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Jeder zehnte Bus in Frankfurt fährt jetzt elektrisch

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Seit Mitte Dezember fahren alle Busse auf der Linie 52 von Griesheim in den Gallus elektrisch. Stadtweit sind damit nun zehn Prozent der Linienbusse auf Elektroantrieb umgestellt.
Seit Mitte Dezember fahren alle Busse auf der Linie 52 von Griesheim in den Gallus elektrisch. Stadtweit sind damit nun zehn Prozent der Linienbusse auf Elektroantrieb umgestellt. © Rainer Rüffer

Seit kurzem sind in Frankfurt auf zwei weiteren Linien Elektrobusse im Einsatz. Doch ist die Umstellung wirklich sinnvoll?

Frankfurt – Zehn Prozent der Linienbusse rollen inzwischen elektrisch und damit lokal schadstofffrei durch Frankfurt. Seit dem Fahrplanwechsel sind von den insgesamt 400 Omnibussen insgesamt 41 mit Batterieantrieb unterwegs. Das ist zwar schön sauber, doch sorgt die Umstellung in der Branche für Kopfzerbrechen.

Wenn die Busse mit Batterie statt Dieselmotor fahren, sei das ein wichtiger Schritt für sauberere Mobilität, räumte Alexander Möller vom Beratungsunternehmen Roland Berger kürzlich beim Deutschen Mobilitätskongress im Tagungszentrum Kap Europa ein. Möller hatte für den Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) eine Studie erstellt, wie groß der Finanzbedarf des öffentlichen Verkehrs bis 2030 ist, damit Deutschland beim Thema Mobilität die Ziele des Pariser Klima-Abkommens erreicht.

Frankfurt: Worin das große Dilemma der Städte bei elektischen Bussen liegt

Um dies zu erreichen, stünden die Organisatoren des öffentlichen Verkehrs, also auch Städte wie Frankfurt, vor einem Dilemma, erklärt Möller. Die Politik wolle, dass der Nahverkehr selbst sauberer rolle, zugleich aber auch, dass das Angebot von Bahn und Bus verstärkt werde. "Wir müssen so gute Angebote schaffen, dass die Leute ihr Auto trotzdem stehenlassen", sagt Möller.

Doch "jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden", mahnt der Experte - also entweder für mehr Fahrten oder für umweltfreundlichere Fahrzeuge. Ein Batteriebus ist deutlich teurer als die modernsten Dieselbusse. Sprich: Statt Betreiber für den Einsatz von E-Bussen höher zu entlohnen, könnten fürs gleiche Geld auch mehr Fahrten angeboten werden, wenn Diesel- statt Elektrobussen unterwegs wären.

Frankfurt: Per Batteriebus vom Europaviertel nach Griesheim

Um dieses Dilemma zu lösen und die Klimaziele zu erreichen, ist laut VDV mehr Geld für den öffentlichen Personenverkehr nötig. Alleine könne das die Stadt nicht stemmen, betont auch Frankfurts Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne) und fordert mehr Geld von Bund und Land. Beim Umstellen der Busse drückt die Stadt nämlich schon aufs Gas: Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember wurden zwei weitere Buslinien elektrifiziert. Nun rollen auf der Linie 52 vom Europaviertel via Galluswarte und Kleyerstraße bis Griesheim elf Elektro-Standardlinienbusse des niederländischen Herstellers Ebusco. Ein weiterer solcher Bus fährt auf der Linie 87 von der Galluswarte zum Briefzentrum Gutleut.

"Wir stellen den Frankfurter Stadtbusverkehr konsequent weiter auf Zero-Emission-Fahrzeuge um, also auf elektrisch betriebene Busse", sagt Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne). Nun sei Frankfurts Busflotte zu zehn Prozent elektrisch betrieben, ist Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold zufrieden. Vor einem Jahr hatte die städtische Nahverkehrsgesellschaft bereits 13 Ebusco-Fahrzeuge auf die Metrobuslinie M60 von Rödelheim nach Eschersheim via Nordwestzentrum gebracht.

Insgesamt 41 E-Busse in Frankfurt jetzt unterwegs

Im April 2021 folgten die Linien 33 vom Hauptbahnhof in den Westhafen mit zwei Elektrobussen des brasilianischen Herstellers Caetano und 37 zum Briefzentrum Gutleut mit neun E-Gelenkbussen des baskischen Produzenten Irizar. Den Anfang hatte 2018 die Universitätslinie 75 gemacht, die seitdem als erste Buslinie in Hessen komplett elektrisch rollt. Hier fahren fünf Elektrobusse des polnischen Herstellers Solaris. In Summe rollen damit 41 Elektrobusse durch Frankfurt.

Frankfurt: Nächster Schritt ab Mitte 2022 - mit anderer Technik

Dezernent Majer kündigt die nächsten Schritte an: "Ab Mitte 2022 sollen 13 Brennstoffzellenbusse auf der Metrobuslinie M36 zum Einsatz kommen." Sie führt vom Westbahnhof durch Bockenheim, Westend, Nordend und Innenstadt nach Sachsenhausen. In einem Jahr stelle auch "die Buslinie 59 das Dieseln ein". Sie verkehrt von Unterliederbach nach Griesheim über Höchst und Nied.

Einen hohen Umweltstandard habe auch die Dieselflotte, betont Traffiq-Chef Reinhold. 76 Prozent, also 310 Fahrzeuge, erfüllten die anspruchsvollste Norm Euro VI, die anderen 57 die zweitbeste Norm EEV. Die mehr als 400 Fahrzeuge starke Stadtbusflotte sei damit eine der modernsten und umweltfreundlichsten bundesweit.

Laut Verband VDV ist es fürs Erreichen der Klimaziele notwendig, die Linienbusflotten bis 2030 auf 15 Prozent Wasserstoff- und 15 Prozent Batterieantrieb umzustellen. Im Stadtbusverkehr seien fünf Prozent Wasserstoff und sogar 45 Prozent Batteriebusse sinnvoll. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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