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Frankfurt: Kein Geld für Amok-Alarm an Schulen

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Vor bald zehn Jahren, am 11. März 2009, starben bei einem Amoklauf in einer Schule in Winnenden 15 Menschen. Danach wurden einige Frankfurter Schulen mit Kommunikationsanlagen ausgestattet. Nun soll der Rest folgen - für fast zehn Millionen Euro. Doch das Revisionsamt lehnt dies ab.

Wenn der Name Winnenden fällt, denken viele Menschen – und ganz besonders Schüler und Lehrer – meist sofort an ein schreckliches Ereignis – an den Amoklauf in einer Schule, als ein 17-Jähriger neun Schüler, drei Lehrerinnen sowie drei weitere Menschen und sich selbst getötet hat. Am 11. März jährt sich die traurige Erinnerung.

Nach dem Amoklauf von Winnenden wurden für viele Schulen in Deutschland Sicherheitspläne erarbeitet. Krisenteams gründeten sich an den Bildungseinrichtungen. Sie kommen zusammen, wenn sich Schüler gewalttätig verhalten und treten mit den jeweiligen Jugendlichen und ihren Eltern in Kontakt. Im Zweifel wird noch ein Schulpsychologe hinzugezogen.

„Anforderung nicht erfüllt“

2010 wurden auch in Frankfurt weiterführende Schulen mit Kommunikationsanlagen inklusive Amok-Alarm ausgestattet. Über Sprechanlagen können Schulleiter Notrufe durch das Gebäude oder in einzelne Räume absetzen, umgekehrt können Lehrer im Krisenfall aus dem Klassenraum Kontakt zum Sekretariat aufnehmen, das per Notrufknopf die Polizei alarmiert. 50 Schulen sind so ausgestattet worden. Jetzt soll die Installation in den restlichen 41 weiterführenden Schulen folgen – für 9,9 Millionen Euro. Das Revisionsamt, das alle städtischen Finanzvorlagen prüft, lehnt diese Investition jedoch ab. Das geht aus einem vertraulichen Prüfbericht hervor, der dieser Zeitung vorliegt. Darin beruft sich das Amt auf die Erfahrungen, welche die bereits ausgestatteten Schulen in den vergangenen Jahren gemacht haben. Die Prüfer urteilen in ihrem Bericht: „Keine Anlage erfüllt die an das System Kommunikationsanlagen gestellten Anforderungen in der Notfallsituation ,Amokalarm’.“

Die Experten vom Revisionsamt bemängeln in ihrem Bericht, dass die Schulen trotz der teuren Anlagen – sie kosten je nach Größe des Gebäudes zwischen 5500 und 800 000 Euro – „isoliert von einer ständig besetzten Stelle in der jeweiligen Schule vor Ort“ alarmieren. Bisher bieten nur zwei der 50 installierten Anlagen die Möglichkeit, direkt mit der Polizeinotrufstelle verbunden zu werden. Diese Vorgabe muss seit 2017 erfüllt werden.

Neue Anlagen gehen indessen über einen normalen Notruf hinaus. Mit der erweiterten Funktion können die Polizisten direkt mit der Schule kommunizieren, schnell herausfinden, was passiert ist und sich einen ersten Überblick verschaffen. „Nach und nach sollen die alten Anlagen um diese Funktion erweitert werden“, sagt ein Sprecher von Baudezernent Jan Schneider (CDU). Und natürlich seien auch die neuen Anlagen dazu fähig. „Das hat die Kosten enorm erhöht.“

Aber auch die Nutzung als normale Gegensprechanlagen bemängeln die Prüfer des Revisionsamts. „Fast keine der bisher installierten Anlagen funktioniert stabil und sicher“, heißt es in den Unterlagen. Das Revisionsamt hat eine Umfrage unter den ausgestatteten Schulen gemacht. An 46 Schulen wurden Fragebögen geschickt. 32 Schulen haben sich beteiligt. Auf die Frage „Funktioniert die Kommunikationsanlage durchgehend stabil?“ hätten 16 Schulen mit „Nein“, zehn mit „Ja“ geantwortet. Die Hälfte der Schulen habe das System noch nie „für eine schulinterne Sprechverbindung genutzt. Fünf Anlagen seien ein- bis zehnmal pro Monat „für eine interne Sprechverbindung eingesetzt“ worden. Deshalb erwarten die Prüfer auch für die Zukunft „keine intensive Verwendung“. „Wir empfehlen, die geplanten Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben“, heißt es.

Handeln in Krisenlagen

Um gefährliche Situationen zu vermeiden, ist es aus der Sicht der Experten wichtiger, eine Reihe von architektonischen und baulichen Maßnahmen in das Sicherheitssystem der Schulen zu integrieren. So müssten „kritische Zugänge“ besser einsehbar sein. Zudem müssten Schließmechanismen für Türen und Tore in schulische Sicherheitssysteme aufgenommen werden wie es im hessischen Leitfaden für Schulen „Handeln in Krisensituationen“ vorgeschlagen wird.

Das Amt für Bau und Immobilien hat schriftlich auf den Revisionsbericht geantwortet und weist alle genannten Vorwürfe zurück. „Die bereits installierten Anlagen funktionieren ordnungsgemäß“, heißt es in dem Antwortschreiben. Das Ziel sei von Anfang an gewesen, „bei Bedrohungslagen Leben zu retten, die Gefährdung der Menschen vor Ort deutlich zu verringern und die Kommunikation in der Schule zu erhöhen“. Das Amt appelliert, den Ausbau mit Genehmigung des Antrages abzuschließen. Ansonsten drohe beim Thema Sicherheit an den Frankfurter Schulen eine Zweiklassengesellschaft.

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