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Obermeister Thomas Holler eröffnete den Neubau des Car-Campus. Im Hintergrund ein Luftbild des Areals an der Heerstraße.

Landesfachschule des Kfz-Gewerbes

Frankfurt hat jetzt einen Car-Campus

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Das Kfz-Handwerk hat seine Landesfachschule erweitert. Der langgestreckte Neubau mit vier Werkstatträumen und zwei Parkdecks wurde gestern eingeweiht – eine Feier im Zeichen der Diesel-Diskussion.

Er ist fertig, der Neubau der Kfz-Innung Frankfurt und Main-Taunus im Hofgut. Car-Campus heißt die Landesfachschule in der Praunheimer Heerstraße ab sofort, erinnere doch das von Gebäuden umstandene Hof-Viereck an einen klassischen Campus, wie Obermeister Thomas Holler bei der Eröffnung sagte. Mit dem Neubau – vier Werkstätten zu je 250 Quadratmeter, alle mit einem kleinen Theorieraum dabei, und mit zwei Parkdecks darüber – ist die Landesfachschule auch von den Räumlichkeiten her auf dem neuesten Stand.

Bei der Einweihung des 3,5-Millionen-Euro-Gebäudes ging es jedoch auch um das tagesaktuelle Thema Dieselmotor und das von allen mit Spannung erwartete Urteil des Verwaltungsgerichts in Wiesbaden – das aber erst später fiel.

„Der Diesel ist ein heißes Thema“, sagte Claus Kapelke, der Hauptgeschäftsführer der Innung. Und Obermeister Thomas Holler verwies darauf: „Das Thema Brennstoffzelle wird noch weiter in den Vordergrund rücken. Wir in der Landesfachschule des Kfz-Gewerbes Hessen sind bereit, auch hierfür die modernsten Schulungen durchzuführen. Schon heute erhält jeder Auszubildende eine Woche Unterricht in Hochvolt.“

Dagegen ließ Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) deutliche Skepsis an der Elektromobilität erkennen: „Es ist offen, wohin die Reise geht. Ich glaube an den Diesel. Er ist die Benchmark beim Kohlendioxid. Es hat wenig Sinn, das eine kaputtzumachen, nur um dann ganz andere Probleme zu bekommen“, sagte er unter dem Beifall der Zuhörer. „Ich will keine Fahrverbote, sondern Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Industrie. Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass die Industrie so tut, als ginge sie das alles nichts an.“

Hardware-Nachrüstung? Alle reden davon. „Aber man muss es auch tun!“, forderte Bernd Ehinger eindringlich, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Er wies darauf hin, dass in Deutschland einige hunderttausend Handwerker-Autos auf der Straße sind, die meisten davon Diesel. „Die Dieselfrage ist für das Handwerk existenziell.“ Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) ist überzeugt: „Der Diesel ist ein Beispiel für Erfolg, er wurde in 125 Jahren ständig verbessert.“ Ein Ende sei noch lange nicht erreicht.

Wenn doch, so ist die Kfz-Innung mit ihrer neuen Schulungswerkstatt auf alles eingestellt. Nicht zuletzt, wie Holler sagte, dadurch, dass eine 700-Quadratmeter-Solaranlage auf dem Dach des Parkdecks jährlich bis zu 90 000 Kilowattstunden Strom erzeugt, genug, um zwei Schnell-Ladepunkte im Parkdeck zu betreiben. Auch in der Aus- und Weiterbildung stellen die Themen Lithium-Ionen-Akku, Hybridtechnik und Brennstoffzelle einen neuen Schwerpunkt dar.

Doch es gibt auch die ganz klassischen Aufgaben: In jedem der vier Werkstatträume mit zusammen 1000 Quadratmetern gibt es drei Hebebühnen. Für den Neubau an der Südseite des Vierecks, gegenüber dem Eingang zur Heerstraße, wurde die alte Villa Sonnenschein abgebrochen – nach langen Verhandlungen mit dem Denkmalschutz.

Seit der Eröffnung der Schule 1964 sind 12 000 Meister ausgebildet worden, wurden 62 000 Kfz-Mechatroniker-Azubis in den Räumen geschult, gab es 44 000 Teilnehmer bei Weiterbildungs-Lehrgängen. Nicht nur die Autotechnik wurde in den Jahrzehnten immer komplexer. Auch die Schule musste sich anpassen. Eben auch mit dem Neubau, der gestern eröffnet wurde.

Es ist das eigene Geld der Innung, das in dem Neubau steckt. 20 Jahre lang wurde jeder Euro zur Seite gelegt, so dass die Schule jetzt für 3,5 Millionen Euro erweitert werden konnte. Was dringend notwendig war ob der anstehenden Aufgaben. Laut Kapelke sind das vor allem immer mehr Schulungen, weil auch die Anforderungen immer komplexer werden. Mithin müssten mehr Weiterbildungen in der Schule angesetzt werden, die schon für die normalen überbetrieblichen Ausbildungskurse fast zu klein war.

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