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Die Affäre um die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt und Wiesbaden beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft.

Awo-Affäre

Frankfurt: Insolvenzverwalter von Tochterfirma Awo-Protect fordert Millionen zurück

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Die Ansprüche richten sich insbesondere gegen Ex-Geschäftsführer Klaus Erich Roth.

Frankfurt -Der Insolvenzverwalter der Awo Protect gGmbH, ehemaliger Sicherheitsdienstler und Tochterfirma der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Frankfurt, macht erhebliche Rückforderungsansprüche vor allem gegen deren ehemaligen Geschäftsführer Klaus Erich Roth geltend. Die Awo Protect sei zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung überschuldet gewesen, teilte der Diplom-Kaufmann und Wirtschaftsprüfer Frank Mößle von der Pluta Rechtsanwalts GmbH mit Sitz in Frankfurt mit.

Das Amtsgericht Frankfurt hatte ihn im Februar zum Insolvenzverwalter bestellt, nachdem der damalige Geschäftsführer Klaus Erich Roth Ende 2019 den Insolvenzantrag für das Unternehmen gestellt hatte.

Die Awo Protect spielt eine zentrale Rolle bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Führungseliten der Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue. Die Protect war 2017 gegründet worden. Geschäftszweck war die Bewachung von zwei Frankfurter Flüchtlingsheimen in Trägerschaft der Awo Frankfurt. Das als gemeinnützig angemeldete Sicherheitsunternehmen konnte steuerfrei wirtschaften. Es soll bis Ende 2018 von der Stadt Frankfurt überzogene Kosten zum Teil auch für gar nicht erbrachte Leistungen kassiert haben, insgesamt 7,1 Millionen Euro aus Steuermitteln.

Nun macht der Insolvenzberater seine Rechnung auf. Er fordert vom ehemaligen Protect-Geschäftsführer Klaus Erich Roth die Rückzahlung von 3,9 Millionen Euro. Die Summe ergebe sich aus insolvenzrechtlichen wie deliktrechtlichen Ansprüchen, ferner aus Sorgfaltspflichtverletzungen.

Ein bunter Strauß von Ansprüchen

Mößle sprach in diesem Zusammenhang von "einem bunten Strauß von Ansprüchen" gegen Roth, die unterm Strich fast vier Millionen Euro ergäben. Die Forderung sei dem ehemaligen Geschäftsführer vorgelegt worden. Dessen Stellungnahme liege noch nicht vor. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte Klaus Erich Roth, Kenntnis von der Rückforderung zu haben. Dazu äußern wolle er sich vorläufig nicht.

Auch vom Frankfurter Landtagsabgeordneten Taylan Burcu (Grüne) verlangt der Insolvenzverwalter Geld zurück. Burcu soll das ihm von der Protect gezahlte Gehalt in Höhe von insgesamt rund 41 000 Euro zurückerstatten. Burcu habe für die Protect keinerlei Arbeitsleistungen erbracht, begründet der Insolvenzverwalter den Anspruch. Burcu selbst hatte kürzlich eingeräumt, einen Arbeitsvertrag mit der Protect geschlossen zu haben, tatsächlich aber mit dem Aufbau der Servicefirma Awo Proserv beauftragt und beschäftigt gewesen zu sein. Die ProServ ist eine Tochterfirma der Awo Wiesbaden. Taylan Burcu war nach einer von Schwierigkeiten begleiteten Gründungsphase Geschäftsführer der 2018 ins Handelsregister eingetragenen ProServ gGmbH. Taylan Burcu wollte sich gestern auf Nachfrage dieser Zeitung nicht dazu äußern, ob er die Erstattungsforderung anerkennt und begleichen wird.

Gemeinnützigkeit aberkannt

Den Erstattungen, die der Insolvenzverwalter nun geltend macht, stehen Forderungen gegenüber, die er bedienen muss. Weil die Finanzbehörden der Sicherheitsfirma Protect inzwischen die Gemeinnützigkeit nachträglich aberkannt haben, sind Umsatz- und Körperschaftssteuer auf sämtliche verbuchte Einnahmen rückwirkend fällig. Die exakte Höhe der Steuernachzahlung stehe noch nicht fest, sagt Mößle. Er rechne aber mit rund einer Million Euro. Zu begleichen seien auch Forderungen aus Mietrückständen für die Geschäftsräume der Protect in der Scheerengasse. Auf der Forderungsseite stünde auch das Darlehen des Awo-Kreisverbandes Frankfurt in Höhe von knapp einer Million Euro. Dieser Kredit war im vergangenen Jahr in zwei Tranchen ausgezahlt worden, zu einem Zeitpunkt, als die Protect aus Sicht des Insolvenzverwalters bereits völlig überschuldet war. Die Insolvenzreife sei aus seiner Sicht bereits Ende 2018 eingetreten. Sylvia A. Menzdorf

In einer früheren Version des Beitrages hatten wir darüber berichtet, dass sich auch der Anwalt Pangiotis Triantafillidis mit Rückforderungen des Insolvenzverwalters konfrontiert sieht. Tatsächlich ist das derzeit nicht der Fall. Die Honorarrechnungen, die Herr Triantafillidis der Awo Protect gestellt hat, werden vom Insolvenzverwalter noch geprüft.

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