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Mit einem regelmäßigen Nachtmarkt nach asiatischem Vorbild könnte die Frankfurter Innenstadt eine Pionierrolle in Deutschland einnehmen. (Symbolbild)

Alternativen vorgeschlagen

Klare Absage für einen Nachtmarkt in der Frankfurter City

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Mit einem regelmäßigen Nachtmarkt nach asiatischem Vorbild könnte die Frankfurter Innenstadt eine Pionierrolle in Deutschland einnehmen. Der Magistrat kann sich das mit Rücksicht auf die Nachtruhe aber nicht vorstellen.

Frankfurt - Es wäre eine Mischung aus Wochen- und Jahrmarkt mit Angeboten zum nächtlichen Einkaufen und Essengehen. "Ich habe solche Märkte in Hongkong und Taipeh erlebt", sagt Katharina Schreiner (FDP), die beruflich viel in Asien unterwegs ist. Von ihr stammte auch der Antrag an den Magistrat, der im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) einiges Wohlwollen fand. Nur zwei der 19 Mitglieder enthielten sich oder stimmten dagegen.

Das nördliche Mainufer gehört neben dem Wiesenhüttenplatz, dem Paulsplatz und der Frankenallee zu den Orten, die Schreiner vorschlug.

Doch der Magistrat zeigt sich in seiner jetzt ergangenen Stellungnahme kritisch bis ablehnend und sieht mit Rücksicht auf die Nachtruhe keine Möglichkeit, einen täglichen Nachtmarkt im Ortsbezirk 1 einzurichten: "Nahezu täglich gehen bei der Stadtverwaltung Beschwerden über die Lärmbelästigung in der Frankfurter Innenstadt ein, gerade an den in der Anfrage genannten Standorten würden zahlreiche Anwohner durch die Einführung eines Nachtmarktes massiv gestört und ihren Rechten verletzt." Denn die steigende Klagebereitschaft der Anwohner wegen Lärm durch Musik und Menschenansammlungen und die damit einhergehende Verschmutzung spiele eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Nachtmarkt in Frankfurt: Nur wenig Umsatz

Als weiteres Argument wird die geringe Akzeptanz von Märkten mit späten Öffnungszeiten bei den Anbietern von Wochenmärkten angeführt, die gegen Ende nur noch eine Kulisse für die dortige Gastronomie bieten würden. Konventionelle Marktbeschicker könnten zu diesen späten Zeiten wenig Umsatz machen. "Bevor man beim Magistrat einen Nachtmarkt beantragt, sollte man zunächst mit den großen Verbänden der Marktbeschicker sprechen, die mit ihren Kapazitäten oft auf einige Jahre ausgebucht sind", gibt die langjährige Marktverkäuferin Gisela Paul zu bedenken.

Diese Argumente kann die FDP zwar verstehen, will sie jedoch nicht für eine prinzipielle Ablehnung eines Nachtmarktes gelten lassen. "Wir werden uns in unserer Fraktion beraten, die Argumente aufgreifen und mit einem zweiten Antrag nochmals beim Magistrat nachfassen", sagt Schreiner. Zugeständnisse seien bei den Betriebszeiten und der Beschallung ebenso denkbar wie bei der Wahl des Platzes. "Wenn das außen nicht zu verwirklichen ist, könnte man den Nachtmarkt auch in die Kleinmarkthalle verlegen", sagt der Fraktionsvorsitzende Stephan Korte.

Nachtmarkt in Frankfurt: Pilotprojekt

"Eine internationale Großstadt wie Frankfurt sollte sich einem Nachtmarkt nicht von vornherein verschließen und ihn zumindest als Pilotprojekt auf seine wirtschaftliche Rentabilität testen", findet auch Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). "Selbstverständlich kommt es auch entscheidend darauf an, dass er von den Anwohnern angenommen wird." Als Standort könnte er sich wegen relativ wenigen Anwohnern den Paulspatz oder die Konstablerwache gut vorstellen, gibt aber auch dem Mainufer nach der probeweisen Sperrung für den Verkehr eine besondere Chance: "Hier könnte die Toleranz höher sein, da ja die Anwohner vom täglichen Verkehrslärm entlastet werden", so Strank.

Nachtmärkte gehen in China bis in das Jahr 836 in der Tang-Dynastie zurück und waren zunächst meist in Rotlichtvierteln angesiedelt, wo sie häufig von sozial schlechter situierten Chinesen besucht wurden. Heute sind sie unter anderem in Hongkong, Macau, Singapur, Taipeh sowie einigen Chinatowns in US-amerikanischen Großstädten verbreitet. got

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