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Frankfurter Kult-Kneipe macht dicht: Backstage-Gäste „extrem unglücklich“

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Von: Oliver Teutsch

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„Wir haben die Eintracht im Backstage gesehen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen...“. Foto: Renate Hoyer.
„Wir haben die Eintracht im Backstage gesehen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen...“. © Renate Hoyer

Große Trauer bei Stammgästen und Eintracht-Fans im Backstage. Im Juni steht eine Abschiedsfeier mit DJs, Konzerten und Austrinken an – denn: die Kultkneipe schließt.

Frankfurt – Die Kneipe wirkt fast ein bisschen wie ein Eintracht-Museum. Das Mobiliar in Schwarz und Rot, an den Wänden zahlreiche Wimpel und Mannschaftsfotos aus ruhmreichen Tagen. Die ruhmreichen Tage des „Backstage“ indes sind gezählt, die beliebte Kneipe im Nordend in Frankfurt wird im Juni nach mehr als 30 Jahren schließen. Betreiberin Silke Bernhardt will nicht mehr: „Es ist eine persönliche Entscheidung, ich hätte gerne wieder ein normales Leben.“ 15 Jahre in der Selbstständigkeit, immer um das Wohl der Kneipe besorgt, fast immer erreichbar, nie mit einer privaten Abendplanung, waren einfach genug.

Eröffnet hat die Kneipe am Alleenring 1991. Damals, schon der Name lässt drauf schließen, mehr für die Musikerszene. Das Backstage-Interieur war damals noch in Braun oder, wie Bernhardt es nennt, „Binding-Barock“ gehalten. Da sie direkt über der Kneipe wohnt, hat sie schon seit den Anfangstagen Konzerte und Partys im Erdgeschoss des Wohnhauses organisiert. Im Laufe der Jahre hat sich die Kneipe mehr und mehr zum Wohnzimmer von Eintracht-Fans entwickelt, spätestens nachdem Bernhard den Laden übernahm. Das Konzept, günstiges und gutes Essen, Fußball schauen und Party-Abende mit DJs, ging auf.

Frankfurt: Auch das Backstage litt unter der Corona-Pandemie

Doch reich wird man in diesen Zeiten mit niedrigpreisigen Kneipen nicht. Während der Corona-Pandemie blieben einige Gäste fern, die Lust auf Fußball sank. In erster Konsequenz kündigte Bernhardt im Herbst 2021 den Bezahlsender Sky, weil es sich einfach nicht mehr rechnete. Doch wirtschaftliche Gründe seien nicht ausschlaggebend gewesen für ihre Entscheidung, sagt Bernhardt. Sie brauche einfach mal Abstand.

Wirtin Silke Bernhardt am Tresen ihrer Kult-Kneipe. Foto: Renate Hoyer.
Wirtin Silke Bernhardt am Tresen ihrer Kult-Kneipe. © Renate Hoyer

Seit Anfang des Jahres hatte sie den Stammgästen ihre Entscheidung in persönlichen Gesprächen mitgeteilt und bekam von den „extrem unglücklichen Gästen“ viele nostalgische Geschichten zu hören, in denen das Backstage Schauplatz war. Von Hochzeitsfeiern, Baby-Pinkeln oder Menschen, die sich an der Rothschildallee/Ecke Rohrbachstraße kennengelernt hatten. Sie verspürte dabei „einen großen emotionalen Druck, der auf mir lastet“. Doch den auslaufenden Mietvertrag hätte die 56-Jährige um fünf Jahre verlängern müssen und wollte einfach nicht mehr.

Interesse an Kult-Kneipe in Frankfurt: Neuer Mietpreis schreckte Interessenten ab

Natürlich stellt sich immer die Frage, ob die Kneipe nicht genau so von jemand anderem weitergeführt werden könnte. Es habe tatsächlich einen Interessenten gegeben. Allerdings habe der Vermieter bei einem neuen Vertrag die Miete erhöhen wollen. „Das Konzept des Backstage ist niedrigpreisig, du müsstest das ganze System ändern“, erläutert Bernhardt, warum es am Ende nicht geklappt hat. Doch Trübsal geblasen wird nicht, stattdessen gibt es ein gleich fünftägiges Abschiedsprogramm vom 15. bis zum 19. Juni, dem letzten Tag des Backstage im Nordend. Mit DJs, Konzerten und „am Sonntag austrinken“, so Bernhardt. Danach braucht sie erst mal ein bisschen Abstand.

Das jahrzehntelange Motto: Eintracht, Party, Rock´ Roll. Foto: Renate Hoyer.
Das jahrzehntelange Motto: Eintracht, Party, Rock´ Roll. © Renate Hoyer

Das schwarz-rote Interieur mit den vielen „Eintracht Frankfurt“-Raritäten will sie nicht versteigern. Sie hat die Hoffnung, dass die ganze Einrichtung in einer anderen Kneipe weiter für Eintracht-Frohsinn sorgen kann. Vielleicht, lässt sie durchblicken, gibt es ab Oktober an anderer Stelle eine Art Backstage-Revival. Nur nicht mehr im Nordend. (Oliver Teutsch)

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