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Hässlich ist die Unterführung, oft stehen hier Pfützen: Ortstermin des Vereins "Zukunft Fechenheim" am Bahnhof Mainkur. 

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DB investiert nicht mehr in Mainkur-Bahnhof - denn seine Tage sind gezählt

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Die Bahn verspricht nur kleinere Verbesserungen, weil es den Haltepunkt nicht mehr lange geben wird Etwas Farbe, eine schmale Rampe, um Fahrräder leichter die Treppe hochschieben zu können: Viel mehr will die DB Netze am Bahnhof Mainkur nicht investieren. Denn seine Tage sind gezählt

Frankfurt - Kalt und düster ist es an diesem Abend in der Unterführung des Bahnhofs Mainkur. Dröhnend fährt ein Zug ein, Fahrgäste hasten an der kleinen Gruppe vorbei und die Treppe hinauf, dann kehrt wieder Ruhe ein. Hartmut Schwarz, Leiter Bahnhofsmanagement der DB Netze in Frankfurt, nickt, während er Notizen in sein Handy tippt. "Man könnte einen kleinen Wettbewerb ausloben. Vielleicht mit der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Schüler aus Fechenheim könnten die Wände anmalen", schlägt Quartiersmanagerin Leonore Vogt vor. "Das hat einen Bezug zur Bevölkerung, das ist gut", sagt Schwarz. Später, bei der Abschlussrunde im Bahnhofsgebäude, im Lokal von Christoph Schiederig, wird der Bahnhofsmanager betonen: "Wenn die Bürger sagen, wir kümmern uns um die Gestaltung, dann stelle ich die Materialien und besorge auch zwei Weißbinder, um die Decken zu streichen."

Mainkur-Bahnhof wird durch Nordmainische S-Bahn ersetzt

Es ist ein Anfang, um den Bahnhof Mainkur aufzuwerten - einen der hässlichsten in Frankfurt. Zwei Dutzend Bürger sind der Einladung des Vereins "Zukunft Fechenheim" gefolgt, um über die Zukunft des Haltepunkts zu sprechen. Freundlicher und besser erreichbar sollen die Bahnsteige werden. Doch manches sei schwierig, anderes sogar unmöglich, sagt Schwarz. Vor allem, weil der Mainkur-Bahnhof nicht mehr lange bestehen wird: "Die nordmainische S-Bahn rückt näher, das Planfeststellungsverfahren ist fast abgeschlossen." Ein neuer S-Bahn-Halt, ein paar hundert Meter weiter westlich, wird den alten Bahnhof Mainkur ersetzen.

Angelegt beim Bau der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn 1847, diente der Bahnhof bis 1866 als kurhessischer Grenzbahnhof zu Preußen samt Zollabfertigung. Das Empfangsgebäude, in dem heute eine Gastronomie ist, und die Güterhalle entstanden 1913 bis 1918. Seine düsterste Phase erlebte der Bahnhof während der NS-Zeit: In zwei Transporten wurden 1942 Bergen-Enkheimer und Fechenheimer Juden von hier aus deportiert und in den sicheren Tod im KZ geschickt. Züge halten hier nur wenige, meist im Halbstundentakt.

Mainkur-Bahnhof: Nur Weniges lohnt noch

Dass die taktilen Leitstreifen, jene weißen, geriffelten Steine im Pflaster der Bahnsteige, bis zu den Treppen der Unterführung verlängert werden, mahnt Hannes Heiler von der Frankfurter Behinderten-Arbeitsgemeinschaft an. Doch das sei aufgrund der begrenzten Nutzungsdauer der Station nicht mehr umsetzbar, erklärt Schwarz. Die neue S-Bahn-Station werde jedoch komplett barrierefrei.

Zuhörer beklagen den schlechten Zustand der Wege, auch der Bahnsteige, wo rings um einige Sperrgitter das Pflaster aufgebrochen ist. Die Verkehrssicherheit werde stets hergestellt, das sei klar - und sie sei auch gewährleistet, sagt Schwarz. Unlängst etwa habe die Bahn auf 200 Metern Länge auf einem der Bahnsteige den Boden saniert, unter anderem Platten aufgenommen und neu verlegt. Für die Pfützen in der Unterführung gebe es wohl keine Abhilfe, sagt Schwarz. Die Pumpe, die Wasser aus der Unterführung fördert, werde regelmäßig gewartet. Aber die Pfützen könne die Pumpe doch nicht beseitigen, sagt ein Zuhörer. Schwarz nickt.

Ähnliches gilt für die Beleuchtung. Nicht immer funktioniere sie so gut wie heute, "die haben wohl vor dem Termin heute Abend alles auf Vordermann gebracht", sagt eine Frau. "Hier sind immer mal Lampen kaputt, auch in der Unterführung. Die Reparatur dauert manchmal Wochen", sagt ein Mann. Schwarz erklärt: Fällt eine Lampe aus, habe die zuständige DB-Tochter mehrere Wochen Zeit, sie auszutauschen. "Fallen mehrere aus und die Verkehrssicherheit ist nicht gewährleistet, müssen sie sofort gewechselt werden." Gerne würde er mehr Lampen installieren. "Aber dann muss ich laut Gesetz alles nach neuesten Standards umrüsten." Vielleicht könne man am Abgang zur Unterführung stärkere Leuchten einsetzen, "das prüfe ich."

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Mainkur-Bahnhof: Auch keine Rampe mehr

Aufzüge gibt es nicht und wird es auch nicht geben - wegen der begrenzten Nutzungsdauer. Eine Frau erzählt, dass Eltern mit Kinderwagen oft Probleme hätten, den Bahnsteig zu erreichen. Und ein schweres E-Bike die Stufen hinaufzuschleppen sei fast unmöglich, sagt ein Mann: "Wenn ich nach Hanau will, fahre ich mit dem Rad nach Maintal, denn dort komme ich ebenerdig in die Bahn. Aber das kann's doch nicht sein." Eine zweigleisige Rampe etwa für Kinderwagen lehnt Schwarz ab: Zu gefährlich, so seine Erfahrung, etwa weil Jugendliche sie zum Skaten umnutzen. "Auch sind Rollis, Rollatoren und Kinderwagen unterschiedlich breit." Eine eingleisige Schiene, um Fahrräder bequemer hinaufzuschieben, könne man aber installieren.

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Seine Kollegen der anderen Bahntöchter, die für Teile des Mainkur-Bahnhofs zuständig sind, will Schwarz zum nächsten Ortstermin einladen. Und mit der Stadt Frankfurt über mehr Fahrradständer reden. Im Februar, so die Übereinkunft, trifft man sich wieder.

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