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Alexander Nöll schaut ganz genau hin, ob die Qualität der Äpfel stimmt, die ihm da per Lkw auf den Hof geliefert werden.

Stöffche

Familien-Kelterei Nöll in Griesheim: Lokaler Ebbelwei aus der fünften Generation

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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In der Familien-Kelterei Nöll in Griesheim wird unermüdlich der Apfelweinjahrgang 2020 produziert.

Frankfurt – Im alten Ortskern von Griesheim duftet es wieder: nach Äpfeln und Trester. Seit genau einem Monat wird dort in der Kelterei Nöll der Apfelwein-Jahrgang 2020 produziert. Wenn man den Hof betritt, fällt sofort eine große, grüne Schütte in den Blick, in die die Apfellieferanten ihre Früchte einliefern. Manchmal kommen spontan Privatleute vorbei, die auf ihrem Grundstück ein, zwei Apfelbäume stehen haben. Oder die gar Eigentümer eines eigenen Apfelhains sind. Jedermann ist bei Nölls willkommen, wenn er Äpfel für die Weinherstellung abgeben möchte. Das Gros der Produktion sichern die Nölls jedoch mit Lieferungen von Apfelbauern ab, von denen sie die riesigen Mengen beziehen können, die sie für die vielen Tausenden Liter Apfelwein benötigen.

Vom Hobby zum Traditionsgeschäft

Alexander Nöll führt die Geschäfte des Unternehmens in 5. Generation. Alles begann 1876, als in der Hausnummer 8 auf der alten Griesheimer Hauptstraße die Küferei Lehmann gegründet wurde. Der Beruf des Küfers ist inzwischen fast ausgestorben, doch damals wurden handgefertigte Holzfässer für viele Zwecke benötigt. So auch zum Lagern von Apfelwein. Da Lehmanns und Nölls ohnehin immer Fässer im Hause hatten, war es keine Frage, dass sie für den Eigenbedarf Apfelwein herstellten. 1962 entschieden sich der Großvater und der Vater des jetzigen Chefs Alexander Nöll dafür, ihr Geschäft von Fässern auf Apfelwein zu verlagern. Seit beinahe 60 Jahren arbeitet Familie Nöll nun daran, ihre Marke auszubauen. Die unzähligen Preise und Auszeichnungen, die ihnen für die hohe Qualität ihrer Weine und Säfte verliehen wurden, zeigen, dass sie den richtigen Riecher haben.

Die Apfelernte 2020 ist eine durchschnittliche. Nicht besonders gut, aber auch nicht schlecht. In einzelnen Regionen hatten Apfelbauern in diesem Jahr mit der Trockenheit, der Hitze und Schädlingsbefall zu kämpfen.

Nur gesunde Früchte ohne faule Stellen

Doch im Allgemeinen sind Menge und Qualität der Äpfel in diesem Jahr völlig in Ordnung. Den Rest erledigt die Kelterei, damit Apfelwein-Liebhaber ihre Freude am Jahrgang 2020 haben werden. Die Qualitätssicherung geht schon los, wenn Äpfel in der Kelterei angeliefert werden. Es werden grundsätzlich nur gesunde Früchte ohne faule Stellen angenommen. Alexander Nöll erklärt Lieferanten seinen Anspruch am liebsten mit einer Frage: "Würden Sie in diesen Apfel mit Genuss hineinbeißen? Wenn nicht, dann eignet er sich auch nicht für unseren Apfelwein."

Im ersten Arbeitsschritt gehen die Äpfel in die Waschung, um sie von Erdresten oder Sand zu befreien. Im Waschkanal schwimmen sie automatisch zur nächsten Station - dem "Elevator". Dahinter verbirgt sich ein schneckenförmiger Aufzug, in dem die Äpfel ein zweites Mal mit Frischwasser gewaschen werden.

Aus dem Trester wird Frankfurter Biogas

Oben angekommen, durchlaufen sie die Mühle. Mit Motorkraft werden die Äpfel grob zu Maische zermahlen, deren Konsistenz man mit dem Teig für Kartoffelpuffer vergleichen könnte. Die Maische wird in einem Behälter aufgefangen, von dort durch eine Pumpe auf die Bandpresse befördert, und in dieser Presse entsteht schon der Apfelsaft. Das Abfallprodukt, der sogenannte Trester, landet nicht einfach im Müll. Ein Frankfurter Industrieunternehmen stellt mit dem Apfeltrester Biogas her.

Der größte Teil des reinen, natürlichen Apfelsafts wird nun zu dem beliebten Frankfurter Nationalgetränk weiterverarbeitet. Der Saft wird in Fässer mit je 5000 bis 8000 Liter Fassungsvermögen gefüllt, mit Hefe versetzt und der Gärung überlassen. Schon sechs bis acht Wochen später ist es so weit: Es ist Apfelwein entstanden, der "von der Hefe genommen" und geklärt werden kann. Da sich inzwischen ungeklärte, naturtrübe Apfelsäfte großer Beliebtheit erfreuen, bieten Nölls von diesem Jahr an auch ungeklärten Apfelwein an.

Ein Einkauf direkt im Hof der Kelterei ist ein kleines Erlebnis, das man inmitten einer Großstadt wie Frankfurt nur noch äußerst selten findet. Doch auch in regionalen Lädchen und Supermärkten findet man Nölls Weine und Säfte. So etwa im Hessenshop, im Apfelwein-Fachhandel wie etwa den Sachsenhäuser Institutionen Apfelweinkontor und JB, bei den großen Edeka "Scheck Ins" und sogar im Transitbereich des Frankfurter Flughafens. Die Nölls sind stolz darauf, dass ihr Wein in vielen Frankfurter Restaurants, Bars und Hotels ausgeschenkt wird. Wer noch Äpfel aus seinem Garten zum Jahrgang 2020 beitragen möchte, kann diese voraussichtlich noch bis Ende nächster Woche in der Kelterei abgeben.

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