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Die Leipziger Straße in Frankfurt soll samstags für Autos gesperrt werden.

Freie Fahrt für Radfahrer

Samstags soll die Leipziger Straße in Frankfurt für Autos tabu sein

Die Leipziger Straße in Frankfurt soll samstags für Autos gesperrt werden. Das fordern zumindest Bürger in Bockenheim. Ein Pilotversuch soll bald starten.

  • Die Leipziger Straße in Frankfurt soll für Autos gesperrt werden
  • Ein Pilotversuch für Samstage wird gestartet
  • Zustimmung und Kritik von Bürgern

Frankfurt – Innerhalb von zwei Monaten hat Bernhard Witzler das erreicht, was Stadtteilpolitiker und Verwaltung schon seit 15 Jahren diskutieren, aber noch keine gemeinsame Linie gefunden haben. 349 Menschen unterstützten im vergangenen Jahr auf der Internetplattform "Frankfurt fragt mich" seinen Vorschlag, die komplette Leipziger Straße für den Autoverkehr zu sperren. Der Magistrat muss nun die Möglichkeiten der Umsetzung dieser Idee prüfen und anschließend über das Ergebnis auf der Website berichten.

Dass die Anregung aber tatsächlich umgesetzt wird, ist unwahrscheinlich. Der Aufschrei im Stadtteil, vor allem von den Geschäftsleuten, wäre gewiss. Und der Magistrat kann sich darauf berufen, dass der Pilotversuch, den der Ortsbeirat 2 endlich mit großer Mehrheit - nur zwei CDU-Ortsbeiräte votierten bei der Abstimmung dagegen - auf den Weg gebracht hat, Priorität hat. Unumstritten ist das von der FDP-Fraktion angestoßene Vorhaben trotzdem nicht.

Frankfurt: Leipziger Straße in Bockenheim soll für Autos gesperrt werden

Auf die Tagesordnung hatte das Thema Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) gebracht. Geplant ist, die Leipziger Straße in Frankfurt samstags auf dem Abschnitt zwischen Adalbert- und Kurfürstenstraße für den Verkehr zu sperren. Schranken an den Querstraßen sollen Autofahrer an der Weiterfahrt hindern, Radfahrer dagegen haben freie Bahn. Die Sperrung soll zunächst sechs Monate ausprobiert werden. Danach wird resümiert, was gut und schlecht lief. Und natürlich steht eine Entscheidung an, ob der Test verstetigt oder sogar auf andere Tage ausgeweitet wird. Wann die Pilotphase startet, ist noch unklar.

Einer der Kritiker ist Otto Ziegelmeier. Er hält die Diskussion und den Versuch für überflüssig. "Mit etwas Rücksicht und Nachsicht kommt man immer gut und kollisionsfrei miteinander aus. Und wenn man sich doch mal im Gewusel in die Arme läuft oder doch vielleicht mal zu viel Kinderwägen gleichzeitig unterwegs sein sollten, - dann ist das ein guter Grund für eine Pause, einen Kaffee oder einen Äppler, allerdings nicht für eine Straßensperrung", schrieb er auf dem Internetportal "Bockenheim Aktiv", dessen Administrator er ist.

Wer die Leipziger wirklich attraktiver machen will, solle sie endlich grüner machen, die Plätze gestalten, Poller wegnehmen und damit auf den Gehsteigen Platz schaffen, fordert Ziegelmeier. Entsprechende Pläne gebe es schon, sie müssten nur aus den Schubladen herausgeholt werden. Diese Ausgaben seien besser investiert, als Geld für Straßensperren auszugeben.

Frankfurt: Samstags soll die Leipziger Straße für Autos tabu sein

Das ist sicher nicht falsch. Mehr Grün könnte die Leipziger Straße wahrlich vertragen. Aber: die Ausgaben für die Samstags-Sperrung sind ganz sicher nicht exorbitant hoch. Und viele Bockenheimer haben endgültig genug vom jahrelangen Gerede. Sozialbezirksvorsteher Hans-Georg Gabler bringt es auf den Punkt: "Es ist an der Zeit, einen Test zu machen und Erfahrungen zu sammeln", sagte er. Andere argumentieren, dass 25 Jahre Stillstand in der Leipziger reichen und teilweise nur 80 Zentimeter breite Gehwege eben nicht mehr zeitgemäß für eine Stadt wie Frankfurt seien.

Das überzeugt Kritiker aber nicht. Als unausgegoren bezeichnet etwa Holger Wessendorf, Vorsitzender des Gewerbevereins, den Vorschlag. Die Konsequenzen, beispielsweise Lieferverkehr, Parkleitsystem oder Umsatzentwicklung, seien darin nicht berücksichtigt worden. "Sie wollen die Straße einfach sperren, alles andere ist Ihnen egal", sagte er. Unterstützung bekam er von Christian Loose (CDU). "Ich halte von dem Konzept gar nichts. Das führt nur dazu führen, dass Radfahrer schnell durch die Straße fahren und die Zufahrt zu Hinterhöfen nicht möglich ist."

Leipziger Straße in Frankfurt: Prognosen über Auswirkungen der Sperrung sind nicht möglich

Prognosen über Auswirkungen sind laut Nimmerfroh auch nicht möglich. Alles andere wären Spekulationen. "Wir wissen nicht, ob es vielleicht auf der Adalbertstraße Stau gibt", sagte sie. Man müsse es ausprobieren und dann nach einer Probephase resümieren.

Nach ausführlichen Beratungen wurde das Papier der FDP, das außer der CDU alle Fraktionen im Ortsbeirat mittragen, um einige Punkte ergänzt: Radler sollen Schrittgeschwindigkeit fahren, eine Zufahrt-Regelung für Lieferanten und Anwohner soll geprüft werden, die Entwicklung des Verkehrs in den Nebenstraßen in Frankfurt-Bockenheim soll ebenso wie die Umsatzentwicklung der Einzelhändler untersucht werden und die Sperre soll von 10 bis 17 Uhr gelten. Sollten andere Zeiten sinnvoller sein, könnten sie geändert werden.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte stets betont, dass er eine Sperrung, ob auf einem bestimmten Abschnitt oder an bestimmten Tagen, mittrage. "Man kann das eine Zeit lang ausprobieren, danach bilanzieren und entscheiden, ob man daran festhält oder es wieder einstellt, weil es nicht funktioniert hat." Allerdings hatte er als Grundlage für eine spätere Umsetzung einen Beschluss des Stadtteilparlaments verlangt.

Der liegt jetzt seit ein paar Monaten vor. Jetzt ist Oesterling gefordert. An der schnellen Umsetzung der Testphase muss er sich nun messen lassen. Wenn Oesterling glaubwürdig bleiben will, sollte er seinen Worten schnell Taten folgen lassen.

Von Matthias Bittner

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