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Europaviertel Frankfurt.

Wohnraum

Frankfurt: Keine Zeit fürs Studium

Teure Mieten bedeuten für viele Studierende mehrere Nebenjobs. Das verlängert oftmals die Studienzeit.

Wohnheim, WG-Zimmer, pendeln, bei den Eltern wohnen. Das sind die Wahlmöglichkeiten, die Studierende auf Wohnraumsuche in Frankfurt derzeit haben. Bei keiner davon sieht es gerade jetzt zu Semesterbeginn besonders rosig aus.

Die klassische Variante, in ein gefördertes Wohnheimzimmer zu ziehen, können leider viel zu wenige Studierende nutzen. Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen übersteigt auch in diesem Jahr massiv die Anzahl verfügbarer Zimmer. Von den etwa 80 000 Studierenden im Rhein-Main-Gebiet konnten laut Frankfurter Studentenwerk nur etwa sieben Prozent einen geförderten Wohnheimplatz ergattern.

Alternativen von privaten Wohnheimanbietern sprengen mit Monatsmieten zwischen 500 und 900 Euro den finanziellen Rahmen vieler Studierender.

Auch wer sich stattdessen auf WG-Zimmer und kleine Wohnungen in Frankfurt bewirbt, muss sich auf einen harten Konkurrenzkampf einlassen. Auf Anzeigen von Wohngemeinschaften kommen häufig innerhalb von einer Stunde Hunderte von Anfragen. Viele Interessenten müssen sich laut Erfahrungsberichten des Asta der Goethe-Universität auf teure Zwischenverträge oder gar Staffelmieten einlassen. Laut einer Studie des Instituts Empirica liegt der Standardpreis für ein unmöbliertes Zimmer in Frankfurt bei 505 Euro im Monat – ohnehin außerhalb des Budgets vieler Studierender.

Im Umland ist das nicht anders. Sämtliche Städte im Rhein-Main-Gebiet verzeichnen derzeit einen Anstieg bei den Mietpreisen. Neben den Innenstädten würden so auch die Ballungsräume insgesamt teurer, so Felix Große Besten, Asta-Vorstandsmitglied. Damit würden nicht nur Studierende, sondern alle Menschen schwächeren Einkommens aus den Städten verdrängt.

Dazu fallen in der Region vergleichsweise hohe Lebenshaltungskosten an. Das Moses-Mendelssohn-Institut ermittelte für Frankfurt einen durchschnittlichen monatlichen Bedarf von 885 Euro für Studierende.

Insgesamt handele es sich damit um Preise, die auch der gerade erhöhte Bafög-Satz mit einer Wohnpauschale von 325 Euro nicht decken könne. Das sei allemal eine „Anpassung an die Inflation“, aber keine ausreichende Finanzierungsmöglichkeit, so Große Besten. Immer mehr Erstsemester zögen es daher vor, zunächst bei den Eltern zu wohnen.

Für Studierende, die diese Option nicht haben und auch keine finanzielle Unterstützung der Eltern erhalten, bleibt oft nur ein Nebenverdienst, um das Studium zu finanzieren. Laut Asta bleibt es für einige auch nicht nur bei einem Nebenjob. Zahlen des Personaldienstleisters Studitemps bestätigen diese Tendenz. In Frankfurt müssen Studierende demnach im Schnitt etwa 39 Stunden pro Monat arbeiten, um allein die Miete zu finanzieren. In Wiesbaden sind es sogar 41 Stunden.

Die hohe Belastung führe zu weniger Zeit für akademische Leistungen und längeren Studienzeiten, meint Kyra Beninga, Asta-Vorsitzende. Auch für Engagement außerhalb des Studiums bleibe dadurch weniger Raum.

Der Asta fürchtet daher eine Entwicklung, im Zuge derer sich künftig nur noch Menschen aus einkommensstarken Haushalten ein Studium in Frankfurt leisten können.

Bafög

Am 1. August wurde der Bafög-Höchstsatz von 735 auf 853 Euro angehoben. 2020 soll der Satz nochmal auf 861 Euro angehoben werden. 

Von diesem Höchstsatz werden 325 Euro als Wohnkostenpauschale berechnet. Die Berechnung liegt damit unter der durchschnittlichen Miete für WG-Zimmer in Großstädten. In Frankfurt liegt der Standart bei 500 Euro. 

Nebenjobs bis zur 450 Euro-Basis haben für Bafög-Empfänger in Studium und Ausbildung keine Auswirkungen auf die Förderung.

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