Viele Sparkassen, so auch die in Hausen, bleiben nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft geschlossen. FOTO: Peter Kneffel/dpa
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Viele Sparkassen, so auch die in Frankfurt Hausen, bleiben nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft geschlossen.

Filialensterben

Sparkassen-Filiale in Hausen schließt

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Schon jetzt gibt es in der Filiale in Frankfurt Hausen keine persönliche Beratung mehr. Und auch für die Filiale in Praunheim droht schlechte Nachricht.

Frankfurt – Am Schalter Geld abheben, Kleingeld einzahlen oder sich beraten lassen – all das ist in der Filiale der Frankfurter Sparkasse in Alt-Hausen schon lange nicht mehr möglich. Man bündle die Kräfte, um weiter für seine Kunden da zu sein, steht dort auf einem großen Schild, das hinter der gläsernen Eingangstür hängt.

Als Grund dafür wird die Corona-Pandemie genannt, weswegen nicht nur in der Filiale in Hausen, sondern auch in anderen im Stadtgebiet lediglich ein Geldautomat und Kontoauszugsdrucker im Vorraum genutzt werden können. Weiter heißt es auf dem rot-weißen Plakat, dass die Filiale "vorübergehend geschlossen" sei. Doch daraus wird schon bald ein "dauerhaft geschlossen". Denn ab März 2022 macht die Dependance in Alt-Hausen ganz dicht.

Das hatte das Finanzunternehmen bereits im vergangenen Sommer angekündigt. 17 der insgesamt 45 Filialen in der Mainmetropole sollen bis Mitte 2024 geschlossen werden, im Ortsbezirk 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) ist auch die Sparkasse in Alt-Praunheim betroffen, sie soll im Juni 2024 schließen.

Ortsbeirat in Sorge: Immer weniger Sparkassen in den Frankfurter Stadtteilen sorgen für Probleme

Das bereitet dem zuständigen Ortsbeirat Sorgen. Vor allem für die älteren Menschen in den Stadtteilen sei die geplante Schließung in Frankfurt eine Katastrophe, so die Stadtteilpolitiker. Gleich zwei Anträge, einen gemeinsamen von SPD und Grünen, sowie einen der Fraktion Farbechte/ Linke hatte er mehrheitlich verabschiedet, auf letzteren hat jetzt der Magistrat mit einer Stellungnahme reagiert. Demnach steht dieser im stetigen Dialog mit der Frankfurter Sparkasse, explizit wegen der Schließungen in Hausen und Praunheim habe man zudem das Gespräch gesucht.

Eine Antwort dazu lässt die Stellungnahme allerdings vermissen. Stattdessen begründet die Sparkasse die Schließungen damit, dass das Kundenverhalten sich im Rahmen der Digitalisierung verändert und die Kundenfrequenzen zugunsten der digitalen Angebote verschoben hätte. Eine Entwicklung, die durch die Corona-Pandemie weiter vorangetrieben worden sei. Die verminderten Kundenfrequenzen in den Filialen führten zur Schließung solcher Standorte, die wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien.

Das Wegfallen der Sparkassen-Standorte soll von Callcentern aufgefangen werden

Im Gegenzug reagiere man auf die Änderung des Kundenverhaltens mit einem Ausbau des digitalen Service- und Beratungsangebotes um ein digitales Beratungs- sowie Geschäftskunden-Center mit einem Telefon-, E-Mail- und Videochat-Angebot von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr. In Frankfurt gebe es darüber hinaus ein engmaschiges Netz an Geldautomaten sowie die Möglichkeit, Geld in den Supermärkten vor Ort abzuheben.

Auch wenn man keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Entscheidung der Sparkasse Frankfurt habe, werde man sich weiterhin beim Unternehmen für die Aufrechterhaltung der infrastrukturellen Grundversorgung in den Stadtteilen einsetzen, betont der Magistrat.

Die leeren Räume der ehemaligen Sparkassen-Filialen sollen kreativ genutzt werden

Um Leerstand in den Frankfurter Stadtteilen zu vermeiden, habe man zudem zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, um proaktiv gestaltend dagegen vorzugehen, antwortet der Magistrat auf die Sorge des Ortsbeirates, dass durch die Filialschließungen Flächen ungenutzt blieben. "Radar Kreativräume" vermittle in der Stadt verfügbare Gewerberäume an Akteure der Kreativwirtschaft, organisiere projektbezogene Zwischennutzungen und begleite Förderanträge für Umbaumaßnahmen.

Zudem verfolge die Wirtschaftsförderung ein aktives Leerstandsmanagement. So er- und bearbeite sie Maßnahmen zur Reaktivierung von vakanten Ladenflächen und zur Entwicklung eines attraktiven und nachhaltigen Nutzungsangebotes in den Stadtteilen. Die Entscheidung für die weitere Nutzung der vakanten Liegenschaft in Praunheim und Hausen sowie die Bereitschaft zu einer entsprechenden Kooperation obliege jedoch letztlich dem Immobilieneigentümer. (Judith Dietermann)

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