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Jede Menge Transporte ins Kriegsgebiet und ein Flohmarkt für die Ukraine

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Von: Sabine Schramek

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Hilfe für die Ukraine_Daria Pataschko, Anastasiia Yevtushenko, Andrii Ruducher, Alexander Poliak, Diana Pataschko, Yumas Medoff
Hilfe für die Ukraine: Daria Pataschko, Anastasiia Yevtushenko, Andrii Ruducher, Alexander Poliak, Diana Pataschko, Yumas Medoff © Sabine Schramek

Nur Tage nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar haben sich Menschen zusammengetan, um ehrenamtlich zu helfen. Sie tun es immer noch, denn das Leid nimmt kein Ende.

Niederrad – Angefangen hat es an der Hauptwache. Die ukrainischen Zwillinge Daria und Diana Pataschko (28), die als Krankenschwestern im Bürgerhospital arbeiten, waren mit Tausenden auf der Spontandemo, als Russland die Ukraine angriff. Sie haben nicht nur vor Entsetzen geweint und protestiert, sondern sie haben sich mit Fremden zusammengetan, um zu helfen. Denen, die Hals über Kopf mit nichts als einer Tüte in der Hand flüchten und denen, die in der Ukraine durch Schüsse, Bomben und einstürzende Häuser verletzt werden, frieren und hungern. Jede freie Minute, jedes freie Wochenende, jeden Urlaubstag machen sie weiter. Momentan ist ihr Lager in der Hahnstraße 8 in Niederrad. „Am Samstag machen wir hier einen Flohmarkt zugunsten der Ukraine“, erzählen Andrii Ruducher, Anastasia Yevtuschenko und Alexander Poliak. Auch sie sind Ukrainer, die zum Teil vor dem Krieg geflohen sind und zum Teil schon länger hier sind.

Kleidung, Geschirr, Besteck, Möbel, Kunst, Spiegel, Spielzeug und Koffer. Hier gibt es alles, was gespendet wird. „Das sind alles Sachen, die wir nicht in die Ukraine bringen können. Der Erlös fließt dafür komplett in die Ukraine“, so Jumas Medoff von der Kommunalen Ausländervertretung, der ebenfalls seit Beginn seine Freizeit mit der Gruppe „Frankfurt for Ukraine“ verbringt. „Ich koordiniere viel und suche Lager und Transporteure, die die Sachen ins Kriegsgebiet bringt. Jeder hat eigene Aufgaben, wir sind mittlerweile alle miteinander befreundet“, sagt er. Sie unterstützen vor allem Krankenhäuser, Rettungsdienste und die Feuerwehr in der Ukraine. Ob Generatoren, Ultraschallgeräte, Rollstühle, Krücken, Medikamente, Brandpflaster, Thermowäsche, Rettungsdecken, Drainagen, Injektionszubehör, Erwachsenenwindeln oder Orthesen. Es gibt nichts, was das Team nicht organisiert, sortiert und in die Ukraine bringt. Mit acht Krankenhäusern vor Ort stehen sie im Austausch und liefern genau das, was gebraucht wird. Gespendet wird von Arztpraxen, Sanitätshäusern, Apotheken und Senioreneinrichtungen. Und von Privatleuten. „Vor Kurzem war eine 99 Jahre alte Frau hier, die Sachen gebracht hat. Sie hat selbst Krieg erlebt und will helfen. Sie hatte Medikamente, Erwachsenenwindeln und Winterkleidung dabei“, so Pataschko. „In Kassel wird ein Krankenhaus abgerissen. Wir haben einen LKW und Techniker hingeschickt und konnten ganz viel ausbauen und in Krankenhäuser in die Ukraine bringen“, erzählt Medoff und zeigt ein Video.

Mindestens drei Mal in der Woche fährt ein kleinerer Wagen in die Ukraine, fast wöchentlich ein Transporter oder LKW. Die Chefärzte der Krankenhäuser melden sich per Whatsapp nach Erhalt der Lieferung. Sie schicken Fotos und eine Liste von allem, was angekommen ist. „So können wir sicher sein, dass alles wirklich ankommt und benutzt wird“, sagen die Helfer, die immer noch voller Tatendrang sind.

Der Erlös des Flohmarktes in Frankfurt geht als Hilfe an die Ukraine.
Hilfe für die Ukraine 2_Daria Pataschko, Anastasiia Yevtushenko, Andrii Ruducher, Alexander Poliak, Diana Pataschko, Yumas Medoff_Foto Schramek.jpg © Sabine Schramek

Zum vierten Mal ist das Lager umgezogen. Erst gab es einen Raum in Oberrad, am Café Hauptwache wurde gesammelt, ein Lager in der Danziger Straße wurde eine Zeitlang frei. Dann ging es nach Sachsenhausen auf 1 000 Quadratmeter, seit einigen Wochen sind sie im ehemaligen BMW Autohaus in der Hahnstraße in Oberrad. Alle haben die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt. „Bis Ende Dezember dürfen wir hier sein. Jetzt suchen wir wieder große Räume, die mit Autos und LKWs angefahren werden können.“ Hotels haben Decken, Kissen, Besteck und Geschirr für Neuankömmlinge gespendet. Gebraucht werden noch Umzugskartons, Taschenlampen und Batterien, Spaten, Schaufeln, Rollstühle, Krücken, Rollatoren, neue Thermowäsche und Socken, Trockenfrüchte, Konserven und Fertigsuppen, Medikamente gegen Erkältung, Entzündungen und Schmerzen, Gewebeplanen, Isomatten und Schlafsäcke. Auch Transporter und LKWs, die Fahrten ins Kriegsgebiet machen, werden ständig gesucht.

Das Lager ist jeden Dienstag, Freitag und Samstag von 15 Uhr bis 17 Uhr offen. Der Flohmarkt am Samstag, den 26. November, ist von 10 Uhr bis 17 Uhr in der Hahnstraße 8 geöffnet. Infos gibt es auf den sozialen Netzwerken auf Facebook, Instagram und Telegram unter #FrankfurtforUkraine und auf der Website, die ebenfalls ehrenamtlich von freiwilligen Helfern gestaltet und gepflegt wird, unter www.frankfurt-for-ukraine.de.

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