pfahl. Bis zu 15 Zuschauer könnten im Gemeindesaal in der Kelsterbacher Straße 39 Platz finden, eine zweite Aufführung wäre zur Weihnachtsfeier der ökumenischen Teestube vorstellbar. Auch eine Videoproduktion ist angedacht, falls strengere Regeln eine Aufführung erschweren würden.

Karin Vettel gründete die "Alter-Naiven" 2004 mit Pfarrer Rüdiger Stockenberg. 2013 kam Pfahl hinzu, der die Theatergruppe in sein Projekt "55+" für ältere Gemeindemitglieder eingliederte und inzwischen selbst begeistert mitspielt. Erfolgreiche Aufführungen der vergangenen Jahre waren "Geschichten aus dem alten Niederrad", "Mary Poppins", sowie einige Märchen und Sketche von Loriot. "Wir würden uns neue, mehr männliche und weibliche Schauspieler wünschen, denn manche Darstellerin wird sich altersbedingt doch zurückziehen", sagt Pfahl.

Ob die Europareise angetreten wird, bleibt im Stück vorerst offen. "Aber nicht nur wegen Corona", betont Vettel. Viele Länder seien in Frankfurt vertreten, so dass man von einem Lottogewinn auch weltweite humanitäre Zwecke unterstützen könnte, findet das Ensemble. Gernot Gottwals

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