Den Plan im Hinterkopf: Olaf Maria Kindt muss mit dem Platz im Hessen-Center wirtschaften, den es schon gibt. Das Einkaufszentrum wird wohl erstmal nicht erweitert.
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Olaf Maria Kindt muss nach dem Kaufhof-Weggang mit dem Platz im Hessen-Center Frankfurt wirtschaften.

Hessen-Center

Frankfurt: Kaufhof-Ende als Chance für das Hessen-Center

  • Thomas J. Schmidt
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Olaf M. Kindt (47) leitet seit 2018 in Frankfurt das Hessen-Center. Mit ihm sprach unser Redakteur Thomas J. Schmidt - auch über den Weggang der Kaufhof-Filiale.

Olaf M. Kindt (47) sind knifflige Aufgaben nicht fremd. Seit 2018 leitet der „Einzelhändler von der Pike auf“ in Frankfurt das Hessen-Center. Zu den kniffligen Aufgaben gehört es auch, den anstehenden Weggang der Kaufhof-Filiale zu kompensieren. Mit dem Manager sprach unser Redakteur Thomas J. Schmidt.

Herr Kindt, in Bergen-Enkheim macht man sich Sorgen um das Hessen-Center. Können Sie die Sorgen entkräften?

Die Sorgen zeigen zunächst, dass es eine hohe Identifikation und Verbundenheit mit dem Hessen-Center gibt. Wir sind in einer großen Umstrukturierung, der größten in der 50-jährigen Geschichte des Hessen-Centers. Wir greifen massiv in die Infrastruktur ein, bauen das Parkhaus neu auf. Das war in den vergangenen zwei Jahren eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Aber: Es ist eine Investition in die Zukunft. Wir investieren in unsere Zukunft. Insofern kann ich beruhigen. Wir bleiben.

Das war in den vergangenen zwei Jahren eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Aber: Es ist eine Investition in die Zukunft. Wir investieren in unsere Zukunft. Insofern kann ich beruhigen. Wir bleiben. 

Olaf M. Kindt

Und das, obwohl mit dem Kaufhof ein Ankermieter, manche sagen, der letzte Ankermieter, geht?

Ankermieter benötigen ein Center, damit Kunden regelmäßig und häufig das Center besuchen. Wir haben durchaus eine Handvoll Ankermieter. Peek&Cloppenburg, H & M, C & A, TK Maxx und bald Edeka mit der größten Frischetheke im Osten Frankfurts. Das alles ist unabhängig vom Kaufhof.

Dessen Weggang ist aber trotzdem ein harter Schlag für Sie?

Es ist zuerst ein harter Schlag für die Kaufhof-Mitarbeiter. Einige sind seit 44 Jahren dabei. Es ist traurig, die Insolvenz ist traurig. Es zeigt, wie brutal der Markt sein kann. Das Warenhausmodell hat sich geändert, die Konsumgewohnheiten haben sich geändert. Ich selbst habe damals eine Ausbildung bei Karstadt gemacht und parallel studiert.

Als ich mit der Ausbildung fertig war, war mir klar, dass sich da einiges ändern muss. Schon damals war das absehbar. Heute hat der Verbraucher sein Warenhaus in der Tasche und kann 24 Stunden am Tag einkaufen. Da muss der Handel klar aufzeigen, welche Qualitäten er hat, zum Beispiel Personal, Sortiment, Schnelligkeit, Ambiente und Service.

Frankfurt: Kaufhof-Ende im Hessen-Center erst nach dem Weihnachtsgeschäft

Wann wird Kaufhof schließen?

Kaufhof wird das Weihnachtsgeschäft noch mitmachen. Darüber sind wir froh.

Und danach? Was müssen Sie tun?

Das Kaufhof-Ende traf uns nicht unvorbereitet. Mitte 2021 endet der Mietvertrag - natürlich mit der Option auf Verlängerung. Wir haben ein Nachvermietungskonzept erstellt, das vor dem Corona-Ausbruch fertig wurde, und wir sprechen bereits mit potenziellen Mietern.

Und wann können die kommen?

Es gibt die kleinen Warenhäuser fast nicht mehr. Deswegen wollen wir die drei Stockwerke Kaufhof getrennt vermarkten. Diese Fläche muss modernisiert werden, es ist alles 40 Jahre alt. Wir sind jetzt in der Phase, dass wir mit den Behörden sprechen wegen der Baugenehmigung, werden also nach dem Auszug des Kaufhof mit der Renovierung beginnen und hoffen, bis dahin schon Ross und Reiter nennen zu können.

Was fehlt denn in Ihrem Center - was wird denn ohne Kaufhof fehlen?

Ganz klar: Spielwaren werden fehlen, wenn der Kaufhof geht. Haushaltswaren werden fehlen, auch wenn Kodi in drei Wochen öffnet und auf 400 Quadratmetern Haushaltswaren anbietet. Ein Bettenhaus könnten wir im Hessen-Center auch gebrauchen, aber wir müssen auch mal quer- denken. Ich könnte mir vorstellen, neben Einzelhandel auch die Stadtteilbibliothek, eine Kindertagesstätte oder weitere Arztpraxen zu beheimaten.

Kaufhof-Weggang bietet auch neue Möglichkeiten für das Hessen-Center Frankfurt

Das hört sich fast an, als ob der Weggang von Kaufhof eine Chance wäre?

Einkaufscenter werden in Zehn-Jahres-Rhythmen beplant - weil Verträge so lange laufen. Zurzeit sind wir beispielsweise dabei, das Textilsortiment zu reduzieren und dafür in erster Linie Hartwaren zu stärken. Der Kaufhof-Weggang ist insofern eine Chance, als während der vergangenen Jahrzehnte zu wenig verändert wurde.

Befürchtungen um die Schließung kommen ja daher, dass das Hessen-Center an Attraktivität verloren hat. Wie stehen Sie denn da?

Also, das Hessen-Center hat eine gute Nachfrage am Markt. Wir haben Mietinteressenten. Angestrebt sind 15 000 Besucher pro Tag. Die erreichen wir derzeit nicht, denn wir sind ein Autofahrerstandort, quasi ein Markt auf der grünen Wiese. Deswegen hat uns der Parkhaus-Neubau so belastet. Dann war auch noch schwierig, dass der Nahversorger Rewe weggegangen ist. Jetzt kommt im August der neue Edeka, ein sehr moderner Markt, der beispielsweise auch ein kleines Gewächshaus hat und die große Frischetheke.

Also wird die Lebensmittelversorgung wieder und auch so hochwertig wie nie zuvor funktionieren. Und Ende Oktober öffnet das Parkhaus endlich. Parallel investieren wir in die Aufenthaltsqualität. Neben neuen WC-Anlagen überarbeiten wir grade die Optik der Ladenstraße und schaffen neue, moderne Sitzmöglichkeiten. Auch eine Kinderspielfläche wird kommen. Wir haben, zugegeben, eine Handvoll Leerstände.

Aber wir setzen um, was für die kommenden Jahre erforderlich ist. Die Neugestaltung der Kaufhof-Flächen gehört dazu. Es ist eine Chance, neu planen zu können. Und der Eigentümer scheut die zweistelligen Millioneninvestitionen nicht. Das ist ein Beweis, dass Sorgen um das Hessen-Center unbegründet sind, und wir in Kürze das familienfreundlichste Center im Frankfurter Osten sein werden.

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