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Mainkai in Frankfurt: Der Kopf einer Bürgerinitiative hat einen Todesfall erfunden, um die Sperrung zu kritisieren. Jetzt fühlt er sich missverstanden.

Frankfurt 

Gegner erfindet Todesfall wegen Mainkai-Sperrung – und fühlt sich missverstanden

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Der Kopf einer Bürgerinitiative in Frankfurt hat einen Todesfall erfunden, um die Mainkai-Sperrung zu kritisieren. Jetzt fühlt er sich missverstanden.

  • Ein Gegner der Mainkai-Sperrung in Frankfurt hat einen Todesfall erfunden, um die Sperrung zu kritisieren. 
  • Eine Sprecherin des Rettungsdienstes widerspricht dieser Meldung.
  • Der Kopf der Bürgerinitiative fühlt sich missverstanden.

Update vom Mittwoch, 19.02.2020, 17.45 Uhr: Ein Patient sei in einem Rettungswagen gestorben, weil der in einem durch die Mainkai-Sperrung verursachten Stau feststeckte – mit dieser Behauptung sorgt Herbert Schmoll von der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ in Frankfurt für Wirbel. Die Branddirektion dementiert, Schmoll fühlt sich missverstanden. 

Er habe nicht behauptet, dass es einen Toten gäbe, sondern habe eine fiktive Situation geschildert. Er erzählt im Interview, warum er davon ausgeht, dass jemand zu Schaden kommen könnte.

Mainkai-Sperrung: Gegner erfindet Todesfall – Rettungsdienst enttarnt die Lüge

Erstmeldung vom Mittwoch, 19.02.2020, 06.00 Uhr: Frankfurt – „In Frankfurt fährt ein Rettungswagen einen Notfall-Einsatz. Am Schaumainkai bleibt der Rettungswagen zehn Minuten in einem Stau stecken, der Patient stirbt.“ Mit dieser Schilderung warnt Herbert Schmoll, Kopf der Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“, vor drastischen Folgen der Sperrung des Mainkais. Allein: Diese Nachricht ist falsch.

Dass ein Patient verstorben sei, weil ein Rettungswagen im Umfeld der gesperrten nördlichen Mainuferstraße in Frankfurt festgesteckt habe, „kann ich nicht bestätigen“, sagt auf Nachfrage dieser Zeitung Rainer Heisterkamp, der Sprecher der Branddirektion. Sie leitet den Rettungsdienst. Ein solcher Fall „ist uns nicht bekannt“.

Frankfurt: Schmoll – Mordurteil in Berlin, nichts in Frankfurt

Heisterkamp betont, er habe extra bei sämtlichen Trägern der Rettungsdienstfahrten nachgefragt, ob es einen solchen Todesfall in Frankfurt gegeben habe. Ergebnis: „Wir haben bis dato keine Rückmeldung, dass es zu einer verspäteten Versorgung oder jemand zu Tode gekommen ist aufgrund von Verzögerungen im Verkehrsablauf.“

Schmoll hatte am Wochenende in einer an Frankfurter Stadtpolitiker adressierten E-Mail die Situation rund um den Mainkai mit dem Raser-Unfall vom Juni 2018 aus Berlin verglichen, als in nahe Kurfürstendamm ein Rentner in seinem Fahrzeug starb. Während der Unfallfahrer dort wegen Mordes verurteilt worden sei, geschehe in Frankfurt „nichts“, schreibt Schmoll. Mit seinem Vergleich spielt er offenbar auf die Politik von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an, dem er und die BI-Mitstreiter vorwerfen, die Staus in Sachsenhausen durch die Mainkai-Sperrung verursacht zu haben.

Nun erweckt Schmoll den Eindruck, dass Oesterling wegen des Verursachens der Staus rechtlich belangt gehöre: „Da das von der Staatsanwaltschaft tatsächlich nicht bewiesen werden kann, läuft er weiter fröhlich durch Frankfurt und lässt sich weiter für seine Verkehrswende feiern“, schreibt der BI-Sprecher.

Frankfurt Mainkai: Uferstraße nutzbar bei Einsatzfahrten

Als SPD-Fraktionsreferent Hans-Jürgen Sasse daraufhin Schmoll warnt, er spiele mit dem Feuer, antwortet der Sachsenhäuser: „Wollen Sie es tatsächlich verantworten, dass Schwerverletzte in Rettungsfahrzeugen verbluten? In Staus, die bewusst, wissentlich, vielleicht sogar absichtlich herbeigeführt wurden?“

Seit August 2019 ist der Mainkai gesperrt. 

Immer wieder komme es vor, dass Patienten in Rettungswagen versterben, erklärt Branddirektionssprecher Heisterkamp. „Dann ist aber nicht die Verkehrssituation Ausschlag gebend, sondern der Zustand des Patienten.“ Verzögerungen durch Staus seien in die Planung der Rettungsdienste grundlegend einkalkuliert - auch in die Planung der Sperrung des Mainkais in Frankfurt sei der Rettungsdienst eingebunden gewesen.

Frankfurt Mainkai: Staus in der Innenstadt „normal“ 

Dass es Staus gebe, sei ja überall in der Frankfurter Innenstadt „normal“, nicht nur auf den Ausweichrouten nördlich und südlich des Mainkais. Vor allem: Der Rettungsdienst könne weiterhin mit Sonderrechten über den Mainkai fahren, erinnert Rainer Heisterkamp. Lediglich müssten die Fahrer dafür Schranken an der Zu- und Ausfahrt öffnen. Der Zeitverlust dadurch sei aber sehr gering.

In der Sitzung des Verkehrsausschusses am Dienstag kam Schmolls Nachricht nicht zur Sprache, Gegner der Sperrung meldeten sich nicht zu Wort. In den vergangenen Monaten waren sie jedes Mal dort, kritisierten und beschimpften Politiker massiv wegen der Sperrung. „Wir haben heute eine Erholungssitzung“, sagt Ausschussvorsitzender Wolfgang Siefert (Grüne). Die endet dann auch schon nach nur 36 Minuten. 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Weil es am Museumsufer in Sachsenhausen vermehrt zu Staus kommt, fordert eine Bürgerinitiative das Ende der Mainkai-Sperrung in Frankfurt.

Der Mainkai ist gesperrt – auf die frei gewordene Fläche ist ein Traditions-Flohmarkt aus Sachsenhausen gezogen. Händlern und Besuchern gefällt es dort aber nicht, deshalb haben sie eine Petition gestartet, die den Flohmarkt zurück ans Südufer holen soll

Der Mainkai ist für de Autoverkehr gesperrt. Aber ob provisorisch oder auf Dauer, noch wirkt der Mainkai etwas unattraktiv, wenn dort keine Veranstaltung ist. Das soll sich ändern: Mehr Grün am Mainkai ist geplant. 

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