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Im Niddapark in Frankfurt hat sich ein Hund an einem Köder schwer verletzt. Immer wieder legen Hundehasser solche Köder aus.

Hundehasser in Frankfurt

Hund frisst etwas im Niddapark - dann ist er schwer verletzt

Im Frankfurter Niddapark hat sich ein Hund an einem Giftköder schwer verletzt. Immer wieder legen Hundehasser solche Köder aus. Erwischt werden sie fast nie.

Frankfurt - Am Tag danach ist es wie immer im Niddapark. Dutzende Herrchen und Frauchen nutzen am Montag (16.09.2019) die weiten Hundewiesen - vor allem, um ihre Vierbeiner mit Artgenossen spielen zu lassen. Manche Hundehalter waren vorsichtiger als sonst, aber niemand legte seinen Liebling da an die Leine, wo er ihn sonst frei toben lässt. 

Frankfurt: Köder im Niddapark ausgelegt

"Aufpassen muss man eh immer", sagt ein junger Mann. Die Nachricht von Sonntag, dass sich ein Hund an einem Köder schwer verletzt habe und in der Tierklinik behandelt werde, haben viele gelesen. "Verbrecher", sagt eine Frau kurz und knapp über solche Hundehasser. Die anderen in der Gruppe nicken. Über Vereine und Hundeschulen sind Frankfurts Hundebesitzer bestens vernetzt. Über Facebook hatte der betroffene Besitzer die anderen gewarnt: "Köder auf der Hundewiese bei Hausen, Leberwurst mit Nägeln oder Draht".

Köder wie dieser liegen in Frankfurt immer mal wieder aus. "Das Problem begleitet uns stetig und betrifft das gesamte Stadtgebiet", sagt ein Polizeisprecher gestern auf Anfrage. Ob die Gefahr zunimmt, kann er nicht sagen. Die Polizei führt keine Statistik. Über Tätertypen und ihre Motive kann er nur mutmaßen, noch nie ist der Polizei ein Hundehasser ins Netz gegangen. Nachts legen sie ihre Köder aus - mit allem, was Hunde im schlimmsten Fall töten kann: Rasierklingen, Nägel, Draht, Glasscherben, Rattengift, Pflanzenvernichtungsmittel

Frankfurt: Hundehasser legen Köder im Niddapark aus

Im schlimmsten Fall erwarten Täter sogar Gefängnisstrafen. Wird ein Fall angezeigt, was die Polizei dringend empfiehlt, rückt sie an und sucht nach weiteren Ködern. Sybille Neumer, Trainerin in einem Hundesportverein, hat schon Suchhundestaffeln in Parks gesehen. "Klar", sagt der Polizeisprecher, "wir nehmen das Thema ernst." Ob schon viele Köder gefunden worden sind, bevor Hunde sich an ihnen verletzen konnten, kann er nicht sagen.

Tödliche Attacke: Diese Giftköder hatte ein Hundehasser im Frankfurter Stadtwald ausgelegt.  

Eine kleine Zufallsumfrage unter Frankfurter Tierärzten am Montag ergab, dass glücklicherweise kaum geköderte Hunde auf den Behandlungstischen landen. Selbst in der rund um die Uhr offenen Notaufnahme der Tierklinik Kalbach gilt der Vierbeiner, der am Wochenende im Niddapark zum Opfer wurde, als seltener Fall. 

Genaue Zahlen konnte Katharina Glück, Oberärztin in Kalbach, am Montag auf Anfrage nicht nennen. Sie selbst aber habe noch nie einen geköderten Hund behandeln müssen. Viel häufiger seien Vergiftungen im häuslichen Umfeld. Etwa, weil Hunde Schädlingsbekämpfungsmittel vertilgt hätten oder auch vermeintlich harmlose Lebensmittel wie Trauben, die manche Hundeniere aus noch nicht erforschten Gründen versagen lassen.

Köder: Hundetrainerin in Frankfurt nennt Gefahr allgegenwärtig

Erfahrungswerte von Experten sind das eine. Der Schrecken bei jedem bekannt gewordenen Fall und die allgemeine Wahrnehmung von Hundebesitzern sind das andere: Hundetrainerin Neumer bezeichnet das Problem sehr wohl als groß und die potenzielle Gefahr als allgegenwärtig. Allein ihr Hundesportverein hat viele Mitglieder, "da kriegt man das immer von anderen mit", sagt sie. 

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Vor allem Besitzer von sogenannten Tierschutzhunden, also ehemaligen Streunern aus dem Ausland, müssten ein besonderes Auge auf ihre Lieblinge werfen. Weil sie es gelernt haben, aus Abfällen zu überleben und noch überall Fressbares aufzuspüren, sei ihnen dieses Verhalten nur schwer abzutrainieren.

Frankfurt: Manche Hunderassen anfällig für Köder

Auch manche Rassen gelten als besonders anfällig, weil gierig: Labradore etwa, Beagle oder Cocker Spaniel. Die und Streuner landen dann nicht selten bei speziellen Trainings, wie sie im Rhein-Main-Gebiet unter anderem Julia Kolb anbietet. Die Bad Vilbelerin hat reichlich Tipps parat für all jene, deren Hunde nichts liegen lassen.

Wie es zu dem Unglück mit dem Hund im Niddapark kam, ist unklar. Sein Besitzer hat sich am Montag auf Anfrage nicht gemeldet. Wie es dem Hund ging, konnte die Tierklinik Kalbach nicht mitteilen - aus Gründen des Datenschutzes.

Von Mark Obert

Info: "Pfui" - damit der Hund die Köder verschmäht

Wie schaffe ich es, dass mein Hund keine Leberwurst anrührt, noch jede Fleischwurst verschmäht? Nicht nur wegen der Köder fragen sich das viele Hundebesitzer. Hier einige Tipps der Bad Vilbeler Hundetrainerin Julia Kolb, die mit ihren Kunden überall dort arbeitet, wo die Gefahren lauern - also auch im Niddapark in Frankfurt.

Konsequente Erziehungist das Wichtigste. Kommandos wie "Nein", "Aus" oder "Pfui" müssen fest etabliert werden. Anfangsübung: Leckerlis reichen, aber nicht nehmen lassen. Erst bei Erlaubnis. Dann den Schwierigkeitsgrad erhöhen, am Ende auch mit Leberwurst. So lernt der Hund Frustrationstoleranz und sein Besitzer, die Kontrolle zu behalten.

Beharrlichkeitmuss sein und bedeutet auch: Nicht gleich wieder locker lassen, wenn der Hund es mal kapiert hat. Schon gar nicht gleich aufgeben, wenn er es nur langsam lernt. Eine klare Stimme und eine klare Körpersprache sind wichtig.

Beschäftigung muss sein. Besonders frühere Streuner und Jagdhunde strengen nun mal gerne die Nase an. Also Suchspiele mit Belohnung, zum Beispiel mit Futterbeutel, anbieten. Ein gelangweilter Hund stöbert sonst auf eigene Faust.

Maulkorb:Das letzte Mittel ist gar nicht so schlecht. Die martialisch aussehenden Maulkörbe sind die richtigen - weil die Hunde nämlich mit ihnen noch hecheln können.

Giftköder-Radar:In dieser App wird man von anderen Hundebesitzern vor entdeckten Ködern gewarnt und kann wiederum andere warnen.

mjo


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