Unterricht im Gymnasium Nord in Westhausen. 180 Schüler können dort aufgenommen werden. Wenn es mehr Anmeldungen gibt, wird gelost.
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Unterricht im Gymnasium Nord in Westhausen. 180 Schüler können dort aufgenommen werden. Wenn es mehr Anmeldungen gibt, wird gelost.

Es kommt auf das Los an

Kampf um einen Platz an der Wunschschule in Frankfurt - Countdown für Bewerbung

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Bis zum 5. März müssen die Eltern von rund 5900 Viertklässlern die richtige weiterführende Schule für ihr Kind gefunden, das Anmeldeformular ausgefüllt und an der Grundschule abgegeben haben - und darauf hoffen, dass das Kind an einer der beiden Wunschschulen auch angenommen wird. 

  • Countdown läuft: Bewerbungsfrist für weiterführende Schulen in Frankfurt bis zum 5. März
  • Eltern hoffen meist, dass ihr Kind an einer der Wunschschulen in Frankfurt angenommen wird
  • Das Problem in Frankfurt: Dies ist aber nicht immer der Fall

Frankfurt - Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall. Im vergangenen Jahr konnten mehr als 500 Kinder nicht auf eine ihrer beiden Wunschschulen gehen - das waren zehn Prozent der Mädchen und Jungen, die nach der vierten Klasse auf eine weiterführende Schule wechselten. Auch in diesem Jahr rechnet man im Staatlichen Schulamt mit vergleichbaren Zahlen. Allerdings hofft Dieter Sauerhoff, der im Staatlichen Schulamt für die Schülerlenkung zuständig ist, dass sich durch den Umzug des Adorno-Gymnasiums von Höchst ins Westend das Wahlverhalten der Eltern ändert und dadurch die Zahl der Kinder, die einer Schule zugewiesen werden müssen, reduziert wird.

Bewerbung für weiterführende Schulen in Frankfurt: Alleinerziehend kein Härtefall

"Die Eltern sind verunsichert und wissen nicht, was passiert", sagt die neue Stadtelternbeiratsvorsitzende Julia Frank. Denn das Vergabeverfahren der Plätze an den weiterführenden Schulen hat sich verändert, ist in diesem Jahr neu. Am Ende heißt es möglicherweise, trotz der Besuche zahlreicher Tage der offenen Tür, Infoabenden und Schnuppertagen: Das Los entscheidet.

Per Verfügung hat das Staatliche Schulamt veranlasst, dass die Schulen, nachdem sie die Kriterien des Hessischen Schulgesetzes zur Auswahl der künftigen Fünftklässler angewandt haben, nur noch losen dürfen. Ob ein Kind etwa naturwissenschaftlich begabt ist und eine Schule mit einem ebensolchen Profil besuchen möchte, spielt keine Rolle mehr.

Laut Paragraf 70 des Hessischen Schulgesetzes müssen soziale Härtefälle vorrangig bei der Auswahl berücksichtigt werden. Das sind beispielsweise Kinder, die krankheitsbedingt keine langen Wege auf sich nehmen können und wohnortnah zur Schule gehen müssen. Auch Kinder, deren Eltern lebensbedrohlich erkrankt sind, können als Härtefälle gelten. Krankheiten müssen allerdings von einem Amtsarzt bescheinigt werden. Alleinerziehend zu sein, gilt nicht als Härtefall. Weitere gesetzliche Kriterien, an die sich die Schulleiter bei der Auswahl der Kinder halten müssen, sind der Wunsch nach der ersten Fremdsprache und nach einem vom Kultusministerium zertifizierten Schwerpunkt, also Sport und Musik. Geschwisterkinder können bevorzugt aufgenommen werden, müssen aber nicht.

Sind alle diese Kriterien abgearbeitet und noch freie Kapazitäten vorhanden, dann kommen die nicht berücksichtigten Schüler in einen Lostopf - und dann müssen sie nur noch Glück haben. Bekommen die Kinder keinen Platz an ihrer Erstwunschschule, werden sie an die Zweitwunschschule weitergereicht, Haben sie dort ebenfalls kein Glück, werden sie einer nicht favorisierten Schule zugewiesen. Für diesen Fall können die Eltern auf einem dem Anmeldeformular beiliegenden Extrablatt angeben, ob ihnen die Erreichbarkeit einer Schule oder der Bildungsgang wichtiger sind.

Weiterführende Schulen in Frankfurt: Nicht jedes Kind muss aufs Gymnasium

Das klingt alles kompliziert und verwirrend. Ist es auch. "Die Eltern haben Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen", sagt Julia Frank vom Stadtelternbeirat. Sie rät den Vätern und Müttern auf die Bedürfnisse ihrer Söhne und Töchter einzugehen und ihre Wünsche zu berücksichtigen. "Jedes Kind ist anders", sagt sie. "Für das eine ist es wichtig, dass die Schule in der Nähe des Elternhauses ist, für das andere ist eine kleine Schule besser geeignet." Ihr Vorstandskollege Ali Riza Duru, der für den Übergang von der vierten in die fünfte Klasse zuständig ist, gibt den Tipp, gemeinsam mit dem Klassenlehrer der Kinder zu entscheiden, was am besten für die Sprösslinge ist. "Nicht jedes Kind muss ein Gymnasium besuchen", sagt er. Für manche Kinder sei eine Gesamtschule oder eine Realschule die bessere Alternative. "Man kann das Abitur auch über Umwege machen", so Duru.

Der Leiter des Gymnasiums Nord (Westhausen), Michael Haas, versucht die Väter und Mütter zu beruhigen: "Aus meiner Sicht birgt das neue Verfahren keine größeren Risiken als noch in den Jahren zuvor", so Haas. Er erklärt das so: "Am Gymnasium Nord können wir 180 Schüler in der Jahrgangsstufe 5 aufnehmen. Wenn wir aber 200 Anmeldungen haben sollten, dann ist das prozentuale Risiko des Einzelnen, keinen Platz an unserer Schule zu bekommen, nicht so groß."

Kampf um einen Platz in Frankfurt: Taktisches Vorgehen bei der Bewerbung

Bewerbungsmappen, selbst geschriebene Briefe an den Schulleiter, Power-Point-Präsentationen oder gar großzügige Spenden an die Fördervereine der Schulen - das alles bringt nichts. Zudem sind die Väter und Mütter nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre bei der Wahl der richtigen Schule dazu übergegangen, taktisch zu agieren. Oft wurde Schulen gewählt, die erfahrungsgemäß nicht allzu beliebt bei den Familien waren und stets noch freie Kapazitäten hatten. Allerdings bietet es sich nach wie vor an, als Zweitwunsch nicht unbedingt eine Schule anzugeben, die schon mit Erstwünschen voll ist. Zu den beliebten Schulen zählen unter anderem das Gymnasium Riedberg, die IGS Nordend, Ziehenschule (Eschersheim) und Wöhlerschule (Dornbusch).

Der Leiter der Carl-Schurz-Schule (Sachsenhausen), Hans-Ulrich Wyneken, jedoch warnt: "Man sollte nur Schulen angeben, an denen man sein Kind auch haben will." Taktisches Wählen mache keinen Sinn. "Das kann auch nach hinten losgehen." Man sollte eine Schule nicht auswählen, weil man denkt, dass es dort immer wenige Anmeldungen gab. "Wenn das nämlich 100 andere Eltern auch denken, dann ist die Kapazität schnell erschöpft", so Wyneken. "Dann wird das Kind möglicherweise trotzdem einer anderen Schule zugewiesen." Und das wollen die Eltern ja vermeiden... 

von Julia Lorenz

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