Solche Staus auf dem Sachsenhäuser Schaumainkai verursachte die Sperrung des Mainkais im Jahr 2019 zuhauf.
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Solche Staus auf dem Sachsenhäuser Schaumainkai verursachte die Sperrung des Mainkais im Jahr 2019 zuhauf.

Unruhe in Sachsenhausen

Frankfurt: Bürgerinitiative befürchtet erneute Sperrung des Mainkais ‒ „Chaotenprojekt“ droht

  • vonStefanie Wehr
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Eine Bürgerinitiative in Frankfurt befürchtet eine weitere Mainkai-Sperrung durch die SPD. Vor der Kommunalwahl machen sie nochmal mobil.

Frankfurt ‒ „Keine Stimme für die SPD, die den Mainkai sperren und den Mainkai-Verkehr noch zusätzlich in die anderen, ohnehin schon überlasteten Straßen im Stadtzentrum drängen will. Das ist keine sozial-ökologische Verkehrswende, wie sie behauptet, sondern das Gegenteil“, steht auf der Internetseite der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“.

„Wir haben unsere Webseite den aktuellen Gegebenheiten angepasst“, sagt Herbert Schmoll, Sprecher der Bürgerinitiative. Er warnt: „Weltweit werden Innenstädte vom Verkehr entlastet. Achtung Kommunalwahl in Hessen: Wer SPD oder Linke wählt, bekommt genau das Gegenteil!“

Frankfurt-Sachsenhausen: Der Mainkai-Verkehr entlastet die Südseite

Gerade war es wieder ruhiger geworden auf Sachsenhausens Straßen. Der Mainkai ist seit September wieder für den Kfz-Verkehr offen, so dass die Ost-West-Achse auf der Nordseite wieder den Verkehr aufnehmen kann, der zuvor ein Jahr lang zum Großteil auf die südliche Mainseite verdrängt worden war. „Jetzt müssen wir mit der Kommunalwahl fürchten, dass die Mainkai-Sperrung wiederkommt“, sagt Schmoll.

Die Parteien haben im Wahlkampf einen erneuten Versuch, den Mainkai autofrei umzugestalten, kaum zum Thema gemacht. Außer der SPD: Die Fraktion der Genossen im Römer hat just gestern einen Videoclip nebst Visualisierungen online gestellt: „Autofreier Mainkai ‒ so könnte es aussehen“. Und ein Essay, in dem der Verkehrsausschuss-Vorsitzende Eugen Emmerling die „Vision“ eines Parks am Mainkai vorstellt. „Ich bedauere sehr, dass einzig und allein auf Wunsch der Frankfurter CDU die Straße wieder geöffnet werden musste“, schreibt Emmerling.

Mainkai in Frankfurt: Bürgerinitiative ist gegen eine erneute Sperrung

Einzig und allein die CDU? Im Süden von Frankfurt erinnert man sich anders: Auch FDP, BFF und die Freien Wähler waren für die Aufhebung der Sperrung. Die BI „Sachsenhausen wehrt sich“ zählt mehr als 1500 Mitglieder hibb- und dribbdebach. „Wenn wir sicher sein wollen, dass der Mainkai offen bleibt, dürfen wir bei der Kommunalwahl nur die konservativen Parteien wählen“, empfiehlt Schmoll.

Der Sachsenhäuser will seine Mitglieder vor der Wahl noch einmal mobilisieren und hofft, genügend Mitstreiter für eine erneute Flyer-Aktion zu finden. Vergangenes Jahr verteilte die Initiative 40 000 Flyer. „Ich denke, wir werden uns am Samstag vor der Wahl noch mal in der Innenstadt und in Sachsenhausen postieren und auf das Thema aufmerksam machen“, kündigt Schmoll an.

Frankfurt: Autofreier Mainkai ist laut Bürgerinitiative „völlig absurd“

Denn an der in seinen Augen verqueren Verkehrspolitik der Stadt unter SPD-Verkehrsdezernent Klaus Oesterling hängt vieles: „Wenn die Parkgebühren erhöht werden und es immer schwieriger wird, mit dem Auto in die Innenstadt zu gelangen, wird bald niemand mehr in Frankfurt einkaufen“, erklärt Schmoll. Auch dieses Thema beleuchtet er auf der Internetseite der BI.

Nach wie vor sei die „sozial-ökologische Verkehrswende“, die laut SPD der autofreie Mainkai einleiten würde, völlig absurd. Denn die Test-Sperrung habe das Gegenteil gezeigt: Zehntausende Fahrzeuge wurden täglich auf die Berliner Straße und auf die andere Mainseite gedrängt, „mitten ins Herz von Nordsachsenhausen, dem Stadtteil der ohnehin seit Jahrzehnten unter massiver Verkehrsüberlastung leidet“.

Mainkai in Frankfurt: Vergangene Sperrung sorgte für erhöhte Abgase auf anderen Straßen

Auf der Schweizer Straße habe man sich während der Sperrung wegen erhöhter Abgase und mehr Autolärm kaum noch aufhalten können. Darmstädter Landstraße, Mörfelder Landstraße, Gartenstraße und Kennedyallee seien als Ein- und Ausfallstraßen längst überlastet, Schleichverkehr versuche, die Staus durch Wohnstraßen zu umfahren. Es sei abzusehen, betont Schmoll, dass das „Chaotenprojekt“ wieder genauso ablaufe wie beim letzten Mal. Besser wäre es, flächendeckend den Verkehr in der Stadt zu reduzieren, den ÖPNV auszubauen und günstiger für die Menschen im Umland zu gestalten. (Stefanie Wehr)

An knapp 100 Stellen in Frankfurt soll 2021 gebaut werden ‒ eine Übersicht. Die Verkehrsplanerin Petra Schäfer spricht in einem FNP-Interview über die Verkehrswende in Frankfurt.

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