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"Was uns fehlt, werden wir erst merken, wenn wir geschlossen haben." Peter Magin (links) und Michael Brendel in ihrem Geschäft "Landkarten Schwarz", das sie Ende des Jahres aufgeben werden. 

Kartengeschäft in Frankfurt 

Nach 116 Jahren: Kult-Laden „Landkarten Schwarz" schließt 

Landkarten Schwarz am Kornmarkt schließt im Dezember. Eine traditionsreiche Geschichte endet – die Inhaber Peter Magin und Michael Brendel nehmen es gelassen.

Frankfurt – „Es tut mir sehr leid“, sagt eine Kundin, als sie „Landkarten Schwarz“ am Kornmarkt betritt. „Als ich davon gehört habe, musste ich sofort vorbeikommen.“ Es sind Sätze wie diese, die Peter Magin und Michael Brendl dieser Tage oft hören. Ihr alteingesessenes Geschäft wird schon Ende des Jahres schließen.

1903 ist es in Berlin eröffnet worden, 1948 zog es der politischen Lage wegen nach Frankfurt. Bis 2004 führte Barbara Schwarz den Familienbetrieb in dritter Generation. Nach ihrem Rückzug übernahmen Peter Magin, Michael Brendel und ein langjähriger Mitarbeiter, der nicht mehr dabei ist, das Kartengeschäft. 

Kartengeschäft „Landkarten Schwarz" hatte zwei Filialen in Frankfurt

Viele Jahre gab es zwei Filialen: Eine kleinere am Hirschgraben gegenüber vom Börsenverein, eine größere an der Eckenheimer Landstraße. „Schon bald wurde es immer ruhiger“, sagt Brendel, „viele Läden mussten weichen.“ Der Umzug in die Innenstadtlage am Kornmarkt sollte Besserung bringen. 

Zunächst lief es gut, dann ging es auch dort stetig bergab. Gründe dafür gab es viele. „Unser Geschäft liegt zwar in Kauflage. Lauflage ist das allerdings nicht“, so Brendel. Nur wenige Neukunden seien seit dem Umzug auf das Spezialgeschäft aufmerksam geworden. 

Die Stammkunden, die allermeisten älter als 50, können den Betrieb nicht aufrechterhalten. Dabei bietet Landkarten Schwarz wie viele Einzelhändler vielerlei Service, der online nicht zu bekommen ist. 

„Landkarten Schwarz" dürfte Einzelhandel in Frankfurt fehlen

„Man darf die eigene Position nicht überbewerten. Aber wir sind ein Mosaiksteinchen, das jetzt im Einzelhandel wegfällt“, sagt Brendel wehmütig. 

Zu groß aber ist andererseits der Absatzrückgang im Bereich des Kartenverkaufs. Das liegt auch an der zunehmenden Digitalisierung der Karten selbst und des Handels mit ihnen. „Es war ein Fehler, nicht präsenter im Internet zu sein“, sagt Brendel, zumal die beiden auch Reiseführer und Reiseromane anbieten.

 Eine Website hatten sie zwar eingerichtet, der Online-Shop blieb aus finanziellen Gründen jedoch geschlossen: „Das, was uns ausmacht, hätten wir so nicht darstellen können“, so die beiden Inhaber. Von der Verlängerung der Jahresmietverträge haben sie deshalb abgesehen. 

Einen Nachfolger für das Geschäft gibt es nicht, sie haben auch nicht damit gerechnet, jemanden zu finden. Es sei keine Arbeit, bei der man viel verdiene. Nur ein Liebhaber, „jemand mit einem Traum“, hätte den Laden übernehmen können. 

Frankfurt: Inhaber von „Landkarten Schwarz" haben vorgesorgt

Sowohl Brendel als auch Magin haben eine feste Anstellung in Sicht. Eine Mitarbeiterin geht in den Ruhestand. „Die feste Arbeitsstruktur bleibt uns glücklicherweise erhalten“, sagt Brendel lächelnd, „die langen Abende und Sonntage im Laden werden mir dennoch fehlen.“ „Es war immer nett mit den Kunden“, fügt Magin hinzu. 

Was ihnen noch fehlen wird? Die beiden sind sich sicher: „Wir werden es erst merken, wenn wir geschlossen haben.“ Noch ist der Laden gut sortiert. Für Mitte November ist der Räumungsverkauf für nicht preisgebundene Waren vorgesehen.

Von Jessica Haak

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