Das Streitobjekt: Eines der ältesten Gebäude in Frankfurt-Niederrad in der Kelsterbacher Straße 28.
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Das Streitobjekt: Eines der ältesten Gebäude in Frankfurt-Niederrad in der Kelsterbacher Straße 28.

Ringen um die Geschichte des Stadtteils

Abriss geplant: Initiative kämpft für das wohl älteste Haus in Niederrad

Eines der ältesten Gebäude in Frankfurt-Niederrad soll abgerissen werden. Aber es regt sich Protest.

  • Ein denkmalgeschütztes Haus in Frankfurt-Niederrad soll abgerissen werden.
  • Eine Initiative protestiert gegen diesen Abriss.
  • Auch eine Petition wurde gestartet und soll das Haus schützen.

Frankfurt - Um das denkmalgeschützte Haus in der Kelsterbacher Straße 28 in Frankfurt-Niederrad - gegenüber des Pfarrbüros der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde - wird weiter gerungen. Die Besitzerin, die Immobiliengesellschaft Mamax, die im Hinterhaus des Ensembles residiert, will es abreißen lassen.

Die Bauaufsicht hat den Abriss bereits im April genehmigt, am Donnerstag vergangene Woche (18.06.2020) hätten die Bagger dem Vernehmen nach anrollen sollen. Doch Anwohner, die sich in einer Initiative zusammengeschlossen haben, haben dies mit einem Widerspruch bei der Bauaufsicht verhindert.

Eines der ältesten Häuser in Frankfurt-Niederrad

„Es ist eines der ältesten Häuser in Niederrad“, sagt Nachbar Mike Schwan. Der Stadtteilhistoriker Robert Gilcher geht davon aus, „dass es Ende des 17. Jahrhunderts oder Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut wurde“. Deshalb steht es unter Denkmalschutz: In der Liste schützenswerter Bauten im Stadtteilentwicklungsplan ist die Kelsterbacher Straße 28 aufgeführt. Dort ist zu lesen: „Fachwerkhaus, 17. Jahrhundert, Barock“ sowie die Schutzkriterien, laut denen das Gebäude städtebauliche und architektonische Bedeutung hat sowie Bedeutung für das Stadtbild.

Aufwendige Sanierung in Frankfurt-Niederrad

Selbige Kriterien gelten für das Haus Kelsterbacher Straße 30, in dem Mike Schwan wohnt. Vor Jahren hat er es aufwendig saniert. „Wir mussten tragende Balken austauschen, da sie von Ungeziefer befallen waren“, erzählt Schwan. „Eine ganze Treppe haben wir auch ersetzt. Das ist ganz normal bei alten Häusern, das Teile ersetzt werden und trotzdem das alte Gebäude erhalten bleibt. Darum geht es ja.“

Frankfurt-Niederrad: Kein Verständnis für fehlende Mühe für das alte Haus

Dass nicht mehr Mühe in die Sanierung der Kelsterbacher Straße 28 in Frankfurt-Niederrad gesteckt werde, sei schlichtweg enttäuschend und nicht verständlich. Die Initiative aus Nachbarn und Mitgliedern des Bezirksvereins, der auch das Heimatmuseum betreut, will deshalb für den Erhalt des Hauses kämpfen und hat einen Anwalt eingeschaltet. 

„Wir wollen, dass ein unabhängiges Gutachten erstellt wird“, sagt Schwan. Er pocht auf eine Anhörung bei der Bauaufsicht. Außerdem ist am Freitag (26.06.2020) eine Unterschriftensammlung online gegangen. Wer für den Erhalt des Hauses in Frankfurt-Niederrad ist, kann im Netz unterschreiben.

Bauaufsicht prüft den Vorgang

Bei der Bauaufsicht wird derzeit der Widerspruch geprüft. „Er hat aufschiebende Wirkung“, erläutert die Amtsleiterin Simone Zapke. Die Besitzerin habe ihrerseits eine Aufhebung des Widerspruchs beantragt. „Auch dies wird geprüft.“ Ein solches Verfahren sei nicht unüblich, so die Amtsleiterin. Der Bauaufsicht obliegt dann das letzte Wort.

Auch Denkmalamt ist in Frankfurt-Nierrad involviert

Der Abriss sei nach Prüfung von Gutachten, die die Firma Mamax vorgelegt hatte, genehmigt worden. Involviert war auch das Frankfurter Denkmalamt. Dieses begründet seine Entscheidung seinerseits mit „gründlichen Prüfungen“. „Die Substanz war so schlecht, dass sie nicht erhaltenswert war“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. 

Das Holz sei von Schädlingen so zerfressen gewesen, dass man es nicht habe retten können. Überdies sei an dem Gebäude fast nichts mehr von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten, denn es sei mindestens einmal fast ganz neu aufgebaut worden. Für einen Neubau, der noch nicht genehmigt ist, werde das Denkmalamt aber Auflagen machen. „Das Ensemble soll optisch erhalten bleiben.“ (Von Stefanie Wehr)

Auch das ändert sich: In Frankfurt-Niederrad entstehen 700 neue Wohnungen.

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