1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt lässt das Oberräder Friedhofswärterhaus verfallen

Erstellt:

Von: Stefanie Wehr

Kommentare

Der Putz fällt ab, Scheiben sind eingeschlagen: Das Friedhofswärter-Häuschen verfällt zusehends. FOTO: stefanie wehr
Der Putz fällt ab, Scheiben sind eingeschlagen: Das Friedhofswärter-Häuschen verfällt zusehends. © Wehr, Stefanie

Stadt hat keine Pläne mit dem leerstehenden Gebäude

Das Friedhofswärterhäuschen ist in schlechtem Zustand. Das Haus mit der Adresse Burgenlandweg 10 - am Briefkasten steht Waldfriedhof - sieht arg in Mitleidenschaft gezogen aus: Fensterscheiben am Eingang und in den Kellern zur Straße hin wurden eingeschlagen. Die ehemals weiße Fassade sieht feucht und schmutzig aus, der Putz bröckelt und fällt großflächig ab. Der Vorbau am Eingang ist unter dem Dach extrem verschmutzt, die Scheiben beschlagen von innen, die Feuchtigkeit scheint durch die Wände zu dringen.

Viele Oberräder sind sauer

Der Zustand macht Passanten und Friedhofsbesucher wütend. Eine ältere Dame, die vorbeiläuft, schüttelt nur den Kopf. „Eine Schande ist das. Das schöne Haus so verkommen zu lassen“. Sauer ist auch Bernd Neumann, der Vorsitzende des Gewerbevereins. „Man hätte ein schönes Café hier einrichten können, und dazu einen Shuttletaxi-Service anbieten, der die älteren Bürger aus dem Ort hier hoch bringt und sie auch übers Friedhofsgelände fährt“, findet er.

Neumann hatte sich mit einem Vorschlag beim Amt für Bau und Immobilien beworben, nachdem dieses das Grundstück zur Pacht und das Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben hatte. Doch eine Antwort kam nie.

Eine Antwort ist die Stadt auch dem Ortsbeirat schuldig - seit gut einem Jahr. Was mit dem Haus geschehen soll, nachdem die Ausschreibung nicht gefruchtet hatte, wollte das Gremium Anfang 2022 wissen. Es werde „geprüft“, ob das Grünflächenamt selbst dort einzieht, kam als Antwort ein halbes Jahr später. Was die Prüfung ergab, wollte Ortsvorsteher und Stadtverordnete Christian Becker (CDU) wiederum sechs Monate später im Dezember 2022 wissen. Die Prüfung sei noch immer nicht abgeschlossen, hieß es dazu wortkarg von der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne).

Ein echtes Armutszeugnis

„Dass die Bürger sich seit nunmehr einem Jahr mit der Stellungnahme begnügen müssen, dass der Magistrat die Prüfung noch nicht abgeschlossen hat, ist bitter“, sagt Christian Becker. „Es bleibt zu hoffen, dass der Magistrat die Prüfung nun zeitnah abschließen und das Gebäude wieder einer sinnvollen Nutzung zuführen kann“, sagt der Christdemokrat.

Das Trauerspiel um das Gebäude will nicht enden. Nach jahrelangem Leerstand hatte die Stadt Ende 2020 die Ausschreibung für eine gewerbliche Nutzung im Erbbaurecht gestartet.

Die Stadt konnte trotz regen Käuferinteresses an dem mehr als 100 Jahre alten Gebäude keinen geeigneten Abnehmer finden. Den überwiegend gastronomischen Nutzungskonzepten konnte eine baurechtliche Genehmigung erteilt werden. Dabei war in der Ausschreibung die Möglichkeit, ein Café oder Bistro zu eröffnen, durchaus erwähnt. Auch ein Blumenladen hätte einziehen dürfen.

Eine Wohnnutzung ist nicht erlaubt. Dafür hatte es ebenfalls genug Interessenten im Stadtteil gegeben. Schon vor Jahren erlaubte das Grünflächenamt einem Oberräder Privatmann, das Haus auf eigene Kosten zu sanieren - was dieser auch tat. Schimmel wurde entfernt, Dachziegel hatte er bestellt - bis ihm das Amt kurzerhand den Schlüssel wieder abnahm.

Das Haus steht leer, seit die Verwaltung des Waldfriedhofs mit der des Südfriedhofs in Sachsenhausen zusammengelegt wurde. Beerdigungen finden deshalb nur montags und mittwochs auf dem Waldfriedhof statt. Das Gelände ist seither Tag und Nacht geöffnet. Stefanie Wehr

Auch interessant

Kommentare