Im Hotel "Maingau" in Sachsenhausen serviert Hotelchef Jörg Döpfner dieser Tage selbst das Frühstück. Um angesichts der gesunkenen Auslastung über die Runden zu kommen, packen die Inhaber seit Beginn der Corona-Pandemie im Service wieder verstärkt selbst an. Ihre Mitarbeiter wollen sie halten, mussten sie jedoch in Kurzarbeit schicken.
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Im Hotel "Maingau" in Sachsenhausen serviert Hotelchef Jörg Döpfner dieser Tage selbst das Frühstück. Um angesichts der gesunkenen Auslastung über die Runden zu kommen, packen die Inhaber seit Beginn der Corona-Pandemie im Service wieder verstärkt selbst an. Ihre Mitarbeiter wollen sie halten, mussten sie jedoch in Kurzarbeit schicken.

Übernachtungsgewerbe

Frankfurt: "Katastrophal" - Hotels geht die Luft aus

  • vonBrigitte Degelmann
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Keine Messen, keine Tagungen, keine Gäste: Die Mittelklasse-Häuser haben in der Corona-Krise derzeit noch die besten Chancen.

Frankfurt -Wie geht es den Frankfurter Hotels in der Corona-Pandemie? Die Frage stellt sich in den Tagen, nachdem das noble Traditionshaus Hessischer Hof seinen Abschied angekündigt hat, um so mehr. "Traurig", sagt Eduard Singer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, zum Hessischen Hof. Zur Lage der gesamten Branche sagt er ebenfalls nur ein Wort: "Katastrophal!" Zwar dürfen Hotels in Hessen seit 15. Mai wieder Privatreisende beherbergen. Doch die Gäste trudeln nur zögerlich ein. Während Unterkünfte im Alpenraum und an den Küsten in den vergangenen Wochen förmlich überrannt wurden, kommt der Städtetourismus offenbar nur schwer auf Touren.

Rund 90 Prozent der Hotels hatten während des Lockdowns im März und April ihre Pforten geschlossen, schätzt Singer. Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt: Nach Angaben der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt dürften nun 90 Prozent wieder geöffnet sein. Zwar ist im Vergleich zu den Vormonaten ein Aufwärtstrend erkennbar. Doch von den Rekordzahlen der vergangenen Jahre ist man weit entfernt. Vor allem die Luxushotellerie - siehe Hessischer Hof - hat mit massiven Einbrüchen zu kämpfen. Dort rangiere die Belegungsquote momentan bei 20 bis 25 Prozent, sagt der Frankfurter Dehoga-Vorsitzende. Im Zwei- bis Drei-Sterne-Bereich sehe es mit Belegungsquoten um 50 Prozent nicht ganz so düster aus.

Lichtblicke werden mit Kampfpreisen erkauft

Lichtblicke, die jedoch zum Teil mit "Kampfpreisen" erkauft sind, wie es Singer formuliert. Selbst in soliden Mittelklasse-Unterkünften werden dabei Übernachtungen für 40 oder gar nur 30 Euro angeboten. Entsprechend düster fällt das Resümee des Vorsitzenden aus: Unter den gegenwärtigen Bedingungen sei es derzeit nicht möglich, ein Hotel wirtschaftlich zu betreiben.

Das größte Problem der Frankfurter Hoteliers: Wegen der immer noch geltenden Reiseeinschränkungen fehlt ein Großteil der Besucher aus dem Ausland, vor allem diejenigen aus Übersee. Vor Corona stammte hingegen etwa jeder zweite Gast aus den USA, aus China, Großbritannien oder anderen Ländern. Auch Geschäftsreisende lassen sich kaum blicken. "Man merkt, dass die Firmen immer noch bei den Videokonferenzen bleiben", stellt Eduard Singer fest. Ein weiteres Problem: Messen und Großveranstaltungen fehlen - und damit auch die entsprechenden Besucher.

Dass die Buchmesse nun doch nur virtuell stattfindet, ist für die Hotel- und Gaststättenbranche die nächste Hiobsbotschaft. Auf 55 Millionen Euro bezifferte Singer den allein daraus entstehenden wirtschaftlichen Schaden. 2019 setzten alleine die Frankfurter Hotels durch die Gäste der Buchmesse rund 25 Millionen Euro um. Weitere 15 Millionen Euro kamen bei Restaurants und Gaststätten hinzu, noch einmal 15 Millionen bei der Tagungswirtschaft.

Die Buchmesse mit ihren zuletzt 300 000 Besuchern aus aller Welt ist die letzte große Publikumsmesse, die nach der Abwanderung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) Frankfurt noch verblieben ist. "Wir hatten uns gefreut, dass die Buchmesse versuchen wollte, trotz Corona eine physische Messe zu organisieren", sagt Singer. Umso härter treffe jetzt die Absage die Branche.

All das merkt man auch im Mainhaus Stadthotel in der Nähe der Friedberger Anlage. Zwar sehe man inzwischen langsam wieder eine Erholung, sagt Nicole Bernadzik, Leiterin Sales und Marketing in dem Hotel. Dennoch sei die Zahl der Gäste im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent gesunken. Bis Ende 2020 rechne man deshalb mit einem Umsatzverlust von 50 Prozent. Dabei sei man verheißungsvoll in das Jahr gestartet, erinnert sich Nicole Bernadzik: "Vor allem das Tagungsgeschäft ist total gut gelaufen." Ein wichtiger Faktor, schließlich tragen die entsprechenden Gäste etwa zur Hälfte zum Umsatz bei. Doch dann kam Ende Februar die Absage der Messe "Light + Building". "Da ging's los mit dem Drama", seufzt die Marketingleiterin.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Unterkünften blieb das Mainhaus Stadthotel dennoch die ganze Zeit geöffnet, obwohl sich während des Lockdowns nur einige wenige Geschäftsreisende in den 45 Zimmern und dem Apartment verloren. Inzwischen beherberge man vor allem Individualreisende aus Deutschland, sagt Nicole Bernadzik. Auch Tagungen bis zu 40 Personen werden seit Mitte Juni wieder veranstaltet. Trotzdem bleiben die rund 30 Mitarbeiter bis Ende des Jahres in Kurzarbeit. Im Vergleich zu 2019 mussten auch die Zimmerpreise zurückgefahren werden, um 30 bis 50 Prozent. Immerhin habe man die Zeit genutzt und einige Neuerungen eingeführt, berichtet die Marketingleiterin. So ist man jetzt digital besser aufgestellt, es gibt ökologische Bettwäsche, und im Hotelgarten haben zwei Bienenvölker Einzug gehalten, deren Honig bald beim Frühstück serviert werden soll.

Das Unternehmen Lindenberg Hospitality, das in Frankfurt die drei Hotels "Lindley", "Libertine" und "Lindenberg" mit insgesamt knapp 140 Zimmern betreibt, ist von der Krise ebenfalls nicht verschont geblieben. Bei Geschäftsführerin Denise Omurca klingt dennoch Hoffnung durch: "Wir haben momentan eine Auslastung von 55 bis 60 Prozent. In Anbetracht der Umstände könnte es schlechter sein. Es ist Leben im Haus." Zu verdanken sei das wohl auch dem Konzept der drei Häuser, die sich mehr als Gästegemeinschaft denn als klassisches Hotel sehen. Einige der Besucher bleiben sogar über Wochen und Monate. "Wir haben jetzt den Long-Stay-Bereich erhöht", sagt Denise Omurca. "Vorher waren das maximal zehn Zimmer, jetzt sind es 20 bis 25." Ihr Resümee: "Wir mogeln uns so durch."

Die Auslastung der Frankfurter Hotels erhöhen sollen nun die Frankfurter selbst. Die Tourismus + Congress GmbH plant, das beliebte Programm "Gast in der eigenen Stadt" auszuweiten.

Brigitte Degelmann, Claus-Jürgen Göpfert

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