Zoff im Gefängnishof: Ein Wachmann mit Gummiknüppel versucht die Streithähne zu trennen.	fotos: rainer rüffer
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Zoff im Gefängnishof: Ein Wachmann mit Gummiknüppel versucht die Streithähne zu trennen. fotos: rainer rüffer

Kultur

Zweiteiliger Krimi „Irrtum“: Der Knast in Frankfurt erwacht zu neuem Leben

  • vonSabine Schramek
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Ein leerstehendes Backsteingebäude der JVA in Frankfurt erwacht für den zweiteiligen Krimi „Irrtum“ zu neuem Leben. Der Stoff kommt vom Frankfurter Regisseurs Frank Schraml.

Frankfurt -Eine blaue Zellentür aus Eisen knallt zu. Die Luft in der acht Quadratmeter kleinen Zelle mit Pritsche, Schrank, Waschbecken und Toilette ist zum Schneiden dick. Durch die kahlen Gänge des Backsteingebäudes in der Justizvollzugsanstalt Preungesheim hallen harte Schritte und einzelne Stimmen. "Klappe. Rolle Neun. Szene 4/1.62. Und bitte!" sagt Frank Schraml (50) laut und ruhig.

Zwei Häftlinge gehen durch den finsteren Eingang auf den Hof zwischen riesigen Metalltoren und dicht gerolltem Stacheldraht. Ein JVA-Beamter folgt, beobachtet die beiden. Nicht ohne Eigennutz. Der Mann in Uniform, mit Schlagstock, Handschellen und Pfefferspray, macht mit beim Drogendeal auf dem Gefängnishof in Frankfurt. Was er nicht weiß, ist, dass der wegen zweifachen Mordes verurteilte Miran Vegas ihn beobachtet.

JVA in Frankfurt: Gebäude steht seit 2012 leer – Jetzt wird dort der Film „Irrtum" gedreht

Im hinteren Teil des Hofes werfen sich acht brutal aussehende Männer immer wieder einen Basketball zu - unter Bewachung von Wachleuten und zwei Rottweilern mit Maulkorb. Immer wieder gibt es Stress und Rangeleien unter den tätowierten und glatzköpfigen Muskelmännern. Der Ton ist rau. Die Szenerie ist echt. Das, was gefilmt wird, nicht.

Dennoch wirkt es beim Blick durch vergitterte Zellen so authentisch, wie es nur sein kann. Seit 2012 steht das Backsteingebäude in der JVA in Frankfurt leer. Hier waren Gefangene untergebracht, die in U-Haft waren oder verlegt werden sollten. Die stickige Luft, die Einritzungen in Türen und Wänden, die Schreibtische mit Mikrofon, Telefon und Notizzetteln in den Wachstationen auf den engen Gängen wirken, als ob das Gebäude nur kurz Pause machen würde.

Frankfurt: Film „Irrtum" ist eine No-Budget-Produktion

Am 37. Drehtag für "Irrtum" spielt das Gefängnis die Hauptrolle. Der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Frank Schraml verkauft im wahren Leben Aquariumszubehör. Die Schauspieler bestehen aus Postboten im Vorruhestand, Tätowierern, Notfallsanitätern, Sicherheitsfirma-Mitarbeitern und Altenpflegern. Sie alle sind Laien, die teils als Kleindarsteller und Komparsen in Filmen mitwirken. Niemand bekommt Gage, denn der Film "Irrtum" ist eine No-Budget-Produktion.

Dennoch sind sie morgens um 6 Uhr angereist. Aus Wien, Hamburg, Bremen und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Idee zum Film entstand, als Schraml als Komparse zu einer Verhörsituation für zwei Minuten gebucht werden sollte. "Den Dialog habe ich vor dem Schlafengehen ins Handy eingegeben. Um 7.30 Uhr bin ich aufgewacht und gedacht, da kann man doch 90 Minuten draus machen."

80 Darsteller für den Frankfurter Film „Irrtum“ gefunden

Gedacht, getan. Schraml rief alle Leute an, die er kennt, und erzählte ihnen von seiner Idee. Als Sternzeichen Steinbock setzte er sich durch. "Man muss halt machen", sagt er lachend.

80 Darsteller hat er gefunden, die honorarfrei dabei sind, zwei Maskenbildnerinnen, Kameraleute und Ton. Locations wie das Gebäude der JVA, eine Gartenhütte in Gambach, die das Team explodieren ließ, Hubschrauber und einen Privatjet. "Man muss hartnäckig sein", sagt der Mann, der auch einen der beiden Polizisten spielt, die schnell, aber nicht gut ermitteln.

Den 90-minütigen Streifen hat Schraml aufgeteilt. Der erste Teil erzählt vornehmlich von den Ereignissen: den Morden, der Fahndung und Verhaftung und dem Knast-Alltag. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Polizeiarbeit und Aufklärung. Schraml hat aus eigener Tasche bisher gut 5000 Euro für Locations und Essen für sein Team ausgegeben. Das stört ihn nicht.

Kinopremiere des Frankfurter Films „Irrtum" für Dezember geplant

"Und dann kommt eine Serie fürs Fernsehen", orakelt der Mann mit der Klappe. Ein Buch gibt es bereits im Handel. Die Kino-Premiere ist für den 20. Dezember in Bad Nauheim geplant.

Noch prügeln sich die Gefangenen im Hof. Die Rottweilerhündinnen Dana und Lia knurren hinter ihren Maulkörben, als die JVA-Beamten mit Schlagstöcken und Pfefferspray dazwischengehen und die Raufbolde voneinander trennen. Vegas beobachtet sie alle. Er macht sich Notizen in einem Buch. Zu jeder Unregelmäßigkeit im Knast. Wohin das führt, wird nicht verraten. (Von Sabine Schramek)

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