In schwierigem Fahrwasser: Die Pandemie bedroht die Existenz vom Frankfurter Fährmann Sven Junghans (re.) und Steuermann Fritz Flohr.
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In schwierigem Fahrwasser: Die Pandemie bedroht die Existenz vom Frankfurter Fährmann Sven Junghans (re.) und Steuermann Fritz Flohr.

Corona-Einbußen

Die letzte Fähre Frankfurts kämpft gegen den Untergang

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Sven Junghans und die „Walter Kolb“ kämpfen wegen Einbußen durch Corona ums Überleben. Mit einer Crowdfunding-Aktion funkt der Fährmann SOS.

Frankfurt - Täglich außer mittwochs verbindet die „Walter Kolb“ beide Mainufer, als letzte Fähre in Frankfurt. Doch durch Corona ist die Mainfähre in unruhiges Fahrwasser gekommen - Fährmann und Pächter Sven Junghans funkt jetzt SOS. Die ersten Reaktionen auf seinen Spendenaufruf lassen ihn hoffen.

Herr Junghans, wie ernst genau ist die Lage?

Das Problem ist: Ich bin zwar während des Lockdowns weiter gefahren. Allerdings durfte ich in den ersten drei Wochen bei den Fahrten von Ufer zu Ufer nur mit fünf, bis zum 30. Juni dann mit acht Leuten fahren. Normalerweise sind es 35. Die Abendfahrten waren bis fast Mitte Juli komplett ausgefallen.

Wie hat sich das auf den Umsatz ausgewirkt?

Im März und April hatte ich Einbußen von 85 Prozent. In den Nachfolgemonaten habe ich meist 70 Prozent verloren.

Inwieweit waren Sie überrascht?

Ich hatte gedacht, dass sich die Fahrgastzahlen etwas stabilisieren würden - durch Touristen aus anderen Bundesländern, da die Leute wegen der Pandemie ja in Deutschland bleiben mussten. Aber es kam leider anders.

Sie beklagten sich auf ihrer Facebookseite darüber, dass gerade ihre beliebten Skyline-Touren manchmal mit nahezu leerem Schiff fahren, weil Leute, die reserviert hatten, einfach nicht kamen. Sie riefen nicht einmal an, um abzusagen . . .

Das kam noch hinzu. Ich konnte die Skyline-Touren ja wegen der Corona-Auflagen nur mit maximal 15 bis 18 Leuten anstatt mit 35 fahren. Und leider sind die Menschen so unzuverlässig geworden. Viele reservierten telefonisch, blieben aber fern. Ich hatte darauf vertraut, dass man auch kommt, wenn man zugesagt hat.

Sie sammeln jetzt online Spenden zur Rettung der Mainfähre . . .

Ja, und das ist mir erstmal schwer gefallen, weil ich weiß: Vielen Leuten geht durch die Krise noch schlechter als mir. Umso dankbarer bin ich den Menschen, die selber wenig zur Verfügung haben, und trotzdem die Fähre unterstützen. Schön wäre es, wenn auch große Betriebe, gerade die vor unserer Haustür, mitmachen würden. Denn die Fähre ist ja ein Kulturgut der Stadt.

Apropos: Welche Unterstützung bekommen Sie denn von der Stadt?

Jeder Fährbetrieb wird bezuschusst. Natürlich bekomme ich Mittel von der Stadt, aber die kommen sowieso jedes Jahr und sorgen für den Erhalt der Fähre in normalen Zeiten. Die es in diesem Jahr leider nicht gab. Und jetzt stehen uns die langen sechs, sieben Monate bevor, wo wir keine großen Einnahmen haben. Dabei läuft der Fährbetrieb ja weiter, bis auf die vier Wochen über Weihnachten und Neujahr. In den Monaten musst Du ja davon leben, was Du im Sommer eingefahren hast. Und das ist eben in diesem Jahr ausgefallen.

Welche Summe müsste erreicht werden für das rettende Ufer?

Das ist nicht zu beziffern. Um die Verluste ein bisschen zu deckeln, haben wir mal 9800 Euro angegeben. Aber auch alles, was darüber liegt, wird für den Erhalt der Fähre benötigt. Auch mit Blick auf 2021, da die Zahl der Corona-Fälle ja wieder steigt. Ob ich nächstes Jahr, wie sonst, im April wieder durchstarten werde, wage ich zu bezweifeln.

Zu Erfreulicherem: Die Höchster Künstlerin Nadine Schuckmann möchte etwa 100 Postkarten mit dem Motiv der Fähre zu je einem Euro verkaufen und Ihnen die Einnahmen spenden. Wie berührt Sie das?

Das ist wirklich eine super Geschichte. Ich habe auch sonst viel Zuspruch bekommen von Leuten, die sagen: Es ist unsere Fähre - wir müssen alles tun, um sie zu erhalten. Es wäre gut, das Thema in die ganze Stadt zu tragen, denn wir sind ja so etwas wie der Botschafter des Frankfurter Westens.

Die Binnenschifffahrt ist Ihnen in die Wiege gelegt worden . . .

Ja. Ich stamme in siebter Generation aus einer Fischer- und Schiffer-Familie, komme gebürtig aus Meißen an der Elbe. Meine Großeltern lebten von der Fischerei in der Elbe, bis es nicht mehr ging. Nach der Wende haben meine Familie und ich einen alten Raddampfer vor der Verschrottung gerettet und übernommen. 2011 habe ich mich auf eine freigewordene Stelle auf der Mainfähre beworben - und vor fünf Jahren übernahm ich sie, als mein Vorgänger in Ruhestand ging.

Was ist das Besondere am Job?

Du hast Dein Hobby und Deinen Beruf in Einem, bist trotzdem jeden Abend zu Hause. Die letzte Frankfurter Fähre betreiben zu dürfen, ist für mich eine besondere Ehre, aber auch Herausforderung. Interview: michael forst

So lässt sich spenden

Auf der Facebookseite von Sven Junghans führt ein Link auf das Crowdfunding-Portal.

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