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Plant bis 2022 fünf Projekte, die unter dem Label "Stadtgalerie" laufen: Christian Kaufmann, seit knapp einem Jahr der neue Geschäftsführer und künstlerische Leiter der Stiftung. foto: Enrico sauda

Kultur

Frankfurt: Im künstlerischen Austausch mit der Stadt

  • vonAlexandra Flieth
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Die Heussenstamm Stiftung stößt unter der neuen Leitung auch neue Projekte an.

Gut eine Woche ist es her, dass in den neu gestalteten Räumen der Galerie der Heussenstamm Stiftung in der Braubachstraße zwei Ausstellungen eröffnet wurden. Eine dieser Schauen läuft unter dem Label "Stadtgalerie", ein Projekt, das unter dem seit Dezember vergangenen Jahres mit der Geschäftsführung und der künstlerische Leitung der Stiftung beauftragten Christian Kaufmann in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architektur Museum (DAM) und Urban Shorts - Das Metropole Magazin initiiert wurde. Es gehört zu den Neuerungen, die Kaufmann in seiner Tätigkeit für die Stiftung angestoßen hat. Im ersten von fünf geplanten Projekten, die bis 2022 unter dem Label "Stadtgalerie" durchgeführt werden sollen, haben Schüler ihre Wahrnehmungen des Urbanen in eigene Kunst übertragen und in der Ausstellung "next_generation_city: Jugendliche Blicke auf Rhein-Main" zusammengeführt.

Die Arbeit geht weiter

Die Galerie der Stiftung hat, wie auch andere Kultureinrichtungen, seit vergangenem Montag ihre Türen geschlossen. Die Arbeit hinter den Kulissen geht aber weiter, das umfangreiche Ausstellungsprogramm muss umgeplant werden.

Auch die erste Auflage des Stadtgalerie-Projekts soll im Anschluss an den aktuellen "Lockdown-Light" fortgeführt werden. Genauso wie die zweite Schau, die derzeit in Räumen präsentiert wird: Fotografien der Künstlerin Vera Bielinski, die unter dem Titel "diversity" das Thema Transgender in den Mittelpunkt stellt.

"Bei dem Projekt Stadtgalerie geht es darum, künstlerische Blicke auf den städtischen Raum zu zeigen", erklärt Christian Kaufmann die Idee. Dazu zählt zum Beispiel auch der Filmemacher Reinhard Kahn, dessen Wirken und Arbeiten als zweite Schau im Rahmen der Stadtgalerie vorgestellt werden soll. Und zwar zu dessen 80. Geburtstag im kommenden Jahr.

Der Name ist Programm

Das bisher geplante Programm wird auf das kommende Jahr verschoben. Im Dezember etwa sollten Werke von mehr als 40 Künstlern in den Räumen der Heussenstamm Galerie und an anderen Orten der Braubachstraße gezeigt werden, die aus künstlerischer Perspektive den Frühjahrs-Lockdown thematisieren. Eine weitere Neuerung, die unter Kaufmann eingeführt wurde, ist auch der Name, den die Galerie trägt: "Heussenstamm. Raum für Kunst und Stadt". Der Name ist Programm, der städtische Raum soll bei der künftigen Planung von Projekten stärker mit einbezogen werden, so die Idee. Raus aus den eigenen vier Wänden, rein in den urbanen Raum. Doch die Premiere muss noch warten. Es sei schon fast eine Ironie des Schicksals, dass diese Ausstellung durch das erneute Herunterfahren des Alltags verschoben werden müsse, findet Kaufmann. "Wir werden das Ganze auf das kommende Frühjahr verlegen."

Die 1912 vom früheren Bürgermeister Frankfurts Carl Jakob Moritz Heussenstamm (1835 - 1913) gegründete gleichnamige Stiftung setzte sich einst für "Künstler und geistige Arbeiter sowie verschämte Arme", also mittellose Bürger ein. Auch heute, mehr als 100 Jahre später, stehen die Förderung von Künstlern, aber weiterhin auch gesellschaftliche Aspekte im Mittelpunkt. Anders als noch zu Beginn der Stiftungsarbeit hat sich der Fokus den aktuellen Gegebenheiten jedoch angepasst. Lag dieser lange vor allem auf der Förderung von Frankfurter Künstlern, wird die Stiftungsidee in der Gegenwart auf Künstler aus der Rhein-Main-Region erweitert. "Wir möchten die Werke von Leuten zeigen, die heute auch international unterwegs sind, wobei das keine Bedingung ist, und trotzdem ihren Lebensmittelpunkt in der Rhein-Main-Region haben", erklärt Kaufmann die Neuerung. Einer Kulturregion, in der es veritable Kunsthochschulen wie die Städelschule in Frankfurt oder die Hochschule für Gestaltung in Offenbach gebe.

Neu ist auch, dass ein Gremium an Kunstexperten Künstler für die Ausstellungsprojekte vorschlägt. Künftig sollen sowohl junge Kunstpositionen als auch solche von älteren Kollegen, die wiederentdeckt werden können, gezeigt werden.

Zu den zentralen Ideen der Neuausrichtung der Stiftungsarbeit unter Christian Kaufmann gehört zudem, Debatten zu sozialen und kulturpolitischen Themen anzustoßen. Das Format des Salons soll künftig dazu beitragen. Mit ihm soll eine alte Tradition der Heussenstamm Stiftung wieder aufleben, nämlich das gemeinsame Essen in der Küche. Nach der Umgestaltung der Galerie ist die Küche zu einem Teil der Ausstellungsräume geworden. Diese soll beim neu initiierten Format im Mittelpunkt von Austausch und Diskussion stehen, zum Beispiel mit Politikern, Künstlern oder Autoren. Alexandra Flieth

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