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Frankfurt: Ukrainischer Konsul zeigt sich kämpferisch – und äußert Kritik

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Von: Thomas J. Schmidt

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Vadym Kostiuk, der Generalkonsul der Ukraine in der Stadt Frankfurt am Main, spricht in der Stadtverordnetenversammlung eindringliche Worte zum grausamen Angriffskrieg Russlands gegen sein Heimatland. FOTO: Michael Schick
Vadym Kostiuk, der Generalkonsul der Ukraine in der Stadt Frankfurt am Main, spricht in der Stadtverordnetenversammlung eindringliche Worte zum grausamen Angriffskrieg Russlands gegen sein Heimatland. © Michael Schick

Der ukrainische Generalkonsul Vadym Kostiuk zeigt vor der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt kämpferisch. Er fordert eine „historische Entscheidung“.

Frankfurt – Vadym Kostiuk, Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt, fand deutliche Worte. Russische Truppen begingen "barbarische Kriegsverbrechen", die ein Ausmaß hätten wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg, sagte der Generalkonsul gestern Abend in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. "Schuld sind die Russen, schuld sind alle Russen auf der Welt, die Putin unterstützen" - ob Arbeiter in den Häfen, Musiker oder Künstler. Kostiuk forderte, alle russischen Sender zu sperren. Am Ende seiner Rede zu Beginn der Sitzung erhoben sich die Stadtverordneten von den Plätzen und spendeten ihm Beifall.

"Seit fünf Wochen gibt es eine offene Aggression, einen Krieg in der Ukraine, der sich gegen Europa richtet." Auch Deutschland sei schuldig. Die Politiker hätten die Forderungen der Ukrainer ignoriert, Nordstream 2 nicht zu bauen. "Die Folgen dieser Blauäugigkeit erleben sie jetzt. Aber Europa hat seine Politik geändert", räumte Kostiuk ein und dankte dafür. "Europa braucht große historische Entscheidungen, für Europa, für die Ukraine."

Frankfurt: Ukrainischer Generalkonsul zeigt sich entschlossen – und kritisiert Fraport

Der Generalkonsul versicherte: "Wir werden diesen Krieg gewinnen. Wir kämpfen und sterben seit 2014, und wir werden siegen. Wir werden nicht wie die 300 Spartaner in die Geschichte eingehen." Kaum jemand habe der Ukraine diese Widerstandskraft zugetraut. Er dankte Deutschland, dankte Frankfurt für die Hilfe - etwa durch die Aufnahme von Kindern in die Schulen. Doch er kritisierte auch: Unternehmen wie die BASF oder Fraport AG seien noch immer in Russland engagiert, Fraport etwa besitze Anteile am Flughafen in St. Petersburg. Die 25 Prozent Anteile an Pulkovo will Fraport nicht aufgeben. Kostiuk zufolge versichere Russland, der Flughafen werde nicht militärisch genutzt. Der Hessische Rundfunk bezweifelt das in einem Beitrag. "Hört auf die Ukraine. Russland ist auch für Europa eine große Gefahr geworden", appellierte der Generalkonsul. Es habe europäische Politiker zu "Laufburschen" gemacht, um dann Europa zu schwächen.

Die Ukrainer in Frankfurt haben Kostiuk zufolge eine Koordinierungsstelle für Hilfseinsätze gegründet. Ein paar Vollzeitstellen der Stadt würden der Koordinierungsstelle gut tun – Kostiuk sprach von zwölf Stellen. Die nächste Aufgabe sei, Hilfe für behinderte Ukrainer zu organisieren. Kostiuk schlug vor, die Audio-Guides in Frankfurter Museen auch für ukrainisch Sprechende zugänglich zu machen. Eine schöne Geste wäre es auch, wenn die Grüne Straße in Ukraine-Straße umbenannt würde.

Frankfurt: Stadtverordnete debattieren über Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt

Der Krieg in der Ukraine war auch Thema im Ältestenausschuss, der direkt vor der Stadtverordnetenversammlung tagt. Dort debattierten die Ausschussmitglieder über die Dringlichkeit eines CDU-Antrages, in dem der Magistrat aufgefordert wird, eine Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt in die Wege zu leiten. Die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt jedoch sah eine Dringlichkeit als nicht gegeben. "Wir stehen einer Städtepartnerschaft in der Ukraine offen gegenüber", sagte Tina Zapf-Rodriguez (Grüne). "Aber wir sehen die Umsetzbarkeit derzeit nicht gegeben." Die SPD-Fraktionschefin Ursula Busch konkretisierte: "Dort fallen gerade Bomben. Die Politiker dort wissen nicht, wie sie ihre Leute ernähren und medizinisch versorgen sollen. Dieser Antrag hilft niemandem."

Die Oppositionsparteien von CDU, Linke und BFF konnten diese Haltung der Koalition nicht nachvollziehen. "Der Antrag soll ein Zeichen der Solidarität setzen", betonte CDU-Fraktionschef Nils Kößler. Und Michael Müller von den Linken sagte: "Wir würden zeigen, dass wir es ernst meinen. Niemand bricht sich dabei einen Zacken aus der Krone."

Die Koalition ließ sich aber nicht umstimmen. Nun wird der Antrag erst in der nächsten Sitzung des Stadtparlamentes am 12. Mai debattiert. (Thomas J. Schmidt, Julia Lorenz)

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