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Frankfurt: Kaffee, Kuchen, Inklusion

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Von: Stefanie Wehr

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Sabina Hadzismajlovic (links) will im Lyoner Quartier ein Inklusionscafé eröffnen. Mit im Team sind schon Amina Krpo und Marie Weber. FOTO: faust
Sabina Hadzismajlovic (links) will im Lyoner Quartier ein Inklusionscafé eröffnen. Mit im Team sind schon Amina Krpo und Marie Weber. © Michael Faust

Café für Auszubildende in Niederrad geplant

Wer einen guten Kaffee im Lyoner Quartier trinken oder ein leckeres, gesundes Essen zu sich nehmen möchte, kann lange suchen. Denn in der ehemaligen Bürostadt sind Restaurants und Cafés Fehlanzeige. Dabei wohnen schon mehrere tausend Menschen in dem neuen Wohn- und Geschäftsviertel, hunderte Büroangestellte pendeln täglich hierher. Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Kantinen.

Diese Tristesse will Sabina Hadzismajlovic aus Goldstein ändern. "Ich habe selbst 15 Jahre in der Bürostadt gearbeitet, da gab es mittags nur schwere Kost von Rindswurst bis Pommes". Gesundes Gemüse von regionalen Bauern, Bowls, Smoothies, aber auch leckere Kuchen, Kaffee und Tee stehen auf der Speisekarte, die sie für den Businessplan für das Wohlfühl-Café erstellt hat, das im Lyoner Quartier seinen Platz finden soll. Die Finanzen seien schon gesichert - eine Stiftung hat finanzielle Unterstützung zugesagt, weiteres Geld komme aus diversen Fördertöpfen von Stadt und Land.

Der Plan ist fertig, die Ideen sprudeln - was fehlt, ist einzig der Ort. "Wir suchen fieberhaft und hoffen, bald eine Location zu finden", so die Frankfurterin. Denn das eigentlich Spannende und durchaus Unterstützenswerte ist das Konzept hinter dem neuen Gastronomie-Unternehmen. Hadzismajlovic, die als Teilhabe-Assistentin an der Carl-von-Weinberg-Schule behinderte Schüler betreut, hat festgestellt, dass junge Menschen mit Behinderung es ungleich schwerer als ihre Altersgenossen haben, einen Platz am ersten Arbeitsmarkt zu finden. "Gerade während Corona finden sie kaum Praktikumsplätze, alles wird abgesagt", moniert sie.

Location ist noch nicht gefunden

Weshalb sie ein Unternehmen gründen will, das Praktikums- und Ausbildungsplätze schafft, vom Service bis hin zu Küche und Büro. Ausschlaggebend für das Projekt war für die energiegeladene Mittvierzigerin auch ihre 27 Jahre alte Nichte Amina, die bei den Praunheimer Werkstätten beschäftigt ist, aufgrund einer nur leichten Entwicklungsstörung dort aber unterfordert ist. Junge Menschen wie sie fallen durchs Raster, so Hadzismajlovic. Auch junge Menschen - etwa mit Down Syndrom - könnten oft viel mehr, als man ihnen zutraue, sie bräuchten eben ein adäquates Umfeld und Unterstützung. In Behindertenwerkstätten verdienten sie zudem zu wenig, um sich ein Leben finanzieren zu können.

Amina freut sich deshalb darauf, für das neue Café zu arbeiten - wo auch immer es entstehen wird. Und auch die Büroleitterin Marie Weber steht schon fest, und als Restaurantchef fungiert Sabina Hadzismajlovics Ehemann, der lange Jahre eine eigene Gastronomie betrieb.

Einen Namen für das Café gibt es auch schon: "Mia". "Mia steht für Multikulturelle Inklusion in Arbeit", erklärt die Goldsteinerin. Die drei Wörter fassen auch zusammen, "dass alle ins Boot geholt werden sollen". Das Café soll letztlich ein Ort sein, wo Gespräche, Kurse und mehr stattfinden oder Angebote vermittelt werden könnten, um Familien zu helfen, die ihren Kindern Förderung und Bildung zukommen lassen wollen, ob behindert oder nicht. "Ich mag auch das Wort ,behindert' nicht, ich nenne sie lieber Kinder mit besonderen Eigenschaften", sagt Hadzismajlovic. Denn jeder könne etwas gut und sei es wert, gefördert zu werden. Auch Kinder aus sozial schwachen oder bildungsferneren Familien sollen hier Anschluss und Ausbildungplätze finden können.

Auch das Thema Nachhaltigkeit soll im Café Mia eine große Rolle spielen. "Das wollen wir mit den jungen Menschen üben, dass wir nichts verschwenden und bewusst mit Essen umgehen und wenig Müll produzieren." Die angefragten Bauern würden auch ihr "krummes" Gemüse liefern, das nicht schlechter sei als das normierte. Stefanie Wehr

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