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Keller-Wirt aus Leidenschaft: Horst Vetter in seinem Gewölbe in der De-Neufville-Straße.

Oberrad

„Cave de Neufville“ in Frankfurt Oberrad - ein Weinkeller wie ein Wohnzimmer

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Im „Cave de Neufville“ trifft sich der Stadtteil Oberrad. Ein Nachfolger ist daher schwer zu finden.

Frankfurt - Eine schmale Treppe führt hinunter in den Keller. Man könnte sie leicht übersehen. Von daher wirkt das kleine Weinlokal "Cave de Neufville", das Horst Vetter gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline im eigenen Haus betreibt, trotz mehrerer Hinweise an Mauern und Fassaden wie ein Geheimtipp.

Drinnen, im urigen Gewölbe, finden an den großen Holztischen vielleicht 50 Personen Platz. Richtig voll ist es allerdings nur, wenn Vereine oder andere Gruppen aus dem Stadtteil hier feiern. So wie vor ein paar Tagen die Wespen der Oberräder Karneval-Gesellschaft.

"Manchmal sind vier, manchmal 15 Leute da", sagt Vetter, der genau das spannend findet: nicht zu wissen, was ihn erwartet, wenn er viermal in der Woche um 19 Uhr die Tür aufschließt. Ums Geldverdienen ging es ihm nie; dafür diente dem heute 71-Jährigen der eigene Malerbetrieb. Den gab er 2015 an seine Mitarbeiter ab, die ihren vorherigen Chef wiederum dafür anstellten, Büroarbeiten und Aufsicht für sie zu erledigen.

„Cave de Neufville“ in Frankfurt Oberrad: Flammkuchen und Gulaschsuppe

Der Weinkeller war vorher schon das zweite Wohnzimmer, in dem das Paar seine Abende in Gesellschaft verbringt. Bei netten Gesprächen, einem guten Tropfen und Kleinigkeiten zum Essen wie Flammkuchen oder Gulaschsuppe, die teilweise selbst gemacht, teilweise von einem Metzger sind.

Angefangen hatte das Ganze damit, dass Horst Vetter, der seine Frau 1966 in einem Spanien-Urlaub kennenlernte, bald aus deren französischer Heimat Wein importierte und im Nebengeschäft verkaufte. Als die damals noch am Goldbergweg wohnende Familie 1981 das von 1895 stammende Haus in der De-Neufville-Straße erwarb, baute es den Keller aus. Anfangs gab es nur einmal in der Woche eine Weinprobe, dann regten die Teilnehmer an, mehr daraus zu machen. Vetter erwarb eine Gaststättenkonzession, richtete Toiletten und Notausgänge ein und erweiterte das Angebot.

2013 kam dem Familienvater erstmals der Gedanke, den Betrieb abzugeben. Doch ein potenzieller Pächter sprang kurzfristig noch ab, danach sollte sich kein geeigneter mehr finden. Die Umgestaltung in eine Shisha-Bar oder ähnliche Ideen, die Interessenten vorschweben, lehnt Vetter ab. Zudem sei die Lage nicht dazu geeignet, genügend Leute anzuziehen, um hier ein gut gehendes Geschäft zu betreiben.

"Oberrad ist ein schwieriges Pflaster", sagt der gebürtige Sachsenhäuser. "Neue Klientel findet sich hier nicht", das zeige auch die hohe Fluktuation bei anderen Kneipen. Als "Schlafstadt" bezeichnet Vetter mit einem Lächeln seinen Ortsteil.

Im eigenen Fall kam dazu, dass das 2007 erlassene Rauchverbot in öffentlichen Räumen ihn etwa 50 Prozent seiner damaligen Klientel kostete. Doch für Vetter war eine qualmfreie Zone selbstverständlich. "Wir haben hier ein tolles Klima", sagt er mehrdeutig. Das sollte sich nicht ändern.

„Cave de Neufville“ in Frankfurt Oberrad: Sommerbetrieb gehört dazu

Ein Bewerber muss sich darüber im Klaren sein, dass er über dem Lokal eine aus drei Parteien bestehende Hausgemeinschaft vorfindet, mit der er harmonieren sollte. Auch, weil zum Keller noch ein Sommerbetrieb draußen gehört. "Ich werde keinen finden, der das hier als Hobby betreibt", vermutet Vetter. Obwohl immer wieder Gäste erklären, sie könnten sich das vorstellen.

Den Ruf nach einem Nachfolger lässt er trotzdem auf seiner Internet-Seite stehen, die mit ihrer leicht zu merkenden Adresse www.wein-keller.de aus den ersten Tagen des weltweiten Netzes stammt. Irgendwann wird er sich schließlich dazu durchringen müssen, das Lokal abzugeben. Oder es für immer abzusperren. Alles andere als einen fließenden Übergang schließt Vetter aus. "Wenn ich irgendwann mal hier zumachen sollte", sagt er, "bleibt es auch geschlossen." 

von Katja Sturm

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