Leistungsprüfung der Polizeihunde: An Florian Rossa und Miki kommt niemand vorbei.
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Leistungsprüfung der Polizeihunde: An Florian Rossa und Miki kommt niemand vorbei.

Harter Job mit gefletschten Zähnen

Die Leistungsprüfung für Polizeihunde und ihre Führer verlangt viel ab

  • VonSabine Schramek
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Die Frankfurter Polizei vertraut besonders in Extremsituationen auf ihre Hunde. Die Leistungsprüfung zeigt, wie hoch die Erwartungen an Mensch und Tier liegen.

Sachsenhausen – Polizei-Schutzhunde können notfalls Lebensretter sein. Auch wenn sie amtlich als „Einsatzmittel“ gelten und nicht im Privatbesitz der Beamten aus der Hundestaffel sind, entsteht einige innige Rund-um-die-Uhr-Verbindung. Jedes Jahr werden die zwei- und vierbeinigen Kommissare auf Leistung geprüft.

Das aufgeregte laute Bellen, das durch den Stadtwald dringt, klingt wie der Beginn einer Treibjagd. Es wird allerdings nicht wirklich gejagt, sondern geprüft, ob acht der 13 Frankfurter Hundestaffel-Teams eine perfekte Symbiose aus Unterwerfung und Schutz bilden. Je vier Frauen und Männer treten mit ihren Vierbeinern an.

Das Bellen aus Zwingern ist nervös, die Beamten sind es ebenfalls. Ausbildungsleiter Polizeihauptkommissar Mike Hofmann strahlt Zuversicht neben Andreas Georgi aus, der als Richter mit Klemmbrett jede Bewegung von Hund und Mensch beobachtet. Georgi ist seit 31 Jahren Hundeführer und ist bei der Hessischen Bereitschaftspolizei in Mühlheim für Leichenspürhunde zuständig. „Ich weiß, wie nervös man bei der Leistungsprüfung ist und ich weiß, wie hart die Arbeit ist, bis Hunde und Mensch ein perfektes Team sind“, sagt der Mann, der kürzlich im Ahrtal nach den Überschwemmungen im Einsatz war. Sein Blick wird nachdenklich. „Das waren Eindrücke wie im Krieg, die vergisst man nicht.“

Leistungsprüfung der Polizei Hundestaffel bringt Mensch und Tier an ihre Grenzen

Das ganze Team wird auf dem Gelände eingebunden. Nach der Unterwerfungsübung, bei der Sitz, Platz, Bleib und Leinengang präsentiert werden, müssen die Paare lange Strecken gehen und laufen. Nah beieinander. Sie laufen durch eine Gruppe Menschen, zwei laute Schüsse durch Trainer Jan Reiser dürfen sie ebenso wenig irritieren, wie dunkle Tunnel und Hindernisse. Die 30 bis 50 Kilo schweren Tiere müssen sich tragen lassen und ohne Unterlass sichtbar gerne ganz nah an ihren Menschen sein. Maximal 100 Punkte sind zu erreichen.

Apollo schafft es nicht. Plötzlich beißt der Schäferhund aus Übermut in den Arm seines Führers. In der dicken Jacke ist ein Loch. Im Arm auch. Den Schmerz und Frust lässt sich der Mann kaum anmerken. Beide dürfen bis zur Nachprüfung nicht in Dienst. Die anderen sieben zeigen Glanzleistungen. Astor und GiBi mit ihren Führerinnen Giulia Franz und Christine Bastian ernten mit 97 Punkten Applaus und extra Streicheleinheiten. Schwanzwedelnd schmiegen sich die Deutschen und belgischen Schäferhunde an ihre Menschen, sie fordern mehr, wollen arbeiten und spielen.

Die Hundestaffel Frankfurt - Ein unschlagbares Team.

Polizeihunde bei Leistungsprüfung: Blick ohne Gnade

Die Nervosität ist höher als bei Demos, Fußballspielen, Streifen oder bei Einbrüchen und Überfällen. Viele Zuschauer sind da, die mit kritischem Blick die Benotungen verfolgen. Auch Björn Gutzeit, der seit einem halben Jahr der Vizepräsident der Polizei Frankfurt ist, betrachtet gespannt das Geschehen auf dem Platz. „Was die Teams leisten, ist enorm“, sagt er anerkennend und sieht persönlich nach dem Beamten, der eben gebissen wurde und spricht ihm Zuversicht zu.

Das Gebell reißt nicht ab. Die Hunde Hondo, Hafthor, Baldur, Ody, Miki, Astor und GiBi müssen zeigen, wie sie Einbrecher suchen und stellen und Flüchtende verfolgen. Hofmann und Georgi platzieren sich in einem Metallkäfig zur Eigensicherung. Reiser trägt einen fetten Schutzanzug, da er den Kriminellen mimt. In rasender Geschwindigkeit galoppieren die Hunde auf Fingerzeig rund um hohe Stellbretter, bis sie den Einbrecher finden und lautstark verbellen. Die Lefzen sind gefletscht, schneeweiße Zähne direkt vor Reiser. Die Hundeaugen haben einen Blick ohne Gnade.

Frankfurt: Polizeihunde sorgen für bedingungslosen Abstand

Erst auf die Befehle der Polizisten legen sich die Tiere ab, lassen keine Bewegung ohne Warnung von Reiser zu. Kurz darauf flüchtet er. Die Hunde stellen ihn. Hondo lässt auf Befehl nicht sofort ab, beißt sich fest, wird disqualifiziert und muss die Prüfung wiederholen. Die anderen machen weiter und halten eine Gruppe Störer auf, die eine Polizeisperre ignorieren wollen. Auch sie sind Polizisten, die trotz Warnung aggressiv auf die ihre Kollegen zugehen. Sie haben keine Chance. Die Hunde zeigen, dass sie es ernst meinen und niemanden durchlassen. Ihre Mäuler sind weit aufgerissen. Um nichts in der Welt würden sie jemanden an ihre Menschen lassen.

Alle bekommen Glanznoten. Franz und Astor erreichen die maximalen 100 Punkte. Bastian und GiBi landen auf Platz zwei, Ody und Baumann auf Platz drei. Dass zwei Frauen Sieger sind, irritiert die Männer nicht. Sie sind stolz auf ihre Kolleginnen. Müde sind alle. Vierbeiner und Menschen. Hofmann und Georgi sind zufrieden. „Polizeihunde sind wichtig. Als Abschreckung und zu dem Schutz der menschlichen Kollegen. Polizisten kann man provozieren, angreifen oder beleidigen. Mit einem Hund funktioniert so etwas nicht. Das Tier sorgt bedingungslos für den nötigen Abstand. Auch, wenn der Angreifer bewaffnet ist. Die Ausbildung ist hart für beide. Trotzdem wären mehr Diensthundeführer gut. Polizeihunde sind Partner im ganzen Leben.“ (Sabine Schramek)

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