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Beiderseits der A 5 möchte Frankfurt einen neuen Stadtteil für 30 000 Menschen bauen. Es gibt nicht nur Gegner, sondern auch eine ganze Reihe gewichtiger Befürworter des Projekts. Sie reden den Politikern in Stadt und Region eindringlich ins Gewissen. 

Stadtentwicklung

Josefstadt: Viele befürworten Bau von  neuem Stadtteil im Nordwesten 

Langsam bahnt sich ein Kompromiss zu einem möglichen neuen Stadtteil im Nordwesten Frankfurts an. Unterstützer gibt es viele. Aber warum eigentlich?

Frankfurt – Vor allem Gegner eines Nordwest-Stadtteils haben bisher eindrücklich auf sich aufmerksam gemacht: Mit Protest per Menschenkette, mit Kritik aus der Landwirtschaft, deutlicher Ablehnung aus den benachbarten Hochtaunus-Orten wie auch den benachbarten Frankfurter Stadtteilen. Doch die Unterstützerfront ist ebenfalls breit: In die aktuelle Diskussion schalten sich in ungewohnter Einmütigkeit sonst oft eher gegeneinander argumentierende Gruppen ein.

Josefstadt im Nordwesten Frankfurts: Das sagen die Unternehmen

"Wer neue Baugebiete an der A5 in Frankfurt nicht will, soll sagen, wo denn an anderer Stelle entsprechende Flächen bereitgestellt werden." Das fordert Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK). Sie ist für Frankfurt, den Main-Taunus- und den Hochtaunuskreis zuständig.

Wer keinen Wohnungsbau nahe der Arbeitsplätze zulasse, erhöhe die Verkehrsbelastung in der Region, warnt Caspar. Die Unternehmen bräuchten dringend mehr Mitarbeiter, aktuell fehlten im IHK-Bezirk 74.000 Fachkräfte. Um die Einpendlerrouten zu entlasten, fordert der IHK-Präsident "eine verstärkte Wohnbaulandausweisung in der Nähe Frankfurts und Eschborns", also in der Nähe der Arbeitsplätze.

Josefstadt im Nordwesten Frankfurts: Das sagen die Bauleute

Die Zahl neuer Baugenehmigungen gehe derzeit zurück, obwohl die Nachfrage nach Immobilien hoch sei, erklärt die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Deshalb sei die Planung großer Neubaugebiete wie im Nordwesten Frankfurts nötig. "Politiker sollten sich nicht pauschal gegen das Ausweisen großer Neubaugebiete aussprechen - erst recht nicht, wenn sie keine konkreten Alternativen aufzeigen", mahnt Thomas Reimann. Er ist Chef des Bau- und Immobilienausschusses des VhU und führt mit der Alea AG aus Frankfurt ein mittelständisches Bauunternehmen.

"Konstruktive Lösungen für den gravierenden Wohnungsmangel müssen in der Kommunal- und Regionalpolitik im Vordergrund stehen", sagt Reimann. Deshalb sollten die Möglichkeiten des Stadtteils beiderseits der A5 "ergebnisoffen erörtert werden".

Josefstadt im Nordwesten Frankfurts: Das sagen die Hausbesitzer

"Jetzt sind konstruktive Lösungen gefragt, die für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen und damit über die Zukunftsfähigkeit der Stadt entscheiden", fordert Jürgen H. Conzelmann, Vorsitzender des Eigentümervereins Haus & Grund in Frankfurt. Deshalb sollten die Planungen für den Stadtteil beiderseits der A5 zwischen Steinbach und Oberursel im Westen sowie Praunheim und der Nordweststadt im Osten fortgeführt werden.

Haus & Grund appelliert an die Entscheider in Kommunal- und Regionalpolitik, "weniger an parteipolitische Hürden als an den von Bürgern, Stadt und Wirtschaft dringend benötigen Wohnraum zu denken". Denn "grundsätzlich wird sich die Lage am Wohnungsmarkt nur durch mehr Angebot entspannen", erklärt Conzelmann. Sozial, städtebaulich und ökologisch sei das Vorhaben ebenfalls gut. Zudem schüfen stadtnahe und gut angebundene Wohngebiete eine dringend benötigte Entlastung des Stadtverkehrs", unterstreicht er.

Josefstadt im Nordwesten Frankfurts: Das sagen die Mieter

Aus Sicht der Mieter sei der neue Stadtteil für 30.000 Menschen elementar wichtig, sagt der Geschäftsführer des Mietervereins Frankfurt, Rolf Janßen. Das Projekt "halten wir für geradezu zwingend erforderlich". Der Bau von 10.000 Wohnungen werde dazu führen, "dass der Druck auf den Wohnungsmarkt nicht so stark wird". Von einem weniger starken Anstieg der Mieten profitierten nicht nur die neuen Bewohner in den Quartieren beiderseits der A5, sondern auch überall sonst in der Stadt. Und wenn die Durchschnittsmiete im Mietspiegel weniger stark ansteige, reduziere das auch die Erhöhungen für all jene, die schon heute in der Stadt wohnen.

Vor den Folgen, dass der Stadtteil nicht oder nicht in voller Größe realisiert wird, warnt Mieterschützer Janßen: Ein Verzicht auf den Stadtteil stoppe schließlich nicht die Zuzüge. Wohnungsnot bleibe trotzdem "ein Riesenthema" - und das eben nicht nur in Frankfurt. "Die Menschen ziehen trotzdem in die Region", nur eben verstärkt in andere Orte. "Dann bekommen wir noch mehr Pendler und noch mehr Verkehr im Umland".

Von DENNIS PFEIFFER-GOLDMANN

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