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"Ein Stück deutscher Kulturgeschichte": Sieghard Pawlik von der SPD will dafür kämpfen, dass die Villa Meister erhalten bleibt - und weiß viele Sindlinger Bürger und auch den Reitverein auf seiner Seite. 

Investor kauft Villa 

Frankfurt: Villa Meister ist verkauft

Neues im jahrelangen Rätselraten um die Zukunft der Villa Meister: Die Erben haben das Anwesen an einen privaten Investor verkauft. 

Frankfurt - Sie steht unter Denkmalschutz, gilt als wichtiger Teil deutscher Industriegeschichte und als Kleinod im Westen Frankfurts. Nun steht fest: Die Erbengemeinschaft hat die Villa Meister mitsamt aller Gebäude und dem Park an einen privaten Investor verkauft. „Wir gehen jetzt in Gespräche mit der Stadt. Natürlich wollen wir das Ensemble nach den Richtlinien des Denkmalschutzes sanieren“, zitiert die Hessenschau den Geschäftsführer der Cairos-Gruppe Frankfurt, Marcus Bube.

Villa Meister in Frankfurt: Exklusive Wohnungen sollen auf Gelände

Er kündigte an, dass auf dem weiträumigen Parkgelände und im Gebäude selbst exklusive Wohnungen erbaut werden, um die Investition gegenzufinanzieren. Unklar sei jedoch noch, ob die Wohnungen zum Kauf oder zur Miete bestimmt sein werden. Denn noch sei die Erbengemeinschaft aus der Meister-Familie offiziell Eigentümerin.

Jahrelang hatte es ein Rätselraten um einen möglichen Verkauf der Villa gegeben. Auch die Stadt war immer wieder als Käufer gehandelt worden. Ein entsprechender Vorstoß des SPD-Stadtverordneten Sieghard Pawlik scheiterte jedoch an den Bedenken der CDU im Römer, die sich nicht auf eine millionenschwere Investition ohne erkennbaren Nutzen einlassen wollte. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bedauerte gegenüber dieser Zeitung: „Ich finde es schade, dass wir diese Chance vertan und diese wunderschöne Villa mit dem alten Baumbestand aus der Hand gegeben haben.“

Frankfurt: Villa Meister vielfältig genutzt

Die Anlage wird vielfältig genutzt: So sind nach dem Willen der letzten alleinigen Besitzerin des Anwesens, Elisabeth Meister, die Parkanlagen bislang noch für die Öffentlichkeit geöffnet. Der Reitverein Sindlingen hat seit 70 Jahren seine Reithalle auf dem Grundstück. Und schließlich nutzt eine Klinik für ehemalige Drogenabhängige seit etwa 30 Jahren die Räume der Villa - bis 2020 wollen die Betreiber aber in eine modernere Anlage bei Friedrichsdorf umgezogen sein.

„Für mich und die Bürger Sindlingens ist nun entscheidend, dass dieses Stück deutscher Kulturgeschichte erhalten bleibt und auch die verdiente Wertschätzung der neuen Eigentümer erfährt“, sagte Pawlik auf Anfrage dieser Zeitung. Fraglich sei, wie der Investor Wohnungen in der Villa und im Park bauen wolle, ohne den Charakter des Anwesens zu ändern, gibt Pawlik zu bedenken und betont: „Das Haus mit den großen Bäumen und die Parklandschaft sind keine Baulücke.“ Den Park der Villa nannte der SPD-Mann „sakrosankt“.

Villa Meister in Frankfurt: Reiter überrascht

Zwar bleibe nun noch ein bisschen Zeit, da es bis zum Wegzug der Drogenklinik noch dauere. Allerdings sieht er die künftigen Besitzer "in der Pflicht, sehr bald zu erklären, was sie genau wollen". Er werde sich persönlich "mit ganzer Kraft da reinhängen" und weiß sich dabei nicht allein: "Wir haben eine sehr mündige und wache Bürgerschaft - die werden sich schon rühren."

Überrascht von der Neuigkeit zeigte sich gestern auf dem Sommerfest der Vorsitzende des Sindlinger Reitervereins Dieter Baumann: "Ich weiß von gar nichts." Der Pachtvertrag für Reithalle, Reitplatz, Ställe und die Pferdestellplätze auf dem Gelände laufe bis Jahresende. „Wir werden uns erst mal beraten und ich versuche, Näheres von den alten und neuen Eigentümern zu erfahren“, kündigt er an. Er hoffe, dass eine Klausel aus dem Testament Elisabeth Meisters noch gültig sei. Sie verfügte nicht nur, dass der Park für die Öffentlichkeit zugänglich sein müsse. Die Pferdenärrin, die über dem Reitstall wohnte, wollte auch, dass die Reithalle und der Stall erhalten bleiben und immer Pferde dort stehen sollten.

Villa Meister in Frankfurt: Kastanienallee ist tabu

Bereits am 14. August hatte es einen Ortstermin und ein Vorabgespräch mit Vertretern der Investoren und Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde gegeben. Dabei hatten die Beamten den Käufern gezeigt, was im Park tabu ist. Dazu gehöre die Kastanienallee ebenso wie die alte Hängebuche. Es seien "bauliche Veränderungen" im Park geplant, sagte Monika Kustusch, Mitarbeiterin in der Abteilung Baumschutz der Behörde. 

Konkret: Eine Bebauung entlang der Weinbergstraße und eventuell ein bis zwei Gebäude auf der linken Seite, vom Haupteingang aus gesehen. Am Hauptgebäude, also der Villa selbst, seien nach ihren Informationen aber keine baulichen Veränderungen geplant.

Villa Meister in Frankfurt: Mauer am Mainufer muss saniert werden

Bei dem Termin, an dem auch ein Landschaftsplaner teilnahm, wurde auch die teilweise eingestürzte Mauer am Mainufer besichtigt, die saniert werden muss. Da ein Teil des Parks zum Landschaftsschutzgebiet gehört, werden die endgültigen Pläne dem Umweltamt zur Genehmigung vorgelegt.

Es kann niemanden überraschen, dass sich jetzt ein privater Investor die Villa Meister mit ihrem wunderbaren Park geschnappt hat. Denn vor Jahren schon hat die Erbengemeinschaft ihre Verkaufsabsichten dargelegt, seit Jahren kursieren Gerüchte über mögliche Käufer - und über Jahre schließlich waren Vorstöße wie des SPD-Abgeordneten Sieghard Pawlik verpufft, die Stadt möge sich dieses historisch und kulturell einzigartige Stück Frankfurt sichern.

Doch die Stadtoberen blieben passiv. Ob - wie einige Sindlinger argwöhnen - die Stadt die Villa Meister gekauft hätte, wenn sie nicht im oft vernachlässigten Frankfurter Westen, sondern, sagen wir: Am Palmengarten liegen würde? Das bleibt Spekulation und hilft nun nicht wirklich weiter. Stattdessen gilt es nun, das Gespräch mit den neuen Besitzern zu suchen und sie für die Bedürfnisse der Bürger und die Bedeutung der Villa als kulturelles Erbe zu sensibilisieren.

Villa Meister: Steht Zukunft vom Reiterverein Sindlingen auf dem Spiel?

Ganz oben stehen muss die Zukunft des Reitervereins Sindlingen. Seit 70 Jahren hat er auf dem Gelände seinen Sitz und setzt mit seiner exzellenten Arbeit - von der Nachwuchsförderung bis hin zu therapeutischen Angeboten - im Stadtteil wertvolle Impulse. Müssten die Reiter nun den Plänen der Investoren weichen, drohte ihnen das Aus.

Zu hoffen ist außerdem, dass die neuen Besitzer die strengen Auflagen des Denkmalschutzes gewissenhaft beherzigen. Leitlinie dabei muss sein, dass der einzigartige Charakter der Villa und des Gartens erhalten bleiben. Und, ohne vorgreifen zu wollen: Die vom Investor angekündigten exklusiven Wohnungen scheinen schwer mit diesem Gedanken vereinbar zu sein.

Schließlich muss der wunderschöne Park weiter für die Sindlinger und andere Bürger offen bleiben - so wie wohl in weiser Voraussicht einst von der letzten alleinigen Eigentümerin der Villa, Elisabeth Meister, in ihrem Testament festgelegt. Diesen Wunsch dauerhaft zu respektieren, ist nicht nur eine juristische, sondern vor allem eine moralische Frage. Klar ist: Ein kulturelles Erbe braucht keine verschlossenen Türen.

Heide Noll und Michael Forst

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