Von der fliegenden Kranich-Konkurrenz im Hintergrund lassen sich die Kormorane auf der Griesheimer Schleuseninsel nicht beirren. Allerdings hat die Gemeinschaft der Frankfurter Nidda-Fischereipächter ein Problem mit den Vögeln.	Fotos: Maik Reuß
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Von der fliegenden Kranich-Konkurrenz im Hintergrund lassen sich die Kormorane auf der Griesheimer Schleuseninsel nicht beirren. Allerdings hat die Gemeinschaft der Frankfurter Nidda-Fischereipächter ein Problem mit den Vögeln.

Griesheim

Weniger Kormorane kehren nach Frankfurt zurück – Abschüsse wegen Fischerei

  • Holger Vonhof
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Auf der Schleusen-Insel in Griesheim überwintern bis zu 100 Kormorane. Sie sind in Frankfurt nicht immer gern gesehen.

Frankfurt – Sein schwarzes Gefieder erinnerte schon die Römer an einen Raben; "corvus marinus", in etwa Wasserrabe, lautete sein spätlateinischer Name. Der Kormoran, der fast überall zu Hause ist, wurde in Europa als Konkurrenz der Fischer betrachtet und so massiv bejagt, dass er im mitteleuropäischen Binnenland zeitweise fast ausgerottet war. In Frankfurt gibt es einen Rückzugsort: die Griesheimer Schleuseninsel. Dort treffen jetzt wieder Kormorane aus Nordeuropa ein: Etwa 70 bis 100 der schwarzen Vögel überwintern jedes Jahr von September bis in den April mit Blick auf den Industriepark Griesheim.

Im Frankfurter Stadtgebiet gibt es während des Winterhalbjahrs zurzeit sechs Kormoran-Schlafplätze, von denen drei nur unregelmäßig besetzt sind. Der wichtigste Schlafplatz ist mit Abstand der auf der Griesheimer Schleuseninsel. Die dort überwinternden Kormorane fischen vorzugsweise längs des Mains, aber auch an der Wörthspitze. Die Bestände des Kormorans sind hier seit Mitte der 1990er Jahre deutlich zurückgegangen, steht in einem neuen Magistratsbericht: Mitte der 1990er Jahre hätten noch rund doppelt so viele Kormorane auf der Insel an der Griesheimer Staustufe überwintert wie heute. 1994/95 seien im Durchschnitt 171 Vögel gezählt worden, 1995/96 waren es 184, 1996/97 haben die Ornithologen 173 gezählt.

Kormorane haben keine Brutbestände in Frankfurt

Brutplätze von Kormoranen gibt es in Frankfurt nicht. Der Brutbestand des Vogels ist hessenweit von 2016 bis 2020 von 460 auf 420 Brutpaare zurückgegangen. Die Zahl der Kormorane, die in Hessen überwintern oder hier zumindest eine längere Rast einlegen, ist nach Auskunft des Magistrats seit Mitte der 1990er Jahre konstant geblieben: In den vergangenen Jahren habe er im Durchschnitt bei etwa 2500 bis 3000 Exemplaren gelegen. Die hierzulande überwinternden Vögel stammen überwiegend aus Dänemark, den Niederlanden, dem Baltikum und Nord-Ostdeutschland. Die Rast- und Überwinterungsbestände schwanken je nach Strenge des Winters: Je kälter ein Winter, umso mehr Vögel wandern nach Südwesten ab. Ist ein Winter sehr warm, überwintert eine Vielzahl der Kormorane weiter nördlich - das Zugvögelleben ist nunmal anstrengend, auch der Kormoran schätzt offenbar kurze Wege.

Allerdings muss er sich hier in Acht nehmen, denn er gilt immer noch als Fischräuber: Die Ausnahmeerlaubnis vom Tötungsverbot für den Kormoran vom 15. Januar 2015 ist für die Gemeinschaft der Frankfurter Nidda-Fischereipächter vom Ordnungsamt mit Verfügung vom 28. November 2019 bis zum 31. März 2021 verlängert worden. Der Unteren Fischereibehörde sind für den Zeitraum von Dezember 2019 bis März 2020 insgesamt 17 sogenannte "Vergrämungsabschüsse" von Kormoranen an der unteren Nidda gemeldet worden. An der oberen Nidda, also bevor der Fluss das Stadtgebiet erreicht, sind fünf Kormorane abgeschossen worden.

Frankfurter Kormorane: Schlechter Ruf besteht zu Unrecht?

Zu Recht? Zuletzt ist im Jahr 2010 ein Gutachten zur Kormoran-Problematik in Frankfurt erstellt worden. In ihm wurde untersucht, ob und wie stark die Fischbestände in der Nidda durch den Kormoran gefährdet sind. Es wurde festgestellt, dass die Nidda trotz der ihrer sehr unterschiedlichen Struktur - renaturierte Bereiche im Gegensatz zu "kanalisierten" Abschnitten - ein artenreiches Fischvorkommen aufweist. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass ein Einfluss des Kormorans auf einzelne Fischarten nicht festgestellt werden könne.

Deshalb wird derzeit während des Erlaubniszeitraums der Ausnahmegenehmigung vom Tötungsverbot wieder ganz genau hingeschaut: Ein Monitoring, ausgeführt von einer unabhängigen Stelle, soll über den Einfluss des Kormorans auf die Entwicklung des Fischbestandes Auskunft geben. Ergebnisse zu dieser Untersuchung liegen noch nicht vor. hv

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