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"Es war Vertrauen auf den ersten Blick": Jutta Reul beim Wiedersehen mit Professor Matthias Schwarzbach vor dem Weihnachtsbaum im Foyer des Klinikums Höchst. 

„Hinfallen kann man - nur aufstehen muss man wieder“

Krebs kehrte zurück: Wie eine Frankfurterin dem Tod ein zweites Mal trotzte

„Hinfallen kann man - nur aufstehen muss man wieder“. Was für manche nur eine Kalenderweisheit sein mag, hat Jutta Reul aus Frankfurt am eigenen Leibe erlebt. Gleich zweimal trotzte sie dem Krebs.

Frankfurt - Wenn sich Krebsspezialist Professor Matthias Schwarzbach und die Frankfurterin Jutta Reul (61) früher im Höchster Klinikum gegenüber saßen, ging es meist um Leben und Tod. Diesmal, beim Pressetermin kurz vor Weihnachten, füllte vor allem Dankbarkeit den Raum. Denn dem Chefarzt und den modernen Behandlungsmethoden am Leberzentrum der Klinik, davon ist Jutta Reul überzeugt, verdankt sie ihr Leben. 

Vor sechs Jahren diagnostizierte eine Ärztin bei einer Darmspiegelung einen Tumor. „Wie in den Ausnahmezustand geschubst“, sei sie sich vorgekommen, erinnert sich die Frau. Dann habe „ein Räderwerk begonnen zu laufen“, mit vielen Fragen. Etwa der nach den Behandlungsmöglichkeiten. Eine Operation mit großem Bauchschnitt wegen der ungewissen Auswirkungen habe sie vermeiden wollen.

Die Ärztin empfahl ihr ihren ehemaligen Kollegen Professor Schwarzbach am Höchster Klinikum und dessen minimalinvasive Methode. Zwischen ihr und Professor Schwarzbach war es Vertrauen auf den ersten Blick, sagt Jutta Reul. „Und wie er beschrieb, welche Möglichkeiten er bei mir sieht, empfand ich als schlüssig.“ Die minimalinvasive Operation verlief denn auch hoffnungsvoll. 

„Ich habe sie gut verkraftet und mich in den nächsten zwei Wochen in der Klinik gut erholt“, sagt sie. Bis vier Wochen später die erste Chemo begann. Die „flog mir zweimal um die Ohren“, wie sie berichtet. Ihr Körper vertrug die halbjährige Giftkur nicht, zeigte heftige Abwehrreaktionen. Einmal konnte sie wegen eines Schwermetalls ihre Hände und Füße nicht mehr bewegen. Zweimal musste Professor Schwarzbach die chemischen Substanzen ändern.

Frankfurt: Frau erlitt Rückschlag - Krebs wieder da

Dann schien die Schlacht geschlagen: Jutta Reul konnte zurück ins Leben. Auch ihre Arbeit im Kundenservice beim Kunden der Post nahm sie wieder auf. Drei Jahre später und nur wenige Tage nach ihrer Pensionierung ereilte sie die nächste Hiobsbotschaft: An der Leber hatten sich Metastasen gebildet. Immerhin: „Ich wusste mittlerweile, dass ich im Klinikum in guten Händen bin. Das machte es mir leichter, die Behandlung aufzunehmen.“ Für viele Laien, ergänzt Professor Matthias Schwarzbach, klinge das Wort „Metastasen“ nach einem Todesurteil. Doch das sei es keinesfalls.

Wieder kam Jutta Reul unters Messer, per Laser wurden die Metastasen entfernt. Doch eine zweite Chemo war unerlässlich. Erneut stellte sich Jutta Reul ein halbes Jahr lang den Strapazen der Therapie. Immerhin schlug ihr Körper diesmal besser auf die Substanzen an. Wie aber ging sie psychisch mit der anhaltenden bedrohlichen Situation um? Das Schwierige, erinnert sie sich, sei das Umfeld gewesen. Denn auch Familienangehörige und Arbeitskollegen seien von der Krankheit betroffen. „Sie waren teils sehr erschrocken und wussten nicht, wie sie sich verhalten sollen“, sagt sie. 

Wie die Frau aus Frankfurt mit dem Krebs umgegangen ist

Geholfen habe ihr jedoch, dass sie allen gegenüber offen mit dem Krebs umgegangen sei. Als besonders wertvoll bezeichnet sie die Entscheidung, sich noch während der Chemo der Nordic-Walking-Gruppe des Familien-Informations-Zentrums anzuschließen. Der Sport tat ihr gut, aber noch mehr der Austausch mit den anderen Patienten. „Da muss man nicht viel erklären“, erklärt sie. „Denn jeder weiß, wie man sich fühlt.“ Sie lernte: „Es bringt nichts, sich einzugraben, alleine mit seiner Angst.“

Seit drei Jahren ist der Krebs nicht mehr zurückgekommen - „und das wollen wir auch weiter so halten“, bekräftigt sie selbstbewusst. Alle drei Monate kommt sie zur Kontrolle in die Klinik. Ihr Leben führe sie bewusster als früher, mache vom Schwimmen bis zum Skifahren alles mit. Lächelnd, fügt sie hinzu: „Zu Hause, mit meinem Lebenspartner und seinen zwei Enkeln gehöre ich zur Blödsinn-Abteilung - ich bin für jeden Spaß zu haben“. 

Von Michael Forst

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