Güterzug
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Die Umgehung für Güterzüge in Frankfurt bietet eine weitere kleine Kapazitätssteigerung.

Verkehr

Bahnstrecken in Frankfurt zu voll: Güterzug-Umgehung soll her

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Bund will die Bahnstrecken in Frankfurt entlasten, deshalb sollen weniger Güterzüge durch die Stadt fahren. Die Anwohner dürfte das freuen.

  • Die Umgehung für Güterzüge in Frankfurt soll Platz für andere Linien wie S-Bahnen, Regionalzüge und ICE schaffen.
  • Aufgrund des Klimawandels ist ein vermehrter Transport von Gütern durch die Bahn geplant.
  • Der Bund will Kapazitäten auf geringer frequentierten Bahnlinien für Güterzüge nutzen.

Frankfurt – Bis Ende des Jahrzehnts sollen weniger Güterzüge durchs Frankfurter Stadtgebiet rollen. Dafür plant der Bund eine große Güterzug-Umgehung. Was Anwohner freuen dürfte, hat einen ganz praktischen Anlass: Auf den Gleisen, die in und durch die Metropole führen, wird dringend mehr Platz für S-Bahnen, Regionalzüge und ICE benötigt.

Das Ziel ist ehrgeizig, es wird vom Klimawandel getrieben: Von heute nur sieben Prozent soll der Anteil der Gütertransporte auf der Schiene auf 25 Prozent ansteigen, hat sich der Bund zum Ziel gesetzt. Heutzutage werden noch 70 Prozent der Güter mit Lastwagen transportiert.

Umgehung für Güterzüge in Frankfurt: Viele Bahnstrecken sind stark belastet

Diese Aussicht lässt die Anwohner an einigen Bahnstrecken in Hab-acht-Stellung gehen. Denn fahren mehr Güterzüge, könnte es lauter werden und damit mehr Lärm geben. In Frankfurt fürchten sich besonders Anwohner der Main-Weser-Bahn davor, etwa in Bockenheim, Ginnheim, Eschersheim. Dort warnt die Bürgerinitiative "Bahnane" seit vielen Jahren davor, dass der Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel in "Wahrheit" der Bau einer "Güterzugmagistrale" sei. Schließlich wolle der Bund das Mittelrheintal entlasten - und die Güterzüge sollten dann über Siegen, Gießen und Frankfurt fahren, behauptet die Bürgerinitiative. Dem widerspricht Verkehrsdezernent Klaus Oesterling: "Warum sollten die Güterzüge denn durch Frankfurt fahren?" Viele Bahnstrecken in der Stadt seien bereits stark belastet. Deshalb plant der Bund genau das Gegenteil: eine Güterzug-Umgehung für Frankfurt. Mit ihr sollen Güterbahnen vom Ruhrgebiet Richtung Süddeutschland und Brenner vermehrt die Main-Metropole umfahren: von Friedberg aus über Hanau nach Aschaffenburg. Dort können sie optional nach Darmstadt und von dort Richtung Schweiz abbiegen. Das alles ist bereits beschlossene Sache und Teil des Bundesverkehrswegeplans 2030 sowie des erst kürzlich vorgestellten, jüngsten Entwurfs des "Deutschlandtakt 2030".

Güterzüge sind oftmals voll beladen und verursachen Lärm. (Symbolbild)

Für die Frankfurt-Umgehung will der Bund Kapazitäten auf geringer frequentierten Bahnstrecken nutzen. Damit das möglich wird, sollen kleine Ergänzungen Engstellen im Schienennetz auflösen. So sind neue, kreuzungsfreie Abzweige für Friedberg, Großkrotzenburg, Mainaschaff und Darmstadt geplant. Mit ihrer Hilfe können Güterzüge abbiegen, ohne andere Züge zu blockieren.

Umgehung für Güterzüge ist Teil des Großprojekts „Knoten Frankfurt“

Aufgeteilt hat der Bund die Vorhaben in zwei Großprojekte: Zum Einen sind sie im "Mittelrhein-Zielnetz 1" enthalten, mit dem die Kapazität auf der Verbindung Ruhrgebiet-Süddeutschland für den Güterverkehr erhöht werden soll. Das sieht neben der Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim auch jene weiträumige Umfahrungsmöglichkeit über Siegen-Hanau vor.

Zum anderen ist das Herausdrücken des Güterzugverkehrs aus der Metropole Teil des Großprojekts "Knoten Frankfurt". Das beinhaltet den Bau des 3,5 Milliarden Euro teuren Fernbahntunnels, ebenso die nordmainische S-Bahn nach Hanau. Hinzu kommen neue Gleise und Verbindungen am Stadion und am Flughafen. Nötig sind diese Ausbauten vor allem für den Personenverkehr: Ihn will der Bund bis 2030 verdoppeln. So werden, wenn das Projekt "Knoten Frankfurt" realisiert ist, jährlich 5,5 Millionen Fahrten zusätzlich vom Auto auf die Bahn verlagert, hat der Bund berechnet.

"Dann auch noch den Güterverkehr durch Frankfurt zu quälen, ist nicht gut", mahnt Klaus Oesterling. Der drohe dann nämlich den Regionalverkehr zu verdrängen. Denn viele Strecken sind an ihrer Kapazitätsgrenze, allen voran nach Darmstadt, nach Offenbach-Hanau und nach Friedberg. Auf Letzterer ist es so eng, dass Züge zwischen Gießen und Frankfurt oft zusammengekoppelt fahren müssen. Und in den Fahrplänen der S6 sind Verspätungsminuten bereits als Puffer fest eingearbeitet.

Frankfurt: Umgehung für Güterzüge verspricht mehr Kapazität auf den Gleisen

Fährt die S6 von voraussichtlich Ende 2023 an auf eigenen Gleisen, können auf den Fernbahngleisen vier Züge mehr pro Stunde verkehren. Die Güterzug-Umgehung bietet eine weitere kleine Kapazitätssteigerung: Laut der Prognose des Bundes sollen 2030 nur noch 22 statt sonst 27 Güterzüge pro Tag zwischen Friedberg und Frankfurt unterwegs sein. Noch voller ist es südlich von der Metropole. Daher fahren manche Pendlerzüge nur bis Neu-Isenburg oder zum Südbahnhof statt zum Hauptbahnhof. Selbst einige ICE halten nur am Südbahnhof.

Mehr Kapazität verspricht die Güterzug-Umgehung: Wird sie realisiert, rollen auf der Main-Neckar-Bahn durch Sachsenhausen nach Darmstadt 2030 nur noch 41 statt 58 Güterbahnen pro Tag. Schon seit Jahren meldet der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat, beständig höheren Bedarf an Fahrmöglichkeiten für Regionalzüge an. Ins Rodgau, in den Odenwald und nach Mittelhessen würde der RMV gern häufiger fahren - auch weil alte Strecken wieder in Betrieb gehen sollen, wie zum Beispiel von Friedberg nach Hungen.

Um die steigende Nachfrage zu bewältigen, seien mehr Kapazitäten auf den Gleisen nötig, sagt Verkehrsdezernent Oesterling. "Wir brauchen jede Trasse für den S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr." Deshalb sei das Vorhaben des Bundes so wichtig, viele Güterzüge um die Stadt herumzuführen.

Warten macht den wenigsten Fahrgästen Spaß, besonders wenn im Berufsverkehr die Zeit knapp wird. Im Rhein-Main-Gebiet sind Pendler mehr als in den meisten anderen Städten von S-Bahn-Verspätungen betroffen.

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