Gestrandet: Die "Frankfurt am Main" liegt am Kai der Kieler Werft German Naval Yards. Und das wohl noch eine ganze Weile. Das neue Schiffskrankenhaus, eine Maßanfertigung, sollte eigentlich längst eingebaut sein. Bloß: Es passt nicht.
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Gestrandet: Die "Frankfurt am Main" liegt am Kai der Kieler Werft German Naval Yards. Und das wohl noch eine ganze Weile. Das neue Schiffskrankenhaus, eine Maßanfertigung, sollte eigentlich längst eingebaut sein. Bloß: Es passt nicht.

Frankfurt: Einsatztruppeversorger hat Pause

Die Frankfurt ist in Kiel gestrandet

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Bei der Fertigung vom Krankendeck auf dem Patenschiff der Stadt hat sich die Firma vermessen

Frankfurt -Nichts ist in diesem Jahr wie geplant. Auch nicht für Frankfurts Patenschiff der Marine, den Einsatzgruppenversorger (EGV) "Frankfurt am Main". Der 18 000-Tonnen-Koloss gehört mit zwei Schwesternschiffen zum größten Schiffstyp der Bundesmarine, wurde 2001 getauft von Oberbürgermeisterin Petra Roth und 2002 in Dienst gestellt.

Eigentlich ist die Aufgabe der "Frankfurt am Main", Marineschiffe im Einsatz mit Wasser, Kraftstoff, Munition und Lebensmitteln auf See zu versorgen und verletzte Soldaten in einem an Deck aufgebauten Krankenhaus, dem "Marineeinsatzrettungszentrum" (Merz), zu versorgen. Stattdessen liegt die "Frankfurt am Main" an der Nordmole der Werft German Naval Yards in Kiel, seit fast einem halben Jahr. Die Kieler Werft hatte den Auftrag erhalten, das Marineschiff mit einem neuen Bordkrankenhaus auszurüsten, nachdem das aus 26 mobilen Containern bestehende alte Merz 2015 in einer Lagerhalle abgebrannt war. Das neue Bordhospital soll nun fest auf den Rumpf des Schiffes aufgebaut werden, umfasst Krankenstation, zwei Operationssäle, einen Röntgenraum, Labore und eine Zahnversorgungseinheit samt Zahntechnik-Abteilung, um auf hoher See Gesundheit und Einsatzbereitschaft der Marinesoldaten sicherzustellen. Das war der Plan.

Die Realität sieht anders aus. Der Rohbau des Schiffskrankenhauses passt nicht. Beim Bau des neuen Merz habe man sich wohl vermessen, geben die Werft und das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung in Koblenz zur Kenntnis.

Dabei waren alle Beteiligten noch voller Optimismus, als zwei Schlepper die gewaltige "Frankfurt am Main" an die Nordmole der Kieler Werft bugsierten. Der zwei Decks hohe und über 20 Meter breite Rohbau des Merz, gefertigt von einem Subunternehmen, stand schon in der Montagehalle bereit. Nach einigen Vorarbeiten am Rumpf der "Frankfurt am Main" wollte ein Kran nun das Merz auf das Schiff heben, um es anzuschließen. Indessen: Der Aufbau passt nicht. Beim Bau der neuen Schiffsklinik hatte man sich vermessen, um wenige Millimeter nur. Aber selbst robuster Einsatz von Muskelkraft und Vorschlaghammer, eine auch im Schiffsbau probate Kombination zur Problemlösung, konnte nichts ausrichten. So ist der Messfehler womöglich klein, der Schaden indessen immens: das neue Merz muss wohl verschrottet werden - ein Millionenschaden. Die "Frankfurt am Main" ist gestrandet.

Eine Restmannschaft befindet sich auch während der Werftliegezeit auf dem Schiff. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang hisst sie die Flagge am Heck des großen grauen Schiffes mit der Aufschrift "A 1412" auf dem Rumpf und holt sie bei Sonnenuntergang wieder ein. Ansonsten passierte all die Wochen fast nichts. Jetzt ist die "Frankfurt am Main" unversehens zum Symbol geworden. Sie steht für eine unglaubliche Pleite.

"Das ist alles hanebüchen", kommentiert Marco Thiele vom Bundeswehrverband gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Auch wenn den finanziellen Schaden zunächst die Werft selbst habe, treffe der Verzug die Marine hart: "Letztlich hat die Marine ein Schiff länger als geplant nicht zur Verfügung. Die Einsatzverpflichtungen bleiben aber. In der Konsequenz müssen andere Schiffe länger im Einsatz bleiben." Am schlimmsten sei aber, dass die Besatzung nicht wisse, wann es wieder losgeht.

Die Werft hat sich mit der Marine offenbar bereits über einen neuen Anlauf geeignet, um das Schiffskrankenhaus doch noch und diesmal passend zu realisieren. "Das Marineeinsatzrettungszentrum auf dem Einsatzgruppenversorger "Frankfurt am Main" wird entsprechend des hohen technischen Standards unserer Werft nun in komplett eigener Fertigstellung erfolgen", so ein Sprecher der Werft. Qualität gehe vor Schnelligkeit.

Über die Kosten spricht niemand. Laut einem Sprecher des Bundesamtes unterliegen diese Angaben dem "Betriebs- und Vertragsgeheimnis". Es ist nicht allein der Auftragswert, der zu Buche schlägt. Auch der unplanmäßig lange Ausfall verursache hohe Kosten. Im Herbst soll das Schiff für eine Grundinstandsetzung in eine längere Werftliegezeit gehen. Dabei soll sie unter anderem so umgerüstet werden, dass auch Marinehubschrauber neuester Bauart an Deck landen können. Derzeit läuft das europaweite Ausschreibungsverfahren für diesen Auftrag. Welche Werft ihn bekommt, ist offen. Erst nach diesen Arbeiten kann das neue Merz aufgebaut werden.

Bis die "Frankfurt am Main" also mit einem funktionierenden Krankenhaus wieder auf See und in den Einsatz kann, wird es wohl noch bis 2022 dauern, schätzen Experten und sprechen von einem Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Wenn es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt in Frankfurt gibt, wird wohl, wie eh und je, eine Abordnung der Crew der "Frankfurt am Main" mit ihrem Kakao-Stand vertreten sein und den Erlös dem Kinder- und Jugendheim der Waisenhaus-Stiftung spenden. Ob die Marine-Soldaten auf die jüngsten Pleiten und Pannen ihres Schiffes gut zu sprechen sind, wird man sehen.

Sylvia A. Menzdorf

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