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Kampf um Jobs: Was wird aus der Brauerei Binding?

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Von: Christoph Manus

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Die Stadt Frankfurt und die Gewerkschaft NGG setzen sich für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Binding ein. Zwei Stadträte wollen, dass das Areal Gewerbegebiet bleibt.

Frankfurt – Die Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG) sieht noch Chancen, die von der Radeberger-Gruppe angekündigte Schließung der Binding-Brauerei, von der etwa 150 Beschäftigte betroffen wären, noch zu verhindern. Der Widerstand laufe langsam an, sagte der Frankfurter NGG-Chef Hendrik Hallier am Dienstag. Er hält das geplante Aus für den Standort in Sachsenhausen nicht nur für verantwortungslos. Dieser sei zudem wirtschaftlich nicht nötig, sagte er.

Wichtig sei aber, dass die Stadtpolitik dem Unternehmen klarmache, dass das Gelände an der Darmstädter Landstraße dauerhaft Gewerbestandort bleibe, also nicht – wie das benachbarte frühere Gelände der Henninger-Brauerei – in ein Wohnviertel umgewandelt werden dürfe. Denn dann sei ein Verkauf des Geländes im Vergleich zum Weiterbetrieb der Brauerei weniger attraktiv.

Frankfurts Wirtschaftsdezernentin Wüst: Binding-Areal soll Gewerbegebiet bleiben

Die Frankfurter Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) versicherte am Dienstag auf Anfrage, sie sei sich mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD) einig, dass das Binding-Areal auch künftig Gewerbegebiet bleiben solle. Sie habe die städtische Wirtschaftsförderung bereits beauftragt, Vorschläge für eine Nutzung der Brauerei zu erarbeiten. Bei Gesprächen mit Radeberger werde der Erhalt der Arbeitsplätze im Fokus stehen, sagte die Stadträtin. Weiter wollte sie sich am Dienstag nicht äußern.

Der Fraktionschef der Linken im Römer, Michael Müller, geht davon aus, dass der „Poker um die wertvollen Flächen“ am Sachsenhäuser Berg bereits begonnen habe. „Hier muss der Magistrat regulierend eingreifen und die Flächenentwicklung begleiten“, forderte er. Das Aus für die Brauerei, die Radeberger spätestens in einem Jahr schließen will, wäre ein weiterer Tiefschlag für den Standort. Einmal mehr sei der Magistrat von einer Werksschließung „kalt erwischt“ worden, kritisierte Müller. Wüst müsse sich jetzt für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen. Der Niedergang der produzierenden Industrie in Frankfurt müsse gestoppt werden.

Die Binding-Brauerei im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen soll die Produktion spätestens in einem Jahr einstellen. Das plant die Radeberger-Gruppe. Doch es gibt Widerstand.
Die Binding-Brauerei im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen soll die Produktion spätestens in einem Jahr einstellen. Das plant die Radeberger-Gruppe. Doch es gibt Widerstand. © Renate Hoyer

Viele Fragen zu Binding im Frankfurter Wirtschaftsausschuss - und wenige Antworten

Im Wirtschaftsausschuss der Stadtverordnetenversammlung wollte seine Fraktionskollegin Monika Christann wissen, ob die Stadt ein Vorkaufsrecht für das Areal besitze. Sie brachte zudem eine Nutzung der Brauerei durch kleine Brauereien ins Spiel. Auch sonst hatten die Ausschussmitglieder jede Menge Fragen. „Was wurde unternommen? Was wusste die Dezernentin? Wie geht es weiter mit dem Areal?“, wollte etwa Robert Lange (CDU) wissen. Doch die Fragen blieben zum größten Teil unbeantwortet.

Stadträtin Wüst und der Chef der Wirtschaftsförderung, Oliver Schwebel, waren, weil sie auf der Immobilienmesse Expo Real in München für Frankfurt werben, am Dienstag nicht im Ausschuss. Für die Stadt gab ersatzweise Bernd Rentmeister vom Kompetenzzentrum Industrie der Wirtschaftsförderung Auskunft – und versicherte, man prüfe alle Möglichkeiten, um die betroffenen Arbeitsplätze zu erhalten. Lange kritisierte dennoch, dass Wüst den Ausschuss über dieses für Frankfurt wichtige Thema nicht einmal schriftlich informiert habe. Ein kurzer Bericht sollte erst nach der Sitzung verschickt werden.

Die Hoffnung, die Binding-Brauerei in Sachsenhausen zu erhalten, ist nicht sehr groß

Die Hoffnung, dass Stadt und Gewerkschaft noch erreichen können, dass die Brauerei weiter betrieben wird, hielt sich in Grenzen. „Ich glaube nicht, dass Radeberger noch zurückrudert“, sagte etwa Stella Schulz-Nurtsch (SPD). Mehrere Stadtverordnete wiesen auf den gesunkenen Bierkonsum hin. „Habt Ihr schon resigniert?“, fragte Nico Wehnemann (Die Fraktion). „An diese Stelle gehört eine Brauerei.“ Konsens war dagegen im Ausschuss, dass die Stadt das Areal als Gewerbegebiet erhalten, also keine Umwandlung erlauben, sollte.

IHK-Präsident Ulrich Caspar sprach am Dienstag auf FR-Anfrage von einem schweren Verlust für den Standort. Das Aus für Binding stehe auch für die Probleme, mit denen Industriebetriebe kämpften. „Die Energiepreise lasten schwer auf ihnen und die Entwicklungsflächen fehlen.“ Caspar fordert nun einen „breiten Diskurs um Flächenangebote“. (Christoph Manus)

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