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Nach dem Tod von Antonjo C. wird die Kita in Frankfurt-Seckbach neu gestaltet. 

Nach Tod von Antonjo C.

Nach Tod von Kind: Unglücks-Kita will mit neuem Konzept eröffnen

Nach dem Tod von Antonjo C. durch einen Stromschlag in einer Kita in Seckbach startet die Einrichtung in Frankfurt 2020 mit neuem Konzept.

Frankfurt – Das Kinderzentrum Atzelbergstraße wird im neuen Jahr mit neuem Konzept wiedereröffnet. Das gab die Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) am Dienstag (17.12.2019) gemeinsam mit Gabriele Bischoff, Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Kita Frankfurt, bekannt und bestätigte damit Informationen dieser Zeitung. Künftig sollen in der Einrichtung in Seckbach, in der vor fast zwei Monaten Antonjo C. tödlich verunglückt war, nicht nur Kindergarten- und Hortkinder, sondern auch unter Dreijährige betreut werden.

Frankfurt: Ein Kita-Neuanfang für die Eltern im Stadtteil

"Das Unglück des Todes von Antonjo ist für uns alle immer noch unfassbar. Es hat eine Familie, einen Stadtteil, die ganze Stadt in Trauer gestürzt“, sagte Weber. Zur Tagesordnung zurückzukehren falle allen Beschäftigten bei Kita Frankfurt sehr schwer. „Aber die vielen Eltern im Stadtteil zählen auf uns, dass wir dem Kinderzentrum Atzelbergstraße einen Neuanfang ermöglichen.“ 

Alle Beteiligten seien sich ihrer großen Verantwortung bewusst und gingen mit größtmöglicher Sensibilität vor. „Ich bin sicher, dass die Kita dann im neuen Jahr wieder ein wichtiger und angenommener Teil des Stadtteils und der Gemeinschaft sein wird.“ Zuvor hat sich die Bildungsdezernentin mit einem Brief an die Eltern der Kinder der Kita gewandt, um sie über die Neuerungen zu informieren.

Kita in Frankfurt: Kind (6) stirbt an Stromschlag 

Der sechs Jahre alte Antonjo C. war am 29. Oktober nach einem Stromschlag in dem Kinderzentrum gestorben. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, das ermittelt seither die Staatsanwaltschaft. „Die Ermittlungen laufen noch“, teilte Nadja Niesen, Sprecherin der Behörde, kurz und knapp mit. Wie lange noch, das sei unklar. Augenzeugen der Tragödie hatten von „Lichtblitzen“ und „losen Kabeln“ berichtet. 

Die Unfallkasse Hessen hatte nach einer Begehung der Kita mitgeteilt, dass eine Steckdose nicht fachgerecht und sicher in der Wand festgemacht gewesen sei. Fotos, die zwei Mitarbeiter gemacht hatten, zeigten, dass die Steckdose etwas, aber deutlich sichtbar aus der Wand hing. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen fahrlässiger Tötung.

Nach Tod von Kind in Frankfurt: Kita-Räume werden umgebaut

Mit dem neuen Angebot nach der Wiedereröffnung, die für Frühjahr 2020 angedacht ist, soll dem Bedarf der Familien in Seckbach noch besser gerecht werden. Fortan sollen Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren die Einrichtung besuchen können. Wie Gabriele Bischoff mitteilte, seien im Kinderzentrum Atzelbergstraße bisher nicht alle Betreuungsplätze belegt gewesen, da sich die Nachfrage im Stadtteil verändert habe. 

Soll heißen: Mehr Krippenplätze sind nötig. Zuletzt wurden in der Einrichtung 59 Kindergarten- und Hortkinder betreut. Platz wäre für 104 Kinder gewesen. Derzeit sind die Kinder in anderen Einrichtungen von Kita Frankfurt sowie in der Zentgrafenschule untergebracht.

Kita in Frankfurt: Neues Team für Kinder

„Ich bin beeindruckt von dem großen Verständnis und der großen Solidarität der Mitarbeiter sowie der Eltern vor Ort“, so die Dezernentin Weber. „Kita Frankfurt unterstützt die Teams mit zusätzlichem Personal.“ 

Für das neue Konzept muss die Kita allerdings auch neu gestaltet werden. So müssen etwa neue Toiletten eingebaut und die Gruppenräume teilweise umgebaut werden. Mit den Arbeiten soll Anfang des kommenden Jahres begonnen werden. Zudem soll es für die Eltern, Kinder und Erzieher eine Möglichkeit geben, Antonjo zu gedenken. 

Nach Tod von Kind in Kita in Frankfurt: „Die persönliche Betroffenheit ist sehr groß“

Neben dem neuen Konzept wird es auch ein neues Team geben, das sich künftig um die Kinder kümmert. Die Erzieherinnen und Erzieher sowie das Leitungsteam haben sich dazu entschieden, nicht mehr in das Kinderzentrum Atzelbergstraße zurückkehren zu wollen. „Die persönliche Betroffenheit ist sehr groß“, sagte Bischoff. Die Stellen seien neu ausgeschrieben worden, erste Vorstellungsgespräche hätten stattgefunden. Wie viele Fachkräfte gesucht werden, dazu wollte man sich nicht äußern. 

Zum Zeitpunkt des Unglücks haben in der Einrichtung zehn pädagogische Fachkräfte gearbeitet. Vor der Wiedereröffnung der Einrichtung sollen die Eltern zu einem gemeinsamen Gespräch mit der Stadträtin in die Kita eingeladen werden. Dort sollen sie sich austauschen und das umgebaute Gebäude anschauen können

Von Julia Lorenz

 

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