Pandemie in Frankfurt

Corona-Schnelltests im Kiosk: Lieferengpässe und lange Schlangen – Kritik vom Gesundheitsamt

  • vonTobias Ketter
    schließen
  • Sabine Schramek
    schließen

Im Kiosk „Fit Fit“ in Frankfurt bietet ein Arzt Corona-Schnelltests an. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Das Gesundheitsamt kritisiert das Vorgehen.

  • Der Internist Georg Siemon testet Menschen im Kiosk „Fit Fit“ auf das Coronavirus.
  • 25 bis 75 Tests pro Tag können dort durchgeführt werden.
  • Der Andrang vor dem Kiosk in Frankfurt ist groß.

Update vom Montag, 16.11.2020, 09.45 Uhr: Die Nachfrage nach Corona-Schnelltests in dem „Fit Fit“-Kiosk in Frankfurt übersteigt das Angebot bei Weitem. Vor dem Wasserhäuschen im Stadtteil Bockenheim bilden sich immer wieder lange Schlangen. Internist Georg Siemon bietet dort Antigentests für Selbstzahler an. Das Problem: Der Nachschub stockt. Grund seien „die derzeitigen Lieferengpässe bei den Corona-Schnelltests“, heißt es in der Privatpraxis.

In dem Kiosk in Frankfurt können sich Menschen mittels Schnelltest auf Corona testen lassen. Es bilden sich lange Schlangen.

Corona in Frankfurt: Täglich 25 bis 75 Tests im Kiosk

Seit der Kiosk in Frankfurt bundesweit bekannt ist, reichen die verfügbaren Corona-Tests nicht mehr aus. Nun hat Dr. Georg Siemon das Verfahren geändert: Täglich ab 12 Uhr werden genau so viele Formulare ausgeteilt, wie es Tests gibt. „Aktuell sind zwischen 25 und 75 Tests täglich verfügbar“, heißt es auf der Homepage. Dennoch zieht sich die Schlange oft bis um die nächste Ecke, teils stehen die Menschen dort bis spät in die Nacht, wie ein Mitarbeiter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Kritik vom Gesundheitsamt an Corona-Tests in Kiosk in Frankfurt

In dem Kiosk in Frankfurt kostet der Corona-Test 40 Euro, bis zum Ergebnis dauert es nicht einmal eine halbe Stunde. Unter Kollegen ist die Idee umstritten. „Gerade die Antigentests sollten dort eingesetzt werden, wo sie wirklich gebraucht werden, zum Beispiel beim Schutz von Risikogruppen“, zitierte die „Bild“ den Chef des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk. „Für die Allgemeinheit beziehungsweise für eine asymptomatische Testung sind sie völlig ungeeignet.“

Aus Sicht der Landesärztekammer ist der Kiosk in Frankfurt „aus berufsrechtlicher Sicht in Ordnung“, wie eine Sprecherin berichtete. Der Kiosk sei quasi der ausgelagerte Untersuchungsraum einer Privatpraxis. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen will die Initiative des Georg Siemon nicht kommentieren. Sie rät aber, sich zuerst an den Hausarzt zu wenden. Der sei die erste Adresse, wenn es darum gehe, ob ein Test sinnvoll und welcher Test geeignet sei, sagte ein Sprecher.

Frankfurt: Kiosk wird zum Corona-Testzentrum

Erstmeldung vom Donnerstag, 05.11.2020, 12.44 Uhr: Frankfurt - Weil die Betreiber des „Fit Fit“-Kiosks wegen Corona nicht mehr als fünf Leute einlassen durften, haben sie ihre Trinkhalle vorübergehend geschlossen. Das nutzt Internist Georg Siemon (48), der zurzeit in Vaterschaftsurlaub ist: Er hat jetzt in dem Kiosk in der Kiesstraße 43 in Frankfurt ein privat ärztliches Corona-Testzentrum eröffnet. Statt Bier und Schnaps gibt es jetzt Abstriche und Desinfektionsmittel. „Ich will den Schnelltest für alle anbieten. Besonders für Leute, die schnell ihre Oma besuchen wollen“, sagt der Facharzt, der auch Rettungsarzt ist.

Mit Schutzbrille, Schutzanzug, FFP2-Maske und blauen Handschuhen ausgerüstet schaut er aus dem Fenster und erntet staunende Blicke und Lob von Passanten in Frankfurt. Auf die Idee kam Siemon, weil er eigentlich mit Frau und seinen drei Kindern in den Herbstferien auf Borkum Urlaub machen wollte. „Dann kam das Beherbergungsverbot. Das Hotel rief an, um unsere Buchung zu stornieren. Wir hätten nur mit aktuellen Negativ-Tests kommen dürfen - für alle fünf Personen. Solche Tests gab es nur am Flughafen und die waren mit mehr als 110 Euro pro Person richtig teuer, um das Ergebnis in sechs Stunden zu haben. Die Kosten waren für uns alle zu hoch, also sind wir zu Hause geblieben.“

Corona-Schnelltest an Frankfurter Kiosk bietet hohe Sicherheit

In einem Gespräch mit einem Apotheker erfuhr Siemon von neuen hochsensitiven Corona-Tests. „Im Mai waren sie noch verschrien, weil sie nur 56-prozentige Sicherheit hatten. Die neuen, die es seit Mitte Oktober sind, haben eine Sicherheit von 96,5 Prozent. Also fast so hoch wie PCR-Tests“, sagt Siemon.

Facharzt Georg Siemon bietet in einem ehemaligen Kiosk Corona-Schnelltests an.

Ein Mann kommt vorbei und klagt über „Kratzen im Hals, Schlappheit und Bauchschmerzen“. Siemon misst die Sauerstoffsättigung des Blutes und Fieber. Alles ist gut. Der Mann möchte einen Test. Der Arzt lässt sich den Personalausweis zeigen, stellt jede Menge Fragen. Nach Kontaktpersonen, die positiv auf Corona getestet wurden, Symptomen und Aufenthalten in Risikogebieten. Dann verschwinden die beiden hinter einer weißen Wand. Siemon macht den Rachenabstrich und entschuldigt sich für das unangenehme Gefühl für den Patienten, der beim Abstrich husten muss. Das Stäbchen wird sorgfältig in eine Lösung gegeben, „damit sich die Viren ablösen“. Dann kommen drei Tropfen auf eine Testkarte, die wie ein kleiner Schwangerschaftstest aussieht.

Kurze Wartezeit beim Corona-Schnelltest an Kiosk in Frankfurt

Der Mann wird 20 Minuten spazieren geschickt. „Momentan müssen viele Leute bis zu fünf Tage auf die Ergebnisse von PCR-Tests warten“, sagt Siemon. „Die Labore sind überlastet. So lange Wartezeit ist für viele schlimm. Für Firmenchefs, die sich große Sorgen machen, dass Mitarbeiter positiv sein könnten. Sie schicken jeden, der einmal niest in Quarantäne. Für Anwälte, die Gerichtstermine haben. Oder für Leute, die Verwandte besuchen wollen und sicher sein möchten, dass sie niemanden infizieren.“

An den Kiosk in Frankfurt kann im Prinzip jeder kommen. „Bis auf die, die vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden sind.“ Als Risikoklasse eins gelten laut RKI alle, die mindestens 15 Minuten ohne Maske oder Lüftung Kontakt zu anderen hatten. Für sie wird ein PCR-Test empfohlen. „Etwa jeder Zwanzigste, der hier war, ist positiv. Tendenz steigend.“

Frankfurt: Corona-Schnelltest an Kiosk für unter 50 Euro

Der Mann hat Glück. Kein Covid-19. Er ist erleichtert. Fieber, Atemnot und Geschmacksverlust sind deutliche Anzeichen für einen Test. Ebenso, wie Husten. Der Antigentest kostet 40,06 Euro. „Die niedrigste Stufe in der ärztlichen Gebührenordnung“, so Siemon. Corona-Tests, die privatärztlich gemacht werden, müssen die Kassen nicht bezahlen. Kulante Kassen übernähmen aber die Kosten. Demnächst will er auch einen neuen Antikörpertest anbieten, der über eine Blutuntersuchung läuft. „Für die Einreise nach China etwa werden jetzt ein PCR- und ein Antikörpertest verlangt. Und die sind verdammt streng.“ (Sabine Schramek)

Corona-Schnelltest

Adresse: Adalbertstraße 7 / Zugang Kiesstraße 43, 60486 Frankfurt am Main

Telefon: 0157/79130599

Öffnungszeit: Montag bis Samstag, 16 bis 20 Uhr, und nach telefonischer Vereinbarung

Weitere Informationen gibt es unter coronatest-frankfurt.de.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Arne Dedert/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare