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Koalition will städtische Parkplätze mit Solaranlagen überdachen

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Von: Manfred Becht

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Parken unter der Photovoltaikanlage: So könnten vielleicht auch städtische Parkplätze künftig aussehen.
Parken unter der Photovoltaikanlage: So könnten vielleicht auch städtische Parkplätze künftig aussehen. © picture alliance/dpa

Was in anderen Bundesländern Pflicht ist, soll nun auch in Frankfurt realisiert werden: Dächer mit Photovoltaik über Parkplätzen.

Frankfurt – Wenn in Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Parkplätze gebaut werden, müssen sie mit Photovoltaikanlagen überdacht werden, sofern dort 100 oder mehr Autos unterkommen. In Nordrhein-Westfalen gilt diese Vorgabe schon bei 50 Parkplätzen, in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bei 35 Plätzen. Dahinter steht natürlich die Idee, diese Flächen effektiver zu nutzen. In Hessen gibt es eine solche Verpflichtung bislang nicht.

Weitgehende Verpflichtungen, wie diese, können Kommunen nicht beschließen, nur Bund und Länder. In Frankfurt soll es nach dem Willen der Römer-Koalition aber wenigstens bei städtischen Parkplätzen solche Solaranlagen geben. Einstimmig beschloss die Stadtverordnetenversammlung einen Antrag der Koalitionsparteien Grüne, SPD, FDP und Volt einen umfassenden Prüfungsauftrag für den Magistrat. Der Bau solcher Anlagen ist damit zwar noch nicht beschlossen, wäre aber bei entsprechenden Prüfungsergebnissen folgerichtig.

Frankfurt: Welche Flächen für Solaranlagen infrage kommen, ist noch offen

Dabei geht es zumindest in einem ersten Schritt nur um Flächen, die im Besitz der Stadt oder von Unternehmen sind, die der Stadt gehören. Einbezogen werden sollen aber auch Flächen, die man von der Stadt längerfristig anmieten kann. Die Verwaltung soll zunächst ermitteln, welche dieser Flächen sich dafür eignen, mit Solarmodulen überdacht zu werden; geklärt werden sollen auch die Kosten.

In einem zweiten Schritt sollen dann Kosten und Ertrag nebeneinandergestellt werden, daraus wird dann eine Prioritätenliste erarbeitet: Je besser das Verhältnis von Aufwand und Einnahme ist, umso früher wird das Projekt realisiert. Dabei soll es eine "Vorab-Liste" der offensichtlich gut geeigneten Flächen geben, um Projekte schon umzusetzen, noch bevor ein komplettes Flächenkataster fertig ist.

Überlegt werden soll auch, ob solche Projekte öffentlich ausgeschrieben werden können. Dies würde bedeuten, dass Unternehmen den Bau von Photovoltaikanlagen anbieten können und die Stadt dann die wirtschaftlichsten Projekte in Auftrag geben könnte. Eine weitere Überlegung ist, ob der erzeugte Strom gleich an Ort und Stelle zum Aufladen von Elektroautos genutzt werden kann.

Photovoltaik über Parkplätzen in Frankfurt: Solarstrom und Schattenplatz für Autos

Bestimmte Vorteile der Idee liegen auf der Hand: Es werden zur Erzeugung von Solarstrom keine Flächen verbraucht. Und die Parkplätze bekommen ein Dach - die Autos stehen im Sommer im Schatten, und die Fahrer kommen trockenen Fußes zu ihren Fahrzeugen. "Dies ist ein weiteres wichtiges Ziel bei der Anpassung der Stadt an die Klimakrisenfolgen", heißt es in einer Pressemitteilung der Volt-Fraktion.

Sämtliche Potenziale zur Erzeugung regenerativer Energien sind zu heben, heißt es in der Antragsbegründung. Für eine Energieversorgung, die weg kommt von den fossilen Brennstoffen, müssten solche Möglichkeiten genutzt werden, ergänzt Volt. Dass gleich auch die Überhitzung des Asphalts und der Fahrzeuge verhindert wird, ist ein willkommener Nebeneffekt.

Solaranlage über Parkplätzen: Orientiert sich Frankfurt an Städten aus anderen Bundesländern?

Da es in mehreren Bundesländern ja bereits die Pflicht zum Bau von Solaranlagen auf Parkplätzen gibt, braucht die Stadt Frankfurt bei dem Vorhaben nicht das Rad völlig neu zu erfinden. Viele praktische Projekte zeigen, dass es keine grundlegenden Hindernisse gibt und dass auch viele private Unternehmen auf diese Weise ihre Parkplätze überdachen. Womöglich können städtische Projekte in Frankfurt manche Firmen zu einem ähnlichen Engagement motivieren.

Aus einem sogenannten Faktenpapier des Solar-Cluster Baden-Württemberg geht hervor, dass Dächer mit Solaranlage etwa 50 Prozent teurer sind als Überdachungen ohne. Wird die Überdachung nur wegen der Solaranlage gebaut und werden daher alle Kosten der Stromerzeugung zugerechnet, ist diese eher teurer. Anders sieht es aus, wenn ohnehin Dächer gebaut werden sollen. Die Kosten und damit die Rentabilität können jedoch von Objekt zu Objekt erheblich schwanken.

Überdachte Parkplätze in Frankfurt: Vieles spricht für die Solaranlagen

Lukrativ sei es, wenn der Strom direkt genutzt werden kann, etwa zum Laden von Autobatterien. Die wirtschaftliche Bilanz fällt auch besser aus, wenn durch die Überdachung der Winterdienst und Hagelschutzversicherungen entfallen. Werden dort Autos dauerhaft abgestellt, fällt der allgemeine Wertverlust geringer aus. Aber das dauerhafte Abstellen von Autos ist nicht das, was die Stadt für ihre Parkplätze anstrebt. (Manfred Becht)

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