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Frankfurt: Kunstwerke im Palmengarten suchen Paten

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Von: Ute Vetter

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Wind und Wetter setzen Skulpturen und Figuren zu - Zum 150. Jubiläum wurde eine schöne Hilfsaktion ins Leben gerufen

Frankfurt -Die zwei "Lesenden Kinder" lassen sich nicht stören - obwohl sie leicht schaukelnd am Seil eines Baggers hängen. Was ist da denn wieder los im Palmengarten? Keine Bange - die "Lesenden Kinder" sind eine etwa knapp einen Meter hohe Bronzeguss-Skulptur, vermutlich in den 1950er Jahren erschaffen von Max Kratz (Essen). Sie stand seit 1987 am Kinderspielplatz im Palmengarten. "Und war in einem ziemlich desolaten Zustand", erklärt der Restaurator Holger Weinelt und putzt drei Stahlstifte in einem Felsbrocken, damit der Baggerfahrer die Skulptur darauf verankern kann. Gleich mehrere Schweißnähte waren gerissen und irgendwann mit unpassendem Material unsachgemäß verfugt worden. Zudem hatten Wind und Wetter der Skulptur im Laufe der Jahre arg zugesetzt.

Weinelt, dem sein Beruf ganz offensichtlich viel Freude bereitet, ist von der Kunstgießerei "Kunstguss Eschenburg" und hat schon viele Figuren, Tafeln und Skulpturen aus Bronze in Frankfurt und anderen deutschen Städten restauriert - auch die Büste des legendären Palmengarten-Begründers Franz Heinrich Siesmayer strahlt dank seiner Behandlung wieder wie neu in der großen Jubiläumsausstellung in der Palmengarten-Galerie.

An den "Lesenden Kindern" hat er gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Ziseleur und Kunstgießer Michael Becker gearbeitet. Sie haben die Figur unter anderem sanft gesandstrahlt, gefräst, patiniert, eine Schwefelleber aus diversen Essenzen gekocht und die erhitzte Essenz auf die Oberfläche aufgetragen. "Das gibt je nach Essenz ganz unterschiedliche Farben", sagt Weinelt. Mit Bürsten sorgten sie für unterschiedliche Schattierungen. Zu gute Letzt wurde das Kunstwerk dann mit einem Wachsgemisch versiegelt. Diese Konservierung vermeidet eine neuerliche Fleckenbildungen. Das Schönste: "Bronze lässt sich immer wieder neu patinieren", verrät der Restaurator.

Die Helaba engagierte sich

Neben Weinelt steht Silke Steffes von der Kommunikationsabteilung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und ist ebenfalls bester Laune. Kein Wunder, ist doch die Helaba eine der ersten neuen Paten der Restaurierungsaktion des Palmengartens anlässlich des 150. Jubiläums für seine Kunstobjekte. Die Bank spendete knapp 4000 Euro für die Aufarbeitung der "Lesenden Kinder", die jetzt nicht mehr desolat am Spielplatz von Gebüsch umwuchert werden, sondern an einer Sitzgruppe nahe am Palmenhaus der Besuchergunst harren. Steffes sagt: "Die Helaba fördert schon immer Kunst und Kultur sehr gerne. Und dieses Kunstwerk passt wunderbar zu unserem sonstigen Engagement in Sachen Bildung und Kinder".

Derweil streicht Kirsten Grote-Bär über die wieder stellenweise leicht gülden glänzende Skulptur "Lesende Kinder". Die Kuratorin der Jubiläumsausstellung ist Leiterin des Bereichs "Fundraising und Projekte" im Palmengarten, hat Kunst und Geschichte studiert und sagt: "Es sind übrigens zwei Jungs". Und der Restaurator lacht und sagt: "Ja, das werden die Kinder sicher schnell rausfinden und sicher auch dran rumklettern. Die Figur lädt ja dazu ein, aber das ist jetzt auch ok".

Grote-Bär hat die große Patenschafts-Aktion für Kunstwerke zum 150. Jubiläum des grünen Oase mit dem Titel "Patin oder Pate werden und gewinnen" initiiert. Und betont es immer wieder gern: Dass das Areal nicht nur ein "Pflanzenmuseum", sondern von Anfang an auch eine Ausstellungsstätte war für Kunstwerke, die geschenkt, geliehen, für ihn gekauft oder gar eigens vor Ort angefertigt wurden. "Doch während die Pflanzen sich stets selbst erneuern, verfügen Kunstwerke nicht über diese Kräfte", sagt sie. Sie setzen Moos oder Grünspan an, Teile beginnen zu wackeln oder brechen ab, denn durch Ritzen und Spalten kann Wasser eindringen und frieren, was zu Abplatzungen führen kann. Besonders fasziniert ist Grote-Bär von der unterschiedlichen Schönheit der Kunstwerke: "Panther, Gorilla und Co. gibt es eben nicht nur im Zoo, sondern auch hier bei uns als ausdrucksstarke Tierplastiken". Wer sich mehr für Menschen oder Mythologisches interessiere, könne ebenfalls an einer Patenschaft Freude finden: "Goethes Mutter, Frau Aja, auch bekannt als ,Märchenerzählerin', eine ,Afrikanische Frau', eine ,Tänzerin', eine ,Flora' oder ein ,Pan' - sie alle freuen sich ebenfalls über eine Reparatur oder Auffrischung!". Ute Vetter

Hier gibt es Auskunft

Nähere Information und Kontakt per E-Mail an kunstpatenschaft-palmengarten@stadt-frankfurt.de. Online werden unter www.palmengarten.de alle restaurierungsbedürftigen Werke vorgestellt und deren Kosten.

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