1. Startseite
  2. Frankfurt

„Wäre Oberrad noch lebenswert?“ Bürger kritisieren Pläne Multifunktionshalle am Kaiserlei

Erstellt:

Von: Stefanie Wehr

Kommentare

Ein Foto vom Areal am Kaiserlei, aus der Luft aufgenommen. Ein Modell der geplanten Multifunktionsarena ist in das Bild eingefügt.
So könnte eine Arena am Kaiserlei aussehen. © Turkali-Architekten

Eine Multifunktionsarena am Kaiserlei soll auch Frankfurt Oberrad mit Gastronomie und Veranstaltungen bereichern – so die Vorstellung des Architekten.

Frankfurt – Ein Stimmungsbild der Oberräder Bürger zum Bau einer Multifunktionshalle am Rande des Stadtteils am Kaiserlei wollte die Grünen-Stadtteilgruppe Frankfurt-Süd einholen – online stellten deshalb der Architekt Zvonko Turkali und der Geschäftsführer der Frankfurt Skyliners, Gunnar Wöbke, die Pläne vor, für die Löwen (Eishockey), die United Volleys (Volleyball) und die Skyliners (Basketball) eine neue Spielstätte am Rande Oberrads zu bauen. Auf dem Areal zwischen den Bahngleisen, die durch die Felder führen, und der Gerbermühlstraße, schräg hinter dem Alten Bahnhof.

Noch ist keine Entscheidung bei der Stadt gefallen, ob die Halle für 13.000 Zuschauer dort gebaut wird oder das größere Konkurrenzprojekt für 23.000 Zuschauer am Flughafen Frankfurt realisiert wird. Die Finanzierung einer Multifunktionsarena am Kaiserlei sei gesichert, Unterstützung käme von einem „starken Partner aus der Region“, so Wöbke. Für die Halle spreche, dass sie von einer zu gründenden Betreibergesellschaft geführt würde. „Wir wären Herr des Gebäudes und der Gelder, die dort erwirtschaftet werden.“

Frankfurt Oberrad: Am Kaiserlei stellt sich der Architekt der Halle einen „attraktiven, belebten Ort“ vor

Die Baupläne beruhten auf einem Verkehrsgutachten von 2014. Die Halle soll nicht nur die Arena beherbergen, sondern auch ein mehrstöckiges Parkhaus, das von der Gerbermühlstraße aus angefahren werden soll. Besucher könnten nahtlos vom Parkhaus auf die Ränge der Arena gelangen. Im Erdgeschoss sollen 2000 Fahrradparkplätze untergebracht werden sowie die LKW-Andienung, damit der Verkehr optisch verschwindet und keinen Lärm verursacht.

Der Eingang zur Halle soll Richtung Kaiserlei liegen. „Es soll ein hybrides Gebäude sein, das sich in die landwirtschaftliche Umgebung behutsam einfügt“, sagte Turkali. „Das Dach wird begrünt und begehbar sein, sodass auch tagsüber Menschen dort sitzen und den Blick auf die Skyline genießen können“. Auch Veranstaltungen und Gastronomie auf dem Dach wären denkbar, so der Architekt, der sich einen „attraktiven, belebten Ort“ vorstellt. In der Halle sollten 50 Sportveranstaltungen und rund 70 Konzerte im Jahr stattfinden können.

Multifunktionshalle am Kaiserlei: Noch mehr Lärm in Frankfurt Oberrad?

Die Zuschauer aus Oberrad hatten vor allem Fragen zu den Dimensionen der Halle. 25 Meter soll sie hoch sein. Drinnen soll Platz für 2300 Auto-Stellplätze sein. Ein Viertel der Besucher käme mit Fahrrad oder Bahn, die S-Bahn-Station sei nicht weit, auch der Alte Bahnhof Oberrad könne reaktiviert werden. „Mich beunruhigt, dass vieles nicht bedacht wurde, was Auswirkungen auf Oberrad hat“, sagte Anwohnerin Brigitte Zimmermann. „Zwei Veranstaltungen pro Woche plus zusätzliche Gastronomie mit Musik auf dem Dach – das klingt nach sehr viel Lärm. Wir leiden jetzt schon unter dem Halligalli am Mainufer. Ich frage mich: Wäre Oberrad dann noch lebenswert?“

Bei nur 2300 Stellplätzen müssten bis zu 6000 Besucher mit ÖPNV anreisen, „eine sportliche Rechnung“, fügte sie an. Es müsse verhindert werden, dass die Felder zugeparkt werden, „denn das tun jetzt schon Besucher des Rudererdorfs“, gab eine Oberräderin zu bedenken. Ein Anwohner sagte: „Ich fürchte, eine so große Halle wird den ruhigen, landwirtschaftlichen Charakter von Oberrad kaputt machen“. Die Halle werde nur so groß gebaut werden, wie es der Verkehr zulasse, versicherte Wöbke. Das Gutachten von 2014 müsse deshalb erneuert werden. (Stefanie Wehr)

Der Streit mit dem Konkurrenzprojekt am Flughafen hatte sich im vergangenen Jahr zugespitzt, der Skyliners-Chef sah sich mit einer Anzeige konfrontiert.

Auch interessant

Kommentare