Impfgegner laufen auf einer Straße in Frankfurt. Einer der Gegendemonstranten hält ein Schild mit der Aufschrift „Stockimpfung für Spaziergänger“, daneben ist ein Smiley, dem ein Spazierstock auf den Kopf geschlagen wird.
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Impfgegner ziehen durch Frankfurt. „Die Partei“ hält dagegen.

Corona-Krise

Demo gegen Corona-Maßnahmen und Impfpflicht stößt in Frankfurt auf Gegenprotest

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Mehr als 4000 Impfgegner ziehen durch Frankfurt – einige verbreiten antijüdische Verschwörungstheorien und nutzen Neonazi-Codes. Es gibt Widerstand.

Frankfurt – Schätzungsweise mehr als 4000 Menschen haben am Samstag (08.01.2022) in Frankfurt bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen und eine mögliche Impfpflicht protestiert. Die Polizei sprach von anfänglich 1000 Teilnehmern, in der Spitze sogar von 8000 Menschen. Der Rundgang war zuvor mit erwarteten 750 Teilnehmern beim Ordnungsamt angemeldet worden.

Als Auflagen wurden Maskenpflicht, Abstände von 1,50 Metern und Verbote von brennenden Kerzen und Fackeln sowie das Zeigen von Symbolen, die dem Davidstern ähneln, erlassen. Die Maskenpflicht wurde großteils wieder einmal ignoriert. Die Abstandsauflage ist sowieso schwierig umzusetzen, geschweige denn zu kontrollieren.

Die Demo begann im Holzhausenpark im Nordend. Zunächst sprach eine Frau, die einst auch auf der „dunklen Seite“ – jener der Medien – stand. So wetterte sie gegen die Berichterstattung in den Massenmedien, gegen „Globalisten und Strippenzieher“. Wozu die Corona-Maßnahmen und Impfungen dienten, sei doch jedem klar. Deshalb verzichtete sie auch darauf, das näher zu erläutern. Kurz nach 15 Uhr setzte sich der Tross in Bewegung. Es ging über den Oeder Weg in Richtung Konstablerwache.

Die Corona-Impfung spaltet auch in Frankfurt die Lager: „Die Partei“ schlägt „Stockimpfungen“ vor

Gleich zu Beginn formierte sich im Nordend Gegenprotest. Die Partei „Die Partei“ rund um den Stadtverordneten Nico Wehnemann war mit Schildern in den Holzhausenpark gekommen und konfrontierte die Demo unterwegs auch immer wieder. Mit Schildern wie „Stockimpfung für Spaziergänger“ und „Corona ist nicht Bielefeld“ zeigte „Die Partei“, was sie von Impfverweigerern hält. Auch die Linke hatte zum Gegenprotest mobilisiert und rief „Haut ab!“. Anwohner des Nordends standen mit Protestschildern vor ihren Häusern. Sie ernteten Kopfschütteln und auch Beschimpfungen bis hin zur Androhung von „Prügel“.

Auch an anderen Stellen entlang der Strecke gab es immer wieder Beleidigungen und Protest. „Lasst euch nicht provozieren“, versuchten die Ordner zur Räson zu rufen, was aber nur selten gelang. Die Stimmung im Januar 2022 ist angespannt – auf beiden Seiten. Ein großer Kontrast bildete dazu der vordere Teil des Demozugs. Musik und Tanz auch von meist jüngeren Teilnehmern vermittelten eher Partystimmung statt Winterblues. Schilder wie „Viren mutieren schon immer – keine Panik“ und „Gegen die Impfpflicht“ ließen dann doch erkennen, worum es bei der Demo eigentlich ging.

Frankfurt – Corona-Impfung oder rechte Verschwörungstheorien: Worum geht es eigentlich?

Erneut offenbarte sich, dass Menschen, die den sicherlich legitimen Wunsch hegen, dass es keine Impfpflicht in Deutschland geben solle, sich nicht darum scheren, wer noch mit ihnen marschiert. Welches Geistes Kind so mancher Teilnehmende war, zeigte sich schnell. Etwa bei dem Mann, der angesichts des Protestes von „Der Partei“ zu seinem Nebenmann sagt: „Die werden ja auch von Rothschild bezahlt.“

Oder der grimmig guckende Mann, der extra seine Jacke der Marke „Helly Hansen“ angezogen hatte. Die auf der Jacke prangenden Buchstaben HH liebt so mancher Neonazi, stehen sie doch in der Regel auch für „Heil Hitler“.

Oder die Jugendlichen, aus deren Boxen Musik von Kilez More dröhnte. Dieser ist selbst ernannter Truth-Rapper, denkt also die Wahrheit mit dem Löffel gefressen zu haben. More ist aber nichts anderes als ein verschwörungsideologischer österreichischer Rapper, der den Klimawandel leugnet und täglich Chemtrails am Himmel sieht.

Demo in Frankfurt: Corona-Impfung als Staatspropaganda?

Oder die Frankfurter Ärztin, die keine Impfungen anbietet, weil sie sich noch dem hippokratischen Eid verpflichtet fühle. Die Impfstoffe hätten zu viele Nebenwirkungen. Deren wahre Menge werde durch die Medien aber heruntergespielt oder falsch wiedergegeben. Es fallen noch Worte wie Staatspropaganda, Menschheitsverbrechen und die Aussage, dass Deutschland ein Staat sei, „der einem nach dem Leben trachtet“. Dass es ihr auch um Selbstbestimmung gehe, das geht da schon fast unter.

Die Polizei sprach insgesamt von einem friedlichen Verlauf. Eine Person habe einen „besonders verstärkten, augenscheinlichen Regenschirm“ mitgeführt, der eher zur Verteidigung dient. Zudem wurden bei der Person Handschuhe mit Protektoren sichergestellt. Es folgte eine Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Trotz Verstöße gegen die Auflagen habe sich die Polizei für eine kommunikative Lagenlösung entschieden, um das Recht auf Versammlungsfreiheit und den friedlichen Verlauf zu gewährleisten. (Steven Micksch)

Bei einer Demo gegen die Corona-Politik in Frankfurt vor Weihnachten lieferten sich Demonstranten mit der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel.

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