Am Sonntagmorgen liegen rund um die Kleinmarkthalle in der Frankfurter Innenstadt leere Flaschen, Plastikbecher, Strohhalme und Pizzakartons. Sie sind Überbleibsel von der Party am Vortag.
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Müll, wohin das Auge reicht: Am Sonntagmorgen liegen rund um die Kleinmarkthalle in der Frankfurter Innenstadt leere Flaschen, Plastikbecher, Strohhalme und Pizzakartons. Sie sind Überbleibsel von der Party am Vortag.

Stadt will handeln

„Frankfurt ist eine Müllkippe“: Geschäftsleute verzweifelt über rücksichtslose Partygäste

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Müll, Müll, Müll: Geschäftsleute und Bürger empören sich über den Unrat in Frankfurt – besonders an der Kleinmarkthalle. Die Stadt will handeln. Doch es gibt ein Problem.

Frankfurt – Müll. Überall Müll. Leere Flaschen, Plastikbecher, Strohhalme in verschiedenen Farben, Pizzakartons, Papiertüten - achtlos liegengelassen von Feiernden, die zu Hunderten am Samstagnachmittag rund um die Kleinmarkthalle in Frankfurt die Sonne genossen und reichlich Alkohol konsumiert haben. Wieder einmal. Ohnehin scheint Frankfurt mehr und mehr zu verwahrlosen.

Thomas Türpitz kann darüber nur noch den Kopf schütteln. Er ist fassungslos. Der Kürschnermeister hat am Liebfrauenberg mitten in der Frankfurter Innenstadt ein Pelz-Geschäft. Am Sonntagmorgen hatte er um 9 Uhr einen Termin in seinem Geschäft. „Zunächst musste ich aber erst einmal die Müllberge vor meiner Tür beseitigen“, erzählt Türpitz im Gespräch mit dieser Zeitung. Um die Situation zu dokumentieren, hat er zahlreiche Fotos gemacht. Auch ein kurzes Video hat er gedreht. Darauf ist neben dem ganzen Unrat ein einzelner Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zu sehen, der mit einem großen Besen versucht, den Müll zusammenzufegen. „Ich habe auch schon Fotos gemacht und sie meinem Chef geschickt. Er soll kommen“, hört man den FES-Mitarbeiter sagen. Auch er blickt sich kopfschüttelnd um.

Frankfurt: Vor allem Feiernde hinterlassen ihren Müll auf der Straße

„Bei schönem Wetter ist das hier jedes Wochenende so“, sagt Thomas Türpitz. Dann treffen sich ab 13 Uhr Jung und Alt, „ganz normale Menschen“, hinter der Kleinmarkthalle, reden, lachen, trinken, tanzen bis in die späten Abendstunden hinein.

„Ich habe nichts gegen das Feiern“, sagt Türpitz. „Aber es wird immer schlimmer.“ Und dann der ganze Müll. „Das ist keine Visitenkarte für Frankfurt“, sagt der Kürschnermeister. Als Konsequenz lässt der Geschäftsmann im Sommer seine Türen samstags geschlossen. „Die Feiernden und der ganze Müll schrecken meine Kundschaft ab“, sagt er. „Sie machen am Wochenende einen großen Bogen um den Liebfrauenberg.“ Erst ab September hat das Pelz-Haus samstags wieder geöffnet.

Frankfurt: Müllproblem rund um die Kleinmarkthalle – Geschäftsleute verzweifelt

Die Geschäftsleute am Liebfrauenberg seien verzweifelt, fühlten sich alleine gelassen. „Es wird einfach nichts dagegen unternommen“, sagt Türpitz. Diese Zustände gebe es ja nicht nur rund um die Kleinmarkthalle, sondern auch am Mainufer, auf dem Friedberger Platz, dem Luisenplatz, dem Martin-Beltz-Platz. „Frankfurt ist die reinste Müllkippe geworden“.

Das sieht der Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf (SPD) ähnlich. „Ich weiß nicht wie, aber wir müssen eine Lösung für diesen Zustand finden“, sagt er. Corona hat die Lage noch verschlimmert. In die nächste Sitzung des Sicherheitsausschusses am 20. September will er das Thema einbringen. „Der ganze Müll ist ein Unding“, sagt Bäppler-Wolf. Er fragt sich, ob die Menschen zu Hause auch nicht aufräumen und überall ihren Müll liegenlassen.

Müll in Frankfurt: Stadt prüft Sanktionen gegen Umweltverschmutzer

Das fragt sich auch Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). "Mich ärgert das Verhalten grenzenlos", sagt sie. "Es muss wieder in die Köpfe unserer Bürger und Gäste, dass die Vermüllung ein Umweltvergehen und kein Kavaliersdelikt ist." Untätig sei die Stadt nicht gewesen. Im vergangenen Jahr habe man die Bußgelder für achtlos weggeworfenen Müll erhöht.

Außerdem seien überall noch mehr Mülleimer aufgestellt worden - auch rund um die Kleinmarkthalle. "Aber die Leute sind einfach zu faul, ihren Müll zu entsorgen", schimpft Heilig. Ihre neuste Idee: Sie will prüfen lassen, ob man die Kosten für die Reinigung von Plätzen und Grünanlagen auf die Straßenreinigungsgebühr umlegen lassen kann. "Dann müssen alle dafür bezahlen", sagt Heilig. "Vielleicht wachen die Menschen ja auf, wenn es ans eigene Portemonnaie geht."

Mit Geldstrafen gegen die Müll-Sünder in Frankfurt

Wenn es nach Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geht, müssten in Frankfurt mehr Kontrollen stattfinden und mehr Bußgelder verteilt werden. „Alles andere wird nichts bringen“, sagt das Stadtoberhaupt im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir müssen dahin kommen, dass der Müll erst gar nicht liegengelassen wird.“ Zudem fordert Feldmann, an bekannten Feier-Treffpunkten Schilder aufzustellen, auf denen steht, was Müllsünder zahlen müssen, wenn sie erwischt werden.

Für Kontrollen gegen die Umweltverschmutzung fehlt das Personal in Frankfurt

Das Problem: Um flächendeckend zu kontrollieren, braucht man mehr Stadtpolizisten. Und die gibt es nicht. Das hat in der Vergangenheit für reichlich Zoff zwischen Feldmann und Noch-Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gesorgt, so dass Feldmann vor einem Jahr den sogenannten "Müllsheriff" Peter Postleb, der unter Feldmanns Vorgängerin Petra Roth (CDU) im Amt war, als Sonderbeauftragten eingesetzt hatte.

Heute sagt der Rathauschef: „Ich setze große Hoffnung auf die neue Ordnungsdezernentin Annette Rinn.“ Er will die FDP-Frau zeitnah mit Peter Postleb in Kontakt bringen. „Damit das Thema Sauberkeit wieder mehr Gewicht in der Stadt bekommt.“ (Julia Lorenz)

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