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Flugschüler der Lufthansa verklagen Konzern: Amtsgericht Frankfurt fällt erstes Urteil

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Von: Isabel Wetzel, Sebastian Richter

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Für Viele ein Traum: Das Arbeitsleben in einem Cockpit verbringen. Die Lufthansa bremste die Hoffnung einiger zukünftiger Piloten und beendete die Ausbildung. Die zogen vor das Arbeitsgericht Frankfurt. (Symbolbild)
Für Viele ein Traum: Das Arbeitsleben in einem Cockpit verbringen. Die Lufthansa bremste die Hoffnung einiger zukünftiger Piloten und beendete die Ausbildung. Die zogen vor das Arbeitsgericht Frankfurt. (Symbolbild) © Mehrdad Samak-Abedi/imago

Die Lufthansa dampft zahlreiche Ausbildungen von Piloten ein. Einige Flugschüler ziehen vor Gericht – das trifft eine erste Entscheidung.

Update vom Donnerstag, 09.12.2021, 10.21 Uhr: Das Arbeitsgericht Frankfurt hat die Klagen von 20 Flugschülern der Lufthansa abgewiesen. Die Flugschüler hatten dagegen geklagt, dass die Fluggesellschaft ihre Ausbildung wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beendete. Das Gericht begründete das Urteil mit der Argumentation der Ausbildungsstelle für Piloten bei der Lufthansa: Die Lufthansa Aviation Training (LAT) könne die Ausbildung nicht mehr wie verlangt erfüllen. Denn die nötigen Einrichtungen wie die Flugschule in Phoenix/Arizona seien bereits verkauft oder wie die Verkehrsfliegerschule in Bremen aufgelöst.

Daraus folgerte das Arbeitsgericht Frankfurt, dass die Ausbildung bei der LAT nicht mehr möglich sei. Zuvor lehnte das Gericht bereits zwei einstweilige Verfügungen in dieser Sache gegen die Lufthansa ab. Noch ist die Entscheidung nicht rechtskräftig.

Arbeitsgericht Frankfurt lehnt Klage von Flugschülern ab: Lufthansa begrüßt Urteil

Die Lufthansa begrüßte das Urteil in Frankfurt. Man bemühe sich weiterhin nach einer Lösung zum Abschluss der Ausbildung für die betroffenen Flugschüler, so ein Sprecher. Es gebe demnach bereits Angebote für Ersatzkurse an privaten Flugschulen.

LAT-Chef Matthias Spohr verteidigte die neue Ausbildungsstrategie der Lufthansa. Aufgrund der Pandemie habe man einen deutlich geringeren Pilotenbedarf als zuvor angenommen. Zum Beginn der Corona-Krise seien 980 Schüler im System gewesen, mit 800 habe man sich bereits geeinigt. Den 193 verbleibenden Flugschülern soll ein gleichwertiger Ausbildungsgang an der Flugschule TFC Käufer in Essen angeboten worden sein.

Lufthansa-Piloten in einem Cockpit: Was passiert mit den Flugschülen, die ihre Ausbildung bei der Lufthansa wegen der Corona-Krise nicht beenden konnten?
Was passiert mit den angehenden Piloten, die ihre Ausbildung bei der Lufthansa wegen der Corona-Krise nicht beenden konnten? Das klärt jetzt das Frankfurter Amtsgericht. (Symbolbild) © Markus Mainka/Imago

Lufthansa bricht die Ausbildung ab: Rund 400 Piloten-Schüler ziehen vor Gericht

Erstmeldung vom Dienstag, 07.12.2021, 08.53 Uhr: Frankfurt – In der Corona-Pandemie geriet die Lufthansa in eine ihrer größten Firmenkrisen. Zahlreiche Stellen werden abgebaut, die Flotte verkleinert und schließlich auch die Ausbildung gestoppt. Darunter leiden vor allem die Flugschüler, die zu dem Zeitpunkt bereits mitten in der Ausbildung waren, diese aber nicht mehr beenden konnten. Am Mittwoch (8. 12.2021) werden am Arbeitsgericht Frankfurt voraussichtlich die ersten Klagen von Lufthansa-Flugschülern und Schülerinnen verhandelt, deren Ausbildung in der Corona-Krise abgebrochen wurde.

Die Ausbildungstochter Lufthansa Aviation Training (LAT) will die Lehrgänge allerdings nur unter stark veränderten Bedingungen fortsetzen. „Verträge sind zu erfüllen“, entgegnet die Frankfurter Anwältin Martina Stickler-Posner, die nach eigenen Angaben bereits 100 Klagen eingereicht hat und weitere rund 200 Flugschüler juristisch berät. Insgesamt sollen Anwälten zufolge bis zu 400 Flugschüler planen, gegen die Fluggesellschaft vor Gericht zu ziehen.

Hunderte Lufthansa-Schüler ziehen vor Gericht: Keine Garantie für Lufthansa-Cockpit

Laut dieser ursprünglichen Verträge war den wenigen Flugschülern, die im strengen Auswahlverfahren bei der Lufthansa bestanden hatten, eine Stelle bei der Kerngesellschaft sicher – eine sehr gut bezahlte Stelle. Dieses Modell war bei der Lufthansa bereits seit 1955 in Kraft. Doch der Konzern hat sich von dem Modell verabschiedet, Piloten in einem speziellen MPL-Ausbildungsgang (Multicrew Pilot Licence) allein für die Bedürfnisse ihrer Haupt-Airline und der Lufthansa Cargo auszubilden.

Stattdessen sollen künftig sämtliche Absolventen den allgemeineren ATPL-Abschluss (Airline Transport Pilot Licence) erreichen und sich damit bei allen Konzerngesellschaften bewerben, die meist deutlich unter dem Niveau der Lufthansa-Mutter zahlen. Das ist nur ein Aspekt, bei dem die Auszubildenden der Lufthansa unter Spar-Maßnahmen leiden. Aufgrund der verkleinerten Flotte wird unter anderem auch die traditionsreiche Verkehrsfliegerschule Bremen durch eine neue Organisation ersetzt.

Der neue LAT-Chef Matthias Spohr setzt angesichts der schrumpfenden Flotte harte Schnitte im Ausbildungssystem durch. Unter anderem wird die traditionelle Verkehrsfliegerschule in Bremen ersetzt.
Der neue LAT-Chef Matthias Spohr setzt angesichts der schrumpfenden Flotte harte Schnitte im Ausbildungssystem durch. Unter anderem wird die traditionelle Verkehrsfliegerschule in Bremen ersetzt. © Ingo Wagner/dpa

Ausbildung abbrechen oder ohne Übernahmegarantie privat beenden: Lufthansa-Schüler klagen

Die von der Corona-Krise kalt erwischten Flugschüler sollen nach dem Willen der LAT ihre Ausbildung entweder abbrechen oder bei der privaten Flugschule TFC Käufer in Essen vollenden, dann allerdings ohne garantierte Übernahme. „Das ist eben nicht die vereinbarte Ausbildung“, sagt dazu die Anwältin Stickler-Posner.

Ein betroffener Flugschüler will seine günstigen Karriereperspektiven aus dem MPL-Lehrgang nicht verlieren, will sich auch nicht in einem neuen Auswahlverfahren noch einmal qualifizieren müssen. Und selbst wenn es bei der Lufthansa nicht weitergehen sollte, wäre nur eine MPL-Lizenz von einer der weltweit renommiertesten Flugschulen auf dem engen Piloten-Arbeitsmarkt ein echter Startvorteil, sagt er.

Streit über Pilotenausbildung: Erste Schlappe für Lufthansa

„Der ursprüngliche Schulungsvertrag kann nicht mehr umgesetzt werden“, sagt aber ein Sprecher der LAT. Die angebotene Alternative sei gleichwertig. Er verweist auch auf den gekündigten Tarifvertrag mit der Vereinigung Cockpit, der bislang den exklusiven Zugang der Bremer Schüler in die Lufthansa geregelt hat.

Einen ersten arbeitsrechtlichen Dämpfer hat die LAT allerdings bereits erhalten: Im Eilverfahren hat das Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung bestätigt, nach der zehn weit fortgeschrittene Schüler an der US-Flugschule zu Ende ausgebildet werden müssen. Diesen Beschluss hat dieselbe Richterin gefasst, die nun für die Einzelklagen der Flugschüler zuständig ist. Für die Anwälte der LAT war dies der Anlass zu Befangenheitsanträgen, die zumindest dazu geführt haben, dass die für den 1. Dezember geplanten Verhandlungen ins neue Jahr vertagt wurden. (iwe/dpa)

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