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Nach den Krawallen am Opernplatz in Frankfurt gab es Demonstrationen gegen „Racial Profiling“. Jetzt äußert sich eine Expertin zu dem Thema

Diskussion um Racial Profiling

Kritik an Frankfurts Polizeipräsident Bereswill nach Aussagen zu Opernplatz-Krawallen

  • Marcel Richters
    VonMarcel Richters
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Nachdem er den Vorwurf des „Racial Profiling" zurückgewiesen hatte, gibt es Kritik an Frankfurts Polizeipräsident. Eine Expertin berichtet von ihren Erfahrungen.

  • Nach den Krawallen am Opernplatz wehrte sich Frankfurts Polizeipräsident gegen Vorwürfe.
  • Eine Expertin weist jetzt erneut auf das Problem des „Racial Profiling“ hin.
  • Sie fordert mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Polizei.

Frankfurt - Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt am Opernplatz in Frankfurt. Die Polizei ist am Wochenende mit einem Großaufgebot vor Ort und kontrolliert - auch Menschen mit Migrationshintergrund.

Frankfurts Polizeipräsident hatte Vorwürfe zurück gewiesen

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill hatte sich zuletzt vehement gegen den Vorwurf gewehrt, seine Beamten würden nach Hautfarbe und ethnischer Herkunft kontrollieren. „Man wirft uns vor, rassistisch zu arbeiten und durch ,Racial Profiling‘ Personen zu kontrollieren. Das stimmt nicht“, erklärte Bereswill.

Auch Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) hatte dem Vorwurf widersprochen. Es werde kontrolliert, wenn jemand ein „auffälliges Verhalten“ zeige, so Frank. Kontrollen ohne Verdachtsfall bei Menschen mit Migrationshintergrund bezeichnete Frank als „absurd“.

Es geht nicht nur um Krawalle in Frankfurt

Saba-Nur Cheema, Leiterin der Pädagogischen Abteilung der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, hat nun diese Äußerungen kritisiert. „Es ist bitter, wenn solche Vorfälle herunter geredet werden“, sagte Cheema gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Wir haben junge Leute - und wir reden hier von Mädchen und Jungen ab 13 Jahren, für die ist es ‚normal‘, von der Polizei kontrolliert zu werden“, erklärte Cheema. Besonders deutlich zeige sich das Problem, wenn die jungen Menschen in sogenannten Brennpunkten leben. Aber nicht nur dort und nicht nur für jugendliche Männer. Sie selbst sei schon als einzige im Zug-Abteil kontrolliert worden.

Bildung für den Polizeialltag in einer Stadt wie Frankfurt

Während deutsche weiße Jugendliche „wirklich laut und aggressiv“ sein müssten, damit die Polizei sie kontrolliert, reiche bei anderen der Bart oder ein Kopftuch, ist Cheema sicher. „Das ist das Problem.“ Allerdings betonte sie auch, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handle, das nicht nur die Polizei betreffe. „Aber die Polizei, das ist ja auch die Staatsgewalt, die hat eine ganz andere Macht.“ Darum müssten Polizisten besonders auf ihre eigenen Vorurteile achten und verantwortungsbewusst damit umgehen - wobei Vorurteile alle Menschen hätten, so Cheema.

Um Beamte entsprechend zu schulen, bietet die Bildungsstätte Anne Frank Seminare für Führungskräfte der Polizei und  Angestellte im Bundeskriminalamt an. „Die Motivation dazu kam vom BKA selbst“, betont Cheema. Doch auch die Beamten im Streifendienst sollten erreicht werden. Denn sie begegnen den migrantischen Jugendlichen im Alltag, gerade in einer multikulturellen Stadt wie Frankfurt kommt das oft vor. Und im Alltag wird das Bild von der Polizei geprägt. Von Marcel Richters mit dpa

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