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Ein freiwilliger Helfer der Initiative kauft in einem Supermarkt für seinen "Paten" ein. foto: corona soli ff

"Schnell und unbürokratisch helfen"

Aktion „Solidarisch trotz Corona“: In Frankfurt hilft man sich

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Die Aktion "Solidarisch trotz Corona" ist eine Erfolgsgeschichte. Hier werden Hilfesuchende mit Helfern zusammen gebracht.

  • Die Aktion "Solidarisch trotz Corona" verbindet Menschen in Frankfurt
  • Helfer und Hilfesuchende können sich an die Aktion wenden
  • "Solidarisch trotz Corona" hilft bei vielen Problemen

Frankfurt - Viel ist dieser Tage die Rede von beherzten Nachbarschaftshilfen, die das schwierige Leben im Zeichen von Corona für die Menschen der Risikogruppen ein wenig leichter machen. Immer wieder fällt dabei auch der Name von "Solidarisch trotz Corona - Ffm". Die stadtteilübergreifende Initiative startete in Frankfurt und Offenbach als privates Netzwerk einiger Studenten am 6. März, wie der Höchster Mit-Gründer Miguel Lautmann berichtet: "Wir wussten von Bekannten in Italien, wie schlimm das Virus dort wütete, und dass uns das auch bald bevorstehen könnte". Doch von dort sei ebenso die Kunde von Nachbarschaftsinitiativen gekommen, die sofort und unbürokratisch halfen. "Die nahmen wir uns zum Vorbild," sagt Lautmann.

Lawine der Hilfsbereitschaft während Corona-Pandemie erfasste auch Frankfurt

Er und seine Mitstreiter staunten, welche Lawine an Hilfsbereitschaft sie mit ihrer Idee losgetreten hatten: "Innerhalb von nur zwei Tagen waren wir bei 1 500 Leuten, die mithelfen wollten", erzählt er. Daraufhin weiteten die Freunde die Struktur ihres Angebotes aus, nutzten den Smartphone-Nachrichtendienst "Telegram" als Kommunikationsplattform, verteilten Plakate in der ganze Stadt, versehen mit einem QR-Code, der auf ihre Webseite www.corona-soli-ffm.org führt, und schrieben Leitfäden mit Sicherheitsregeln für die freiwilligen Helfer, die sich rasch auch in einzelnen Stadtteilgruppen zusammenfanden. Mittlerweile, schätzt Lautmann, ist die Gruppe auf dreieinhalb Tausend Menschen angewachsen.

Da der Nachrichtendienst für die Helfer zwar praktisch ist, für ältere Menschen jedoch oft eine zu große Hürde darstellt, richteten die Organisatoren für die einzelnen Stadtteile Telefon-Hotlines ein. Allein im Frankfurter Westen seien es etwa 15. "Dort sitzen Freiwillige und vermitteln die Anrufer an Helfer in ihrer Nähe",erklärt Lautmann. Ein "Patensystem" schaffe Vertrauen: "Wir finden für jede Hilfsbedürtige einen Helfer; meist kommt noch ein zweiter hinzu. So entsteht eine bessere Bindung."

Einkäufe für Frankfurter Angehörige der Corona-Risikogruppe

Er berichtet von einer jungen Sossenheimerin mit einer Immun-Krankheit. "Anfangs kauften noch ihre Mitbewohner für sie ein", erzählt er. Als das weggebrochen sei, habe die Frau auf einem Plakat von der Aktion "Solidarisch trotz Corona" erfahren und angerufen. Für die Mission "Einkaufen in Sossenheim" hätten sich sofort drei Leute gemeldet. "Wir prüften erst, ob die das auch leisten können, gaben dann der Frau die Telefonnummer ihrer Helfer", erzählt er.

Diese Geschichte zeigt auch, dass nicht nur das Virus, sondern auch Hilfsbereitschaft ansteckend sein kann. Denn die junge Frau aus Sossenheim engagiere sich mittlerweile als digitale Mitarbeiterin für die Arbeit von "Solidarisch trotz Corona", wie Lautmann berichtet. Lebensmitteleinkäufe für Menschen der Risikogruppe bilden zwar den Kern des Hilfsangebotes. Aber auch Hilferufe, ein Medikament aus der Apotheke zu besorgen oder den Hund Gassi zu führen, werden erhört. 

Hilfe gegen Depressionen und häusliche Gewalt während der Corona-Pandemie

Außerdem bietet die Gruppe auch Hilfe an für Menschen, die sich einsam fühlen, an Depressionen leiden oder häusliche Gewalt erfahren. "Wir sind beispielsweise in engem Kontakt mit Frauenhäusern", betont Lautmann. Mittlerweile hätten sich zahlreiche Untergruppen gebildet. Eine sei etwa darauf spezialisiert, eine Hausaufgabenbetreuung für Kinder zu organisieren. In einer anderen Gruppe tauschten sich Eltern darüber aus, wie sie am besten Homeoffice und Hausunterricht miteinander koordinieren können.

Die Offenheit für alle und die Niedrigschwelligkeit der Angebote nennt Miguel Lautmann als besondere Stärken der Initiative. Mit seinen Mitstreitern teilt er die Hoffnung, dass der Geist der Solidarität auch erhalten bleiben wird, wenn die Corona-Krise ausgestanden ist. Denn: "Es ist schöner und besser, sich gegenseitig zu unterstützen als sich etwas wegzunehmen."

Informationen zu Solidarisch trotz Corona

Wer Hilfe benötigt und auf die Unterstützung von "Solidarisch trotz Corona" in Frankfurt zurückgreifen möchte, ruft einfach die Durchwahl seiner Stadtteilgruppe an. Für Höchst, Nied, Griesheim, Sossenheim, Unterliederbach, Sindlingen und Zeilsheim ist das die (069) 3 48 69 06-65, erreichbar täglich von 8 bis 18 Uhr. Für Schwanheim und Goldstein lautet die Nummer (069) 3 48 69 06-15, erreichbar täglich von 11 bis 16 Uhr. Alle Telefonnummern für Frankfurt und Neu-Isenburg findet man auf www.corona-soli-ffm.org/de/hotlines-fuer-hilfesuchende/. 

Wer selbst helfen möchte, kann sich anschließen und über die Chat-App Telegram einer der lokalen Gruppen beitreten. Auf dem Internet-Auftritt findet man aber auch Flugblätter in mehreren Sprachen, die man im eigenen Haus oder Block in die Briefkästen werfen und somit auf seine Bereitschaft, Besorgungen zu übernehmen, aufmerksam machen kann. Einen Sicherheitsleitfaden gibt es ebenso in mehreren Sprachen, und man kann sich auch ein Erklärvideo anschauen.

Von Michael Forst

Die Club-Kultur in Frankfurt steht wegen der Corona-Krise am Abgrund. Es drohen Insolvenzen, die Soforthilfen sind längst aufgebraucht.

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