Corona-Pandemie

Zahl der Neuinfektionen steigt: Angst vor zweitem Corona-Lockdown in Frankfurt wächst

  • Julia Lorenz
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In Frankfurt steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter. Die Angst vor einem zweiten Lockdown ist allgegenwärtig.

  • Steigende Corona-Zahlen können einen erneuten Lockdown für Frankfurt bedeuten.
  • Krankenhäuser und Pflegeheime verhängen wegen des Anstiegs der Corona-Neuinfektionen neue Maßnahmen.
  • Bewohner eines Frankfurter Altenheim werden positiv auf Corona getestet.

Frankfurt – Schulen und Kitas sind wieder geschlossen. Urlauber mussten abreisen. Und vor die Tür darf man nur noch, wenn man zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt möchte: Im Landkreis Berchtesgadener Land gelten seit Dienstag aufgrund der drastisch gestiegenen Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder strenge Ausgangsbeschränkungen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die Auskunft darüber gibt, wie viele Menschen sich pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen mit Covid-19 infiziert haben, lag dort am Vortag bei einem Wert von 262.

Corona in Frankfurt: Steigende Inzidenz und höchste Warnstufe - Angst vor Lockdown

Davon ist Frankfurt zwar weit entfernt, am Mittwoch (22.10.2020) betrug die Sieben-Tage-Inzidenz 124, aber auch hier steigt die Zahl der Neuinfektionen seit gut drei Wochen konstant an. Seit Ende vergangener Woche befindet sich Frankfurt in der höchsten Warnstufe des Landes Hessens.

Am Montag hat deshalb wieder der Krisenstab der Stadt getagt. Strengere Regeln für Frankfurt wurden dabei allerdings nicht beschlossen. „Es wurde über mögliche Verschärfungen beraten, die in Kraft treten könnten, sollten die Infektionszahlen nicht runter gehen“, sagte Kirsten Gerstner, Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) auf Anfrage.

Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus in Frankfurt

Jetzt sei erst einmal wichtig, zu beobachten, ob die bereits in Kraft getretenen Maßnahmen - Maskenpflicht auf belebten Straßen und Plätzen, Sperrstunde, Alkoholverbot, Kontaktbeschränkungen - Wirkung zeigen. „Wir müssen geduldig sein“, so Gerstner. In der kommenden Woche will der Krisenstab beraten, ob weitere, verschärfte Maßnahmen notwendig sind. „Überlegungen für einen erneuten Lockdown für Frankfurt gibt es derzeit aber nicht“, versichert Gerstner.

Rätselraten um Infektionsquelle bei Corona-Nachverfolgung in Frankfurt

Bei den Neuinfektionen handelt es sich laut der Sprecherin bei etwa 20 Prozent um Einzelfälle, die sich infolge unvorsichtigen Verhaltens angesteckt haben. „Die Infektionsquelle ist in vielen Fällen aber nicht sehr klar“, so Gerstner. Weitere 40 Prozent seien auf Ansteckungen im familiären oder privaten Umfeld zurückzuführen. Die übrigen Fälle verteilen sich auf lokale Ausbrüche etwa in Altenpflegeheimen, Flüchtlingseinrichtungen oder gelegentlich auch Firmen.

Vorbereitung auf weiteren Lockdown: Was die Frankfurter Kliniken jetzt machen

Die ersten Krankenhäuser und Pflegeheime haben auf die wieder steigende Zahl der Neuinfektionen reagiert. Gilt im Klinikum Höchst bereits seit vergangener Woche ein Besuchsstopp, gibt es ein ebensolches seit Mittwoch auch in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU). So hat es das Hessische Sozialministerium den Einrichtungen empfohlen. „Die BG Unfallklinik kommt ihrer Verantwortung in Sachen Schutz vor Infektionen vorbildlich nach“, teilte BGU-Geschäftsführerin Abir Giacaman mit. Nur in dringenden Fällen, etwa wenn ein Patient im Sterben liegt, kann es Ausnahmen geben. Dafür ist aber eine Genehmigung des zuständigen Oberarztes nötig.

Nach Angaben des Registers der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) wurden am Mittwoch 29 mit dem Coronavirus infizierte Patienten auf den Intensivstationen der Stadt behandelt, 11 von ihnen mussten beatmet werden. Von 302 Intensivbetten waren 50 noch frei.

Tote Hose: Leere Tische und Stühle stehen am späten Abend nach Beginn der Sperrstunde vor einer Gaststätte auf dem Römerberg.

Auch das August-Stunz-Zentrum, ein Pflegeheim im Ostend, bleibt für Besucher geschlossen. „Aus reiner Vorsorge“, wie Sabine Kunz, Leiterin des August-Stunz-Zentrums, sagte. Bei der Vielzahl täglicher Besucher sei es fast unmöglich zu verhindern, dass das Virus eingeschleppt werde. „Für die Bewohner ist das nicht toll. Ich finde es ziemlich schrecklich“, so Kunz. Besuche bei Palliativpatienten seien aber weiter möglich, auch könnten Bewohner von Angehörigen für Spaziergänge abgeholt werden.

Altenzentrum im Frankfurter Gutleut: Bewohner positiv auf Corona getestet

Das Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum im Gutleutviertel bleibt ebenfalls für Besucher geschlossen - zumindest vorerst bis Freitag. Der Grund: Ein Bewohner war nach einem längeren Krankenhausaufenthalt positiv getestet worden. Nun wurden alle Bewohner und Mitarbeiter getestet, die Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Erst dann wird entschieden, wie es weitergeht,

„Es gibt kein generelles, von der Stadt angeordnetes Besuchsverbot“, sagte Kirsten Gerstner vom Gesundheitsdezernat. Jede Einrichtung könne selbst entscheiden. „Das Gesundheitsamt steht im engen Austausch mit den Trägern der Altenheime.“

Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie in Frankfurt 5352 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet. 81 Menschen sind an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben. (Julia Lorenz und Thomas J. Schmidt)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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